Eine Organtransportbox wird in den Räumen der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) in Berlin übergeben.
Das Thema Organspende bleibt umstritten. Bildrechte: dpa

Gegenvorschlag Alternativer Gesetzentwurf zur Organspende vorgestellt

Die Politik will die Zahl der Organspenden erhöhen. Doch wie das geschehen soll, ist umstritten. Bundesgesundheitsminister Spahn ist für eine Widerspruchslösung. Jetzt gibt es allerdings einen alternativen Vorschlag.

Eine Organtransportbox wird in den Räumen der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) in Berlin übergeben.
Das Thema Organspende bleibt umstritten. Bildrechte: dpa

In der Debatte um eine Neuregelung der Organspende gibt es jetzt einen zweiten Gesetzentwurf. Dabei handelt es sich um eine Alternative zur sogenannten Widerspruchslösung, die unter anderem von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn favorisiert wird.

Der neue Gesetzentwurf ist von Bundestagsabgeordneten mehrerer Parteien erarbeitet worden. Zu ihnen gehören die Grünen-Vorsitzende Annalena Baerbock, Linken-Chefin Katja Kipping, die SPD-Politikerin Hilde Mattheis und die gesundheitspolitische Sprecherin der Unions-Fraktion, Karin Maag.

Plädoyer für Zustimmung

Die Politiker setzen sich dafür ein, dass die Organspende eine bewusste und freiwillige Entscheidung bleiben soll und man ausdrücklich zugestimmt hat. Zudem soll aktiv über Organspende aufgeklärt werden. Die CDU-Politikerin Maag sagte, die Organspende dürfe nicht auf ein nachträgliches Veto reduziert werden. Es dürften keine "Entscheidungs-Pflichten" geschaffen werden.

Annalena Baerbock, Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, spricht in der Plenarsitzung im Deutschen Bundestag.
Grünen-Chefin Annalena Baerbock setzt auf freiwillige Lösungen. Bildrechte: dpa

Baerbock betonte, es fehle nicht an der Bereitschaft zur Organspende, sondern an einfachen Möglichkeiten, sich zu erklären. Die fraktionsübergreifende Gruppe schlägt deshalb ein Online-Register vor, in dem alle Menschen ihre Haltung zur Organspende erfassen lassen können. Das Online-Register soll die bereits existierenden Organspenden-Ausweise ergänzen.

Darüber hinaus sieht der Gesetzentwurf von Baerbock und den anderen Politikern vor, dass Hausärzte ihre Patienten "bei Bedarf aktiv alle zwei Jahre über die Organ- und Gewebespende" beraten sollen. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung soll den Arztpraxen dafür geeignetes Aufklärungsmaterial zur Verfügung stellen.

Auch beim Beantragen eines neuen Personalausweises sollen Bürger Aufklärungsmaterial zum Thema Organspende erhalten.

Spahn wirbt für Widerspruchslösung

Bundesgesundheitsminister Spahn kritisierte den alternativen Vorschlag. Der CDU-Politiker sagte im ZDF, es werde seit vielen Jahren darüber diskutiert, die Zahl der Organspenden zu steigern. Die Zahlen seien aber immer noch zu niedrig. Man müsse endlich verbindlicher werden.

Spahn hält auch nichts davon, die Passbehörden in die Aufklärung einzubeziehen. Bei den Bürgerämtern in Berlin etwa sehe er nicht, wie man da noch ein Informationsgespräch zum Thema Organspende machen könne.

Spahn hatte im April gemeinsam mit dem SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach und anderen Politikern die sogenannte Widerspruchslösung als Gesetzentwurf vorgelegt. Danach soll künftig prinzipiell jeder Organspender sein, der zu Lebzeiten nicht ausdrücklich widersprochen hat.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 06. Mai 2019 | 11:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. Mai 2019, 12:01 Uhr

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12 Kommentare

07.05.2019 15:31 Sonja 12

@ 1 1 , diese haben wir schon lange !!

07.05.2019 09:57 Paul21 11

Einfach mal alles so lassen wie es ist, ganz einfach.
Organspende ja oder nein, das sollte jeder selbst entscheiden. Hat einer einen Organspendeausweis ist es gut, hat einer keinen Organspendeausweis ist es auch gut. Die Politik muss mit diesem Affentheater aufhören. Der Staat hat keinerlei Recht und Legitimation über den Körper des Menschen zu entscheiden. Das wäre Diktatur.

06.05.2019 21:26 ManfredV. 10

"Baerbock betonte, es fehle nicht an der Bereitschaft zur Organspende, sondern an einfachen Möglichkeiten, sich zu erklären"
Die einfachste Lösung sich zu erklären ist,sich in der
Familie über das Thema zu unterhalten,
und den Angehörigen seine Entscheidung mitzuteilen.
Der Organspende Ausweis ist eine weitere Möglichkeit sich zu erklären.
Da braucht es kein Online-Register.

06.05.2019 17:12 Wo ist das Lobbyregister? 9

@06.05.2019 14:23 Querdenker

(Zitat: „Spahn hält auch nichts davon, die Passbehörden in die Aufklärung einzubeziehen. Bei den Bürgerämtern in Berlin etwa sehe er nicht, wie man da noch ein Informationsgespräch zum Thema Organspende machen könne.“

Und deswegen will der Jens Spahn (CDU), dass gar kein „Informationsgespräch“ mit dem Bürgern geführt wird und die Zustimmung zur Organentnahme für die industrialisierte Gesundheitsbranche automatisch erfolgt. Für wie dumm hält Jens Spahn (CDU) den Bürger?)

Oh, der setzt einfach auf die Vergesslichkeit der "Bürger" - diese Methode ist ja nicht erst seit Merkel die bevorzugte einer deutschen Regierung. Bzw. dessen, was sich als solche ausgibt.

06.05.2019 15:08 Morchelchen 8

Alternativ kling immer gut. Doch wäre noch besser, man ließe es so, wie es war.
Jeder Willige erklärt seine Bereitschaft und den unwilligen Rest (den weitaus größeren) lässt man damit in Ruhe.

06.05.2019 15:07 Walter 7

Ist doch eine gute Lösung und noch dazu parteiübergreifend.

Ich glaube eher, dass Spahns Lösung zu noch weniger Spenden führen wird.
Man sagt aus Prinzip nein!!!

Mit der neuen möglichen Regelung wird auch widerkehrende Beschäftigung gewährleistet.

06.05.2019 15:02 Fragender Rentner 6

Über den Vorschlag werden sich "ganz bestimmt" die Hausärzte freuen !!!

06.05.2019 14:23 Querdenker 5

Zitat: „Spahn hält auch nichts davon, die Passbehörden in die Aufklärung einzubeziehen. Bei den Bürgerämtern in Berlin etwa sehe er nicht, wie man da noch ein Informationsgespräch zum Thema Organspende machen könne.“

Und deswegen will der Jens Spahn (CDU), dass gar kein „Informationsgespräch“ mit dem Bürgern geführt wird und die Zustimmung zur Organentnahme für die industrialisierte Gesundheitsbranche automatisch erfolgt. Für wie dumm hält Jens Spahn (CDU) den Bürger?

Die Idee, bei der Beantragung eines Passes sich dazu äußern zu müssen, ist gut. Da sollte man dann auch mehr ankreuzen können als nur „ja“ oder „nein“. Nämlich auch die Variante, dass man sich noch nicht entscheiden will. Da ja angeblich die Zustimmung zur Organspende laut Umfragen hoch ist (um die 80%), dürfte das ja kein Problem darstellen.

Bei Widerspruchslösung wäre der Begriff „Organspende“ irreführend, da es dann oftmals keine bewusste Entscheidung ist.

06.05.2019 14:20 Wikreuz 4

Ich habe als "Dienstarzt" an einem Wochenende vor über 30 Jahren in einem kleinen Krankenhaus die Erste Organentnahme im Alleingang ( ohne einen Anästhesisten ) bei einem Kind nach einem Verkehrsunfall organisiert. Da ich seinerzeit die damals geforderten 4 Chefärzte zur Feststellung des Todes nicht zusammenbringen konnte, habe ich das hirntote Kind nach Absprache, beatmet in die nächste Universitätsklinik verlegt. Im Rückblick war dies meine belastensde Tätigkeit in all den Dienstjahren. Ein halbes Jahr später bekam ich die Meldung, dass die Organentnahme und nachfolgende Transplantation erfolgreich verlaufen war..... Ich bin in mein Zimmer gegangen, da ich vor Freude über diesen "Erfolg" Tränen nicht unterdrücken konnte. Ich hätte die Entscheidung zur Organisation dieser Organspende niemals getroffen, wenn ich die Angehörigen hätte um Einverständnis bitten müssen. Die Eltern in Ihrer Trauer mit dieser Frage zu konfrontieren empfinde ich einfach nur grausam.

06.05.2019 13:33 Helmut 3

@ R I C H T I G !!!!!!!!!!!!!!!!