Ein junger Mann bei einer Heizung im Heizungskeller.
In Mitteldeutschland stehen in rund einem Viertel der älteren Häuser noch Ölheizungen. Bildrechte: imago/McPHOTO

Klimakabinett Zweifel an Nutzen von Ölheizungs-Verbot

Kaum ein Heizungstyp ist so umweltschädlich wie die Ölheizung. Daher steht auch ein Verbot neuer Ölheizungen ab 2030 zur Debatte. Der Nutzen eines solchen Verbots ist umstritten, ein Wechsel des Heizsystems teuer.

von André Seifert, MDR AKTUELL

Ein junger Mann bei einer Heizung im Heizungskeller.
In Mitteldeutschland stehen in rund einem Viertel der älteren Häuser noch Ölheizungen. Bildrechte: imago/McPHOTO

Ingo Knittel sitzt an seinem Schreibtisch in seinem Büro in der Leipziger Innenstadt und versucht sich zu erinnern: Ölheizungen, grübelt der Heizungsberater. Nein. In neue Häuser würden seit Jahren vor allem Wärmepumpen, Solar- oder Holzheizungen eingebaut, aber kaum noch Ölheizungen, erklärt der Diplom-Ingenieur.

Knittel erzählt: "Ölheizungen im städtischen Bereich, vor allem im Leipziger Stadtgebiet oder auch im Umland, kommen sehr, sehr wenige vor. Hatte ich in meinen letzten 20 Jahren nur drei Mal."

Wechsel auf Gas soll günstigste Variante sein

Anders sehe es dagegen in älteren Häusern aus, meint Ingo Knittel. Statistiken zeigen, dass noch immer in etwa jedem vierten Keller in Sachsen, Sachsen-Anhalt oder Thüringen eine Ölheizung steht. Meist wurden diese kurz nach der Wende eingebaut, seien also um die 25 Jahre alt, erklärt Ingo Knittel.

Das heißt also: Bald ist ein Großteil der Ölheizungen im Osten veraltet und müsste ersetzt werden. Die Frage ist nur, womit? Die billigste Variante, die Umrüstung auf Gas, koste um die 12.000 Euro. "Das heißt, ich müsste, wenn ich das Haus nicht umbauen will, auf Gas rüber wechseln. Andere erneuerbare Energieträger sehe ich ohne großen Aufwand für ein Haus nicht realisierbar", sagt Heizungsberater Knittel.

Verbände und Politiker gegen Verbot von Ölheizungen

Ein Verbot, so wie vom Bundesumweltministerium geplant, könnte also viele Menschen in Mitteldeutschland vor finanzielle Schwierigkeiten stellen. Vor allem jene, die derzeit eine recht alte Ölheizung haben.

Stefan Kapferer
Stefan Kapferer ist gegen ein Verbot von Ölheizungen. Bildrechte: Marko Litzenberg

Viele Interessenverbände sind daher gegen ein Verbot, wie Stefan Kapferer vom Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft, BdEW: "Weil man natürlich in jedem Einzelfall mal anschauen muss, wie die Situation der Bürgerin, des Bürgers, die in einem Haus wohnen und eine Ölheizung haben, ist. Nicht jeder ist in der finanziellen Situation, dass er sehr rasch etwas ändern kann."

Oder wie Kai Warnecke. Der CDU-Politiker ist Hauptgeschäftsführer des Hausbesitzerverbands Haus und Grund und fügt hinzu: "Gerade in ländlichen Gegenden, wo man weder Gas- noch Fernwärmeanschluss bekommen kann, wäre es wichtig, den Menschen Übergänge und Möglichkeiten aufzuzeigen, wie sie ihre Heizungen erneuern können."

Entscheidung über mögliches Verbot erst im Klimakabinett

Erneuerungen wären jedenfalls ein Gewinn fürs Klima: 30 Millionen Tonnen CO2 verursachen alle Ölheizungen bundesweit pro Jahr, ergab eine Studie des BdEW. Das sind ungefähr vier Prozent des gesamten deutschen CO2-Ausstoßes.

Von allen Heizungen sind die mit Öl die klimaschädlichsten. Dennoch ist auch Heizungsberater Ingo Knittel skeptisch, was ein Verbot anbelangt. Das könne vielleicht sogar das Gegenteil bewirken, befürchtet er.

"Da würde ich jetzt als Besitzer von einer Ölheizung sagen, ich warte bis 2028, 2029 und kaufe mir nochmal eine neue Ölheizung, die vielleicht vier- oder fünftausend Euro kostet und kann die getrost noch 20 bis 25 Jahre benutzen, wo ich wenig Geld in die Hand nehmen muss im Vergleich zu einer komplett neuen Technik, die ich mir sonst ins Haus bauen müsste", meint Knittel.

Ob das Verbot kommt, ist aber noch unklar. Bundesumweltministerin Schulze will sich Freitag im Klimakabinett dafür stark machen. Zugleich will sie mit Förderprogrammen zum freiwilligen Umrüsten anregen. Die Union lehnt das ab und setzt stattdessen auf eine Abwrackprämie für alte Heizungen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 20. September 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. September 2019, 05:00 Uhr

20 Kommentare

SRO vor 4 Wochen

Hallo Peter, danke für den Hinweis. Ich habe es so verstanden, dass es erst eine "Umrüstprämie" gibt und dann ab einem bestimmten Datum Ölheizungen nicht mehr betrieben werden dürfen und umgerüstet werden müssen. Das hört sich dann ja anders an. Beim CO- Gehalt muss ich aber Einwende anmelden :-). Der CO-Gehalt ist schon ein Indikator für die Effizienz der Verbrennung. Je fetter und unvollständiger eine Verbrennung stattfindet, umso höher ist der CO-Gehalt. CO2 wird bei jeder Verbrennung freigesetzt. Um beim Thema zu bleiben, jeder Liter Heizöl setzt bei der Verbrennung eine bestimmte Menge an CO2 frei, genauso wie Gas, Diesel, Benzin, etc.. Brauche ich nun, nur hypothetisch, bei der besagten effizienten Verbrennung mit der maximalen Wärmeausbeute 20 Liter Heizöl (keine Ahnung, ob das stimmt) um 150 Liter Wasser auf 70 Grad zu Erwärmen, benötige ich bei einer sehr fetten ineffizienten Verbrennung 25 bis 30 Liter. Also habe ich auch einen höheren CO2- Ausstoss, weil höheren Verbrauch.

kennemich vor 4 Wochen

Wenn sie die Ölheizungen verbieten wollen, da wäre der weitere Schluß, man muß auch die Dieselautos verbieten?

Schließlich ist es nur eine andere Einfärbung.

Peter vor 4 Wochen

An SRO, ich empfehle Ihnen, sich über den Unterschied zwischen CO (Kohlenmonoxid) und CO2 (Kohlendioxid) zu informieren. Klingt zwar ähnlich, allerdings bestehen grundlegende Unterschiede. Für die Gesundheit wie für die Umwelt.
Und zweitens: Es geht bei den beschlossenenen Maßnahmen nicht um ein Verbot bestehender Ölheizungen, sondern um ein Verbot der Neuinstallation ab 2026.