Emissions-Test am Auspuff eines Testfahrzeugs
Abgastests werden genauer und strenger. Bildrechte: IMAGO

Hintergrund NEFZ, WLTP und RDE - Die Abgasmessverfahren im Vergleich

Ab Sonnabend steigt bei vielen Neuwagen die Kfz-Steuer. Grund ist das neue Abgast-Testverfahren WLTP. Hier erfahren sie, wie es funktioniert und warum es realitätsnäher ist als das alte NEFZ-Verfahren.

Emissions-Test am Auspuff eines Testfahrzeugs
Abgastests werden genauer und strenger. Bildrechte: IMAGO

Das alte Verfahren NEFZ

Der "Neue Europäische Fahrzyklus" stammt im Kern aus den 70er-Jahren. Das Verfahren misst Verbrauch und Abgase innerhalb einer 20-minütigen Prüfung und damit in viel kürzerer Zeit als der WLTP-Standard. Kritiker bemängeln einen hohen Spielraum für unrealistische Optimierungen, etwa zu hoher Reifendruck, eine abgeklemmte Batterie, Leichtlauföle oder speziell eingestellte Räder.

Ein Auto des Herstellers Volkswagen steht auf einem Rollenprüfstand und ist an ein Mess-System für eine Abgasmessung nach NEFZ (Neuer Europäischer Fahrzyklus) vorbereitet.
Ein VW steht auf einem Rollenprüfstand und ist an ein NEFZ-Messgerät angeschlossen. Bildrechte: dpa

Bei dem Verfahren werden vier Kilometer Fahrt durch die Innenstadt und sieben Kilometer Fahrt überland simuliert. Jedes technische Detail ist vorgegeben, aber der Fahrstil ist interpretierbar und damit realitätsfern. So wird im Verfahren sehr langsam beschleunigt und im Durchschnitt werden nur 34 km/h erreicht. Radio, Klimaanlage und Sitzheizung bleiben aus, das minimale Fahrzeuggewicht wird verwendet und es wird nicht schleifend gebremst. Diese Flexibilitäten wurden von Autoherstellern ausgenutzt.

Das neue Verfahren WLTP

WLTP steht für "World-Harmonized Light Duty Test Prozedure", also "weltweit einheitliches Testverfahren für Leichtlastfahrzeuge". Das Messverfahren ist der neue, europaweite Standard, der realistischere Werte zu Schadstoffemissionen und Verbrauch liefern soll. Er gilt als gründlicher als die NEFZ-Messung, da etwa Durchschnitts- und Höchstgeschwindigkeiten auf dem Prüfstand erhöht und gleichzeitig die Standzeiten verkürzt werden. Es werden verschieden schwere Fahrzeuge getestet.

Mehrere Volkswagen werden mit einem mobilen Testgerät für einen WLTP-Abgastest vorbereitet. Mit dem WLTP-Testverfahren werden die Abgasemissionen und der Verbrauch von Personenkraftfahrzeugen und leichten Nutzfahrzeugen ermittelt.
Mehrere VW werden mit einem WLTP-Abgastest-Gerät geprüft. Bildrechte: dpa

Der Prüfungsdurchlauf an sich verlängert sich. Zudem werden beim Fahrzeuggewicht Sonderausstattungen und Strombedarf berücksichtigt. Im Test wird eine doppelt so lange Fahrt simuliert, wie beim NEFZ-Verfahren. Es wird schneller beschleunigt und gefahren. Eine RDE-Messung ergänzt die Ergebnisse.

Die Bandbreite aller den Schadstoffausstoß beeinflussenden Faktoren wie Fahrweise, Verkehrsfluss oder Wetter kann auch das WLTP-Verfahren nicht in Gänze berücksichtigen. Aber die Ergebnisse sind Experten zufolge näher an der Realität. Autohersteller müssen zudem nicht mehr nur den Verbrauchswert für eine Ausstattungsvariante, sondern für jede mögliche angeben. Experten rechnen mit bis zu 25 Prozent höheren Werten als bei NEFZ-Messungen.

So wird gemessen Von einem Fahrzeug werden zunächst Roll- und Luftwiderstand exakt ermittelt. Dann wird ein genormter Fahrzyklus abgefahren. Dabei werden Emissionen gemessen und daraus der Kraftstoffverbrauch berechnet. Bei E-Autos wird der Batterie-Verbrauch gemessen.

Die Messung auf der Straße RDE

Schon vor dem Abgsas-Skandal hatte die EU-Kommission beschlossen, Schadstoffemissionen nicht nur im Labor, sondern auf der Straße zu messen. Die "Real Driving Emissions" dienen vor allem der Kontrolle der in den Laborverfahren erhobenen Werte. Getestet wird im realen Fahrbetrieb. Grenzwerte für die RDE gibt es bislang nicht.

Dieselfahrzeuge zeigten in RDE-Tests bis zu sieben mal höhere Emissionen als bei der Prüfung auf dem Rollenprüfstand. Das Verfahren ist, anders als die Labor-Prüfverfahren, nicht manipulierbar. Eine Testerkennung ist für das Fahrzeug nicht möglich. Das Testgerät wird im normalen Straßenverkehr mitgeführt. Klamanlage, Sitzheizung und ähnliche Sonderausstattungen werden normal benutzt.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 31. August 2018 | 06:09 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 31. August 2018, 05:00 Uhr