Verkehr Bundesrat will Motorrad-Lärm einschränken

Jetzt wo das Wetter schöner wird – und man dank der Lockerungen wieder Ausflüge machen darf – beginnt auch wieder die schönste Zeit für Motorradfahrer. Doch was für die Biker der Freizeitspaß ist, wird für viele Menschen zum Ärgernis: Wegen des Lärms, den einige Motorräder machen. Der Bundesrat will den nun reduzieren.

Motorradtour
Die Saison für Motorradtouren ist gerade erst wieder gestartet. (Archivbild) Bildrechte: imago images / Bildwerk

Für die einen gehören sie zum Fahrgefühl dazu, für die anderen ist es einfach nur Krach: Motorradgeräusche. Michael Lenzen ist Vorsitzender des Bundesverbands der Motorradfahrer und sagt, er verstehe die Beschwerden: "Die Motorradfahrer sind am Wochenende bei schönem Wetter unterwegs, genau in der Zeit, wo die anderen Menschen Natur genießen, im Garten sitzen wollen et cetera. Und von daher hat sich das Konfliktpotenzial einfach auch verstärkt."

Der Bundesrat hat nun auf Antrag von Nordrhein-Westfalen beschlossen, den Lärm zu bekämpfen. So soll etwa Tuning verboten werden, das nur dazu dient, die Lautstärke zu erhöhen. Das findet auch Michael Lenzen noch gut. Kritisch sieht er dagegen die geplante Obergrenze von 80 Dezibel für Neufahrzeuge. Das ist etwa so laut wie ein Rasenmäher. Es sei nicht klar, worauf sich der Wert beziehe: "Das ist überhaupt nicht genannt. Ist das das Fahrgeräusch, ist es das Standgeräusch? Wo wird es gemessen? Das macht überhaupt keinen Sinn, irgendeinen Grenzwert festzulegen, wenn man nicht definiert, wo er denn gemessen wird." Deswegen tauge dieser Vorschlag schlichtweg nichts.

Das haben keine Fachleute gemacht. Das ist Populismus, damit man eine Zahl in den Raum wirft. Aber das hat weder Hand noch Fuß.

Michael Lenzen Vorsitzender Bundesverband Motorradfahrer

Lärm befördert Krankheiten

75 Prozent der Deutschen fühlen sich von Verkehrslärm belästigt oder stark gestört, sagt eine Umfrage des Umweltbundesamtes von 2018. Jan Gebhardt arbeitet dort im Fachgebiet "Lärmminderung im Verkehr" und sieht in dem Bundesratsbeschluss einen Schritt in die richtige Richtung. Schließlich sei Lärm nicht nur bloße Belästigung, sondern könne auch Krankheiten befördern. Gebhardt sagt: "Das kann Herzinfarkte fördern, aber das kann auch zum Beispiel psychologische Erkrankungen fördern, wie zum Beispiel Depressionen."

Skepsis mit Blick auf mögliche Fahrverbote

Gebhardt fordert deshalb, dass künftig auch bessere Lärm-Tests vor der Zulassung durchgeführt werden. Bislang gingen diese oft an der Realität vorbei, wie Untersuchungen des Umweltbundesamtes gezeigt hätten. Skeptisch ist er allerdings gegenüber den möglichen Fahrverboten an Sonn- und Feiertagen, die Teil des Vorschlags der Länder sind. Schließlich seien nur wenige, einzelne Motorradfahrer das Problem. "Wir würden sozusagen alle Motorradfahrer gleich bestrafen und deshalb sollte es als letzte Maßnahme nur genommen werden", erklärt Gebhardt.

Auch Michael Lenzen vom Motorradfahrerverband lehnt Fahrverbote ab. Es gebe andere Lösungen, um dem Problem zu begegnen. Lärm-Blitzer etwa hätten sich bewährt, oder auch bauliche Schikanen. Allerdings seien viele Kommunen wegen der Kosten zögerlich, kritisiert Lenzen: "Das hat man über Jahre gar nicht angepackt und jetzt schüttet man das Kind mit dem Bade aus."

Uneinigkeit in Mitteldeutschland

Auch die Länder stehen nicht alle hinter dem Bundesratsbeschluss. So teilt das Verkehrsministerium in Magdeburg auf Anfrage mit, innerhalb der Landesregierung gebe es keine einheitliche Position zu dem Thema. Deshalb habe sich Sachsen-Anhalt bei der Abstimmung enthalten. Auch Sachsen hat sich enthalten. In einer Mitteilung heißt es, man unterstütze zwar das Grundanliegen, halte eine weitere Verschärfung aber nicht für angemessen.

Thüringen dagegen hat für den Beschluss gestimmt, sagt die Staatssekretärin im Infrastruktur-Ministerium, Susanna Karawanskij: "Nun ist natürlich die Bundesregierung am Zug, sich zum Schutz der Gesundheit aller Bürgerinnen und Bürger dann auch für eine geringere Lärmemission stark zu machen." Und weiter:

Das wäre ein wichtiges Signal im Sinne des Gesundheitsschutzes der Menschen.

Susanna Karawanskij Staatssekretärin Thüringer Verkehrsministerium

Der Beschluss der Länder liegt nun bei der Bundesregierung. Wann diese darüber entscheiden wird, ist noch unklar.

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Vor 100 Jahren hat es in Dessau eine kleine Motorradwerkstatt gegeben, mit dem Namen "Dieterle Dessau". Viel ist über Dieterle nicht bekannt, deshalb hat Susanne Reh sich tief ins Dessauer Stadtarchiv vergraben.

MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir So 19.04.2020 11:40Uhr 03:31 min

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Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 24. Mai 2020 | 05:00 Uhr