"NSU 2.0" Neue rechtsextreme Drohmails verschickt

Zehn Tote, drei Sprengstoffanschläge und 15 Raubüberfälle gingen auf das Konto des rechtsextremen NSU. Nun tauchen immer mehr Drohmails mit der Unterschrift "NSU 2.0" auf - zuletzt auch gegen mehrere Grünen-Politiker.

Ein Plakat mit der Aufschrift Der NSU 2.0 war nicht zu Dritt, das dritte Revier macht mit - rechter Hetze entgegentreten
Eine Kundgebung in Wiesbaden - bereits im Zuge des NSU-Prozesses wurde immer wieder Kritik laut, das breite Netzwerk um die prominentesten drei NSU-Terroristen werde zu wenig beachtet. Bildrechte: dpa

Mehrere Politikerinnen und Politiker der Grünen haben neue Drohschreiben mit dem Absender "NSU 2.0" erhalten. Ein Fraktionssprecher sagte der Deutschen Presse-Agentur, betroffen seien die Bundestagsabgeordneten Anton Hofreiter, Renate Künast und Filiz Polat. Auch Hannovers Oberbürgermeister Belit Onay bestätigte, ein solches Drohschreiben erhalten zu haben. Zuerst hatte der "Spiegel" über die Fälle berichtet.

Belit Onay
Belit Onay Bildrechte: dpa

Onay sagte, er erhalte relativ viele Drohmails, diese habe aber auch Bezug auf seine Familie genommen. Zudem stelle sie sich in den Kontext der rechtsterroristischen Gruppe Nationalsozialistischer Untergrund (NSU). Er nehme das sehr ernst.

Ähnlich äußerte sich seine Parteikollegin Filiz Polat. Sollten hinter "NSU 2.0" "tatsächlich ein rechtes Netzwerk oder Tatverdächtige aus unseren Sicherheitsbehörden stecken", habe dies für sie eine besondere Qualität, sagte sie.

Drohmails enthielten Daten aus Polizeirechnern

Insgesamt sind den Behörden derzeit rund 70 Drohmails mit der Unterschrift "NSU 2.0" bekannt. Bereits 2018 sorgten entsprechende Drohungen gegen die Anwältin Seda Başay-Yıldız für Aufsehen. Schon damals enthielten die Drohmails Daten aus hessischen Polizeicomputern. Başay-Yıldız hatte unter anderem im NSU-Prozess die Familie des ermordeten Enver Şimşek vertreten.

Die jüngste Serie von Drohmails richtete sich neben prominenten Politikern auch gegen die Kabarettistin Idil Baydar, gegen den Vorsitzenden des Zentralrats der Muslime, Ayman Mazyek, sowie gegen die Journalisten Maybrit Illner und Deniz Yücel. In mehreren Fällen wurden Daten der Bedrohten über hessische Polizeicomputer abgefragt. Ein Sonderermittler soll nun aufklären, ob es sich um ein rechtsextremes Netzwerk in der hessischen Polizei handelt. Landespolizeipräsident Udo Münch hat in der Affäre bereits seinen Posten geräumt.

Unter dem Namen NSU hatten die Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt zwischen 2000 und 2007 zehn Menschen ermordet. Ihre Mittäterin Beate Zschäpe wurde 2018 verurteilt. Im Zuge des fünfjährigen NSU-Prozesses wurde immer wieder Kritik laut, dass das breite Netzwerk um die drei Rechtsextremisten zu wenig berücksichtigt worden sei.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 23. Juli 2020 | 07:00 Uhr