Rechtsextremismus Thüringer "Jungsturm": Enge Verbindungen ins "Blood and Honour"-Netzwerk

Die Thüringer Neonazi-Hooligan-Gruppe "Jungsturm" besitzt offenbar engere Verbindungen zum rechtsextremen "Blood and Honour"-Netzwerk als bisher bekannt. Das haben Recherchen des Magazins "FAKT" ergeben.

Jungsturm-Fahne im Erfurter Fanblock
Die Hooligan-Gruppierung "Jungsturm", die aus dem Fanspektrum des Fußballvereins FC Rot-Weiß Erfurt stammen soll, gibt es seit 2014. Bildrechte: imago images / Matthias Koch

Fotos, die "FAKT" vorliegen, zeigen "Jungsturm"-Mitglieder gemeinsam mit bulgarischen Neonazi-Hooligans, die der Gruppierung "Animals Sofia" angehören. Darunter ist auch der Rechtsextremist Orlin P. Er soll nach FAKT-Recherchen der Kontaktmann der Thüringer Neonazi-Hooligan-Gruppe in das internationale militante Neonazi Netzwerk sein. "Blood and Honour" ist in Deutschland verboten.

Auch Kontakte zur verbotenen Gruppe "Combat 18"

Orlin P. soll gute Kontakte zu internationalen Kadern von "Blood & Honour" und dessen bewaffneten Arm "Combat 18" pflegen. Treffen zwischen P. und deutschen "C18"-Kadern sollen unter anderem beim Neonazi-Festival im sächsischen Ostritz 2018 stattgefunden haben. Die Gruppe "Combat 18" wurde in Deutschland Ende Januar 2020 vom Bundesinnenministerium verboten.

Robert Claus bei einer Lesung in Chemnitz
Hooligan-Experte Robert Claus warnt vor möglichen rechtsterroristischen Tendenzen. Bildrechte: MDR/Anett Linke

Der Autor und Hooligan-Experte Robert Claus sagte gegenüber dem ARD Magazin: "Die große Gefahr der Kontakte des 'Jungsturms' zu einem Netzwerk wie 'Blood and Honour' liegt darin, dass eine solche Verbindung letztendlich auf Rechtsterrorismus hinauslaufen könne." Extrem rechte Ideologie sei immer gewalttätig und eine Gruppierung wie "Jungsturm" habe das Potential in der rechten Szene zu rekrutieren und zu radikalisieren, so Claus.  

"Jungsturm" soll aus RWE-Fanspektrum stammen

Die Hooligan-Gruppierung, die aus dem Fanspektrum des Fußballvereins FC Rot-Weiß Erfurt stammen soll, gibt es seit 2014. Szenekenner schätzen den harten Kern auf zehn Personen ein mit einem engen Umfeld zu weiteren 30 Personen, darunter viele polizeibekannte Neonazis.

Ermittlungen gegen "Jungsturm"-Mitglieder laufen

Bei Hausdurchsuchungen in Thüringen und Sachsen-Anhalt waren Ende April drei mutmaßliche "Jungsturm"-Mitglieder festgenommen worden, darunter nach "FAKT"-Informationen auch ein preisgekrönter Kampfsportler aus Sachsen-Anhalt. Einzelne Mitglieder der Gruppe sollen in den vergangenen Jahren Gewaltstraftaten begangen haben. Gegen sie wird nun wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung ermittelt.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | FAKT | 19. Mai 2020 | 21:45 Uhr