Ein Volkswagen-Mitarbeiterin kontrolliert einen WLTP-Abgastest im VW-Hauptwerk. Mit dem WLTP-Testverfahren werden die Abgasemissionen und der Verbrauch von Personenkraftfahrzeugen und leichten Nutzfahrzeugen ermittelt.
Bei VW werden verschiedene Wagen dem WLTP-Test unterzogen. Bildrechte: dpa

WLTP Ärger um neuen Abgastest

Mit der Wahrheit nahmen es viele Autohersteller zuletzt nicht so genau. Ob Verbrauchs- oder Abgaswerte – was da in den Papieren der Hersteller stand, hatte mit der Realität wenig zu tun. Das soll sich ändern. Ab Samstag dürfen in Deutschland nur noch Neuwagen verkauft werden, die das weltweit harmonisierte Testverfahren für Leichtfahrzeuge – kurz WLTP – durchlaufen haben. Es soll realistischere Verbrauchswerte liefern. Bislang allerdings sorgt der Test vor allem für Ärger.

von Ralf Geißler, MDR AKTUELL

Ein Volkswagen-Mitarbeiterin kontrolliert einen WLTP-Abgastest im VW-Hauptwerk. Mit dem WLTP-Testverfahren werden die Abgasemissionen und der Verbrauch von Personenkraftfahrzeugen und leichten Nutzfahrzeugen ermittelt.
Bei VW werden verschiedene Wagen dem WLTP-Test unterzogen. Bildrechte: dpa

Wie sagt man doch? Die Wahrheit hat ihren Preis. Das spüren ab morgen vor allem die Käufer von neuen Autos. Denn beim Abgastest WLTP hat sich gezeigt, dass fast alle Modelle mehr CO2 ausstoßen als bislang angegeben.

Weil sich aber die Kfz-Steuer am CO2-Ausstoß bemisst, geht diese nach oben - zumindest für Fahrzeuge, die ab morgen zugelassen werden. Wie teuer es wird, hat Stefan Bratzel ausgerechnet, Leiter des Center of Automotive Management:

Man kann davon ausgehen, dass im Durchschnitt die Kfz-Steuer um rund 20 Prozent steigt. Vielleicht im Durchschnitt rund 50 Euro. Es hängt aber sehr von den jeweiligen Modellen ab. Es kann auch durchaus mal mehr sein. Aber als groben Daumenwert kann man das ungefähr sagen.

Stefan Bratzel Leiter des Center of Automotive Management:

Neuer Abgastest näher an der Realität

Es gibt auch Modelle, für die weniger Steuern fällig werden. Das sind aber Ausnahmen. Für die neuen Zahlen mussten in ganz Europa tausende Autos auf den Prüfstand. Der WLTP-Test dauert regulär 30 Minuten.

Bei verschiedenen Geschwindigkeiten werden Verbrauch, CO2- und Stickoxid-Ausstoß gemessen, erklärt Anja Smetanin vom Autoclub Europa: "Wir haben auch Standphasen dabei. Also so, dass es daran angelehnt ist, dass das Fahrzeug fährt und auch mal steht. Es werden Kriterien beachtet wie Wetter, Reifen, Fahrstrecke. Aber man muss weiter sagen, es ist eben ein Test im Labor und nicht auf der Straße. Und deswegen wird der Wert nicht eins zu eins genau so sein, wie das Fahrzeug auf der Straße unterwegs ist. Aber man kann schon sagen, es wird wesentlich realitätsnäher".

Testverfahren für Hersteller zeitaufwendig

Das Testverfahren kostet die Hersteller viel Zeit. Und so sind noch nicht alle Modelle getestet. Die Folge: Die Vielfalt im Autohaus ist derzeit eingeschränkt. Denn verkauft werden darf nur, was das WLTP-Verfahren durchlaufen hat. Für Ärger sorgt das vor allem bei den Händlern.

Thomas Peckruhn ist Vizepräsident des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe: "Es wird also im dritten und vierten Quartal bei nahezu allen Autoanbietern Lieferengpässe geben und auch keine volle Verfügbarkeit des Produktportfolios, sprich Motor-Getriebe-Kombination. Die Prozentzahl konkret kann ich Ihnen natürlich nicht benennen, weil das von Hersteller zu Hersteller sehr stark differiert. Aber man kann schon von der Hälfte des Angebots sprechen."

Keine höheren Steuern für Gebrauchtwagen

Vor allem ungewohnte Varianten gibt es vorerst nicht. Bei Volkswagen wartet man aber auch noch auf die Ergebnisse für Varianten von Golf und Tiguan. Autoclub-Sprecherin Smetanin überrascht das nicht: "Das liegt einfach daran, dass wir einen Dieselskandal vorher hatten. Und gerade beim VW-Konzern brauchen unheimlich viele Fahrzeuge noch ein Software-Update, um die Abgasgrenzwerte einzuhalten. Und auch das findet auf den Prüfständen statt. Und deswegen kommt man mit dem Messen der Emissionen und des Verbrauchs nicht hinterher."

Viele Experten gehen davon aus, dass erst Mitte kommenden Jahres wieder die gewohnte Produktpallette auf dem deutschen Automarkt verfügbar sein wird. So mancher greift da womöglich vorher zum Gebrauchtwagen. Für den ändert sich die Kfz-Steuer nämlich nicht.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 31. August 2018 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 31. August 2018, 05:00 Uhr

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12 Kommentare

02.09.2018 03:53 Joshy 12

Ich finde diese Steuererhöhung gut. Vielleicht kommt man dann auch nach und nach von diesen SUVs wieder weg, diese schweren Panzer mit einem Spritverbrauch, der auf keine grüne Kuhhaut geht. So lange das autofahrende Volk solche Dinger fährt, wird das mit der CO2-Einsparung nichts. Dann auch endlich Tempolimit auf Autobahnen. 130 oder 140 km/h reichen völlig, der Verkehr würde auch flüssiger.
Aber so lange das Auto der Deutschen liebstes Kind und für viele auch ein Phallus ist, kann man das wohl vergessen. Beim Auto hört der Klimaschutz halt auf.

01.09.2018 20:08 Herr Russ von Diesel 11

Interessiert mich nicht.
Bis die Neuwagen von heute so alt sind, dass diese
in mein Beuteraster fallen bin ich lange tot.

01.09.2018 09:33 M. Civis 10

Straßentest?

Mit einem Test auf der Straße lassen sich keine gültigen Vergleichswerte feststellen.
Der Fahrer, die Straßenverhältnisse, die Witterung etc. spielen eine wesentliche Rolle beim Verbrauch und den Emissionen.

Es geht nur mit einem Labortest, dieser muss so gut wie möglich der durchschnittlichen Nutzung in der Praxis entsprechen.

01.09.2018 09:16 M. Civis 9

"Es soll ehrlichere Verbrauchswerte bringen."
Ende der frisierten Laborwerte?
Wirklich, bei dieser frisierten Energie-, Umwelt- und Klimapolitik?
Mit dem EEG wurden bei den einfachen Stromverbraucher bereits hohe dreistellige Milliardenbeträge abkassiert. Wie man offenkundig sehen kann, für Klima- und Umwelt nichts gewonnen, im Gegenteil.

Neuer Abgastest? Ehrlich! Es soll mehr Geld in den Staatsäckel bringen. So ehrlich ist die Politik dann doch noch zum Steuerbürger.

Ehrlich, der Verbrauch wird nicht weniger und die Emissionen auch nicht, im Gegenteil.

Denn auch die diversen Umrüstungen führen zu mehr Ressourcenverbrauch. Wer wegen dieser giftgrünen Politik, mit grundrechtswidrigen enteignenden Eingriffen wie Fahrverbote etc., relativ neue sparsame Dieselfahrzeuge verschrotten oder ins Ausland verscherbeln muß, wird gerade zum Umwelt- und Klimasünder gezwungen. Wer glaubt, mit Batterieautos sei etwas gewonnen ist auf dem Holzweg. Das Gegenteil ist der Fall.

31.08.2018 21:28 Spottdrossel 8

Steuererhöhung durch die Hintertür! Die Steuereinnahmen des Staates sprudeln. Welche weiteren Steuern werden noch erhöht???

31.08.2018 21:26 Markus 7

Alles nur dafür gedacht, um PKW-Fahrer noch mehr zu belasten. Dem Staat fehlt Geld, das ist einzige Grund. Alles anderes ist frei erfunden.

31.08.2018 20:08 Fragender Rentner 6

@mattotaupa zu 5

Macht doch nichts.

31.08.2018 11:29 mattotaupa 5

@#4: "Warum müssen diese Abgastest nicht unter normalen Bedingen im Straßenverkehr getestet werden?" welche straße hätten sie denn gern? die landschaft um wolfsburg wird sich von der um zuffenhausen, ingolstadt, münchen oder mlada boleslav unterscheiden. sollen die amis auf straßen testen die 300 km nur geradeaus gehen, seat im katalanischen vorküstengebirge und lada auf russischen straßen um toljatti oder sollen die sich alle auf den 20 km zwischen winterberg und schmallenberg treffen? glaube einheitliche labortest sind vergleichbarer.

31.08.2018 10:08 Fragender Rentner 4

Warum müssen diese Abgastest nicht unter normalen Bedingen im Straßenverkehr getestet werden?

Da würden sie bestimmt noch "besser abschneiden"!

31.08.2018 10:04 Fragender Rentner 3

Warum Unmut?

Hätte man nicht vorher uns ein X für ein U verkauft, so hätten wir das Dilemma jetzt nicht !

Wo sitzen die Schuldigen, sollen die doch diese Mehrkosten tragen und nicht der Bürger !