Eine Organtransportbox
Wie können mehr Deutsche zur Bereitschaft, Organe zu spenden, bewegt werden? Bildrechte: dpa

Doppelte Widerspruchslösung Neue Regeln sollen zu mehr Organspenden führen

Der Bundestag hat über eine Neuregelung der Organspende debattiert. Bundesgesundheitsminister Spahn verteidigte seinen Vorschlag für eine sogenannte doppelte Widerspruchslösung. Er traf auf Widerstände, aber auch Zustimmung.

Eine Organtransportbox
Wie können mehr Deutsche zur Bereitschaft, Organe zu spenden, bewegt werden? Bildrechte: dpa

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat für neue Organspende-Regeln geworben. Ziel müsse es sein, die Zahl der Spender zu erhöhen, sagte er Ende November in einer Debatte vor rund 50 Abgeordneten im Bundestag.

Der CDU-Politiker verteidigte dabei seinen Vorschlag für eine sogenannte "doppelte Widerspruchslösung". Dieser zufolge wäre grundsätzlich jeder Organspender, es sei denn, sie oder er sagt dazu Nein. Außerdem sollen, bevor Organe entnommen werden, noch Angehörige befragt werden.

Verschiedene Meinungen in allen Fraktionen

Dieses Nein auszusprechen, sei zumutbar, sagte Spahn. "Das einzige Recht, das damit beschnitten würde, wäre das Recht, sich keine Gedanken zu machen." Dafür bekam er unter anderem von SPD-Fraktionsvize Karl Lauterbach Unterstützung. Länder mit einer entsprechenden Regelung hätten deutlich mehr Organspenden, sagte Lauterbach. Es werde niemand zur Organspende gezwungen.

Bedenken äußerte unter anderem die FDP-Abgeordnete Christine Aschenberg-Dugnus. Die Widerspruchslösung missachte das Selbstbestimmungsrecht der Bürger, sagte sie. Auch christdemokratische Abgeordnete äußerten sich kritisch. Karin Maag von der CDU forderte, es müsse bei einer bewussten und freiwilligen Entscheidung über die Organspende bleiben.

Die Grünen-Chefin Annalena Baerbock und die Vorsitzende der Partei Die Linke Katja Kipping schlugen vor, die Menschen wiederkehrend nach ihrer Spenderbereitschaft zu fragen - etwa beim Abholen neuer Pässe.

Bisher sind Organentnahmen nur bei ausdrücklich erklärter Zustimmung erlaubt. Die Zahl der Organspender in Deutschland war im vergangenen Jahr auf einen Tiefpunkt von 797 gesunken. Für dieses Jahr registrierte die Deutsche Stiftung Organtransplantation bisher 832 Spender.

Philosophen sind für "Reziprozitätslösung"

Gesundheitsökonomen und Philosophen haben schon vor Jahrzehnten ein auf Gegenseitigkeit beruhendes Modell der Organspende, die sogenannte Reziprozitätslösung, vorgeschlagen: Wer sich selber als potenzieller Spender registrieren lässt, erhält im Krankheitsfall selbst bevorzugt ein Organ. Bislang bauen auch jene für den Krankheitsfall auf eine Organspende, die selber nicht zur Spende bereit sind.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 28. November 2018 | 01:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Dezember 2018, 15:48 Uhr

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60 Kommentare

12.12.2018 14:15 Marlis 60

Mich würde interessieren bis zu welchem Alter man Organspender sein kann. Ich bin gesund und topfit aber nicht mehr jung. Gibt es da eine Grenze.

12.12.2018 10:36 Michael Möller 59

interessanter Artikel, nur würde ich sagen das viele Politiker sowie auch die Bürger nur nach Ausreden suchen um sich mit diesen Thema nicht auseinander zu setzten. denn schauen wir doch mal genau hin: 1. laut Dokus sollen die Kliniken mehr Geld und entnehmen dadurch obwohl vorhanden die Organe nicht; 2. viele Menschen wollen sich mit diesen Thema zu Lebzeiten nicht befassen aus verschiedenen Gründen oder wegen Faulheit ; 3. Organspender sollte nach meiner Meinung nur sein wer auch frei von schweren Erkrankungen ist bzw. war; 4. bin ich bei dem Herrn Span in diesen Punkt einer Meinung war nicht spenden möchte sollte auch den Hintern vom Sessel nehmen und sich klar dagegen aussprechen. ich habe für mich schon vor Jahren entschieden und jetzt den Organspendeausweis aus gefühlt mit nein und zwar aus gesundheitlichen Gründen, was noch nicht einmal 1minute Zeit gebraucht wurde. jedoch sehe auch den Wiederspruch bei den Menschen

30.11.2018 16:01 Frührentner 58

Nachhilfe für ##55+56
SPENDE ist etwas was vom Geber freiwillig gern gegeben wird
Wegnahme ist das Gegenteil

30.11.2018 13:57 Nelly 57

Im GG ist verankert, die Würde des Menschen ist unantastbar. Dies gilt auch nach dem Ableben. Nach meiner Überzeugung verstoßen die Widerspruchslösung und die Reziprozitätslösung gegen das GG.

30.11.2018 12:41 dmehl 56

In allen Bereichen dieser Gesellschaft entscheiden letztendlich Geld und evtl. noch Beziehungen.
Nur in einem einzigen, winzigen Bereich dieser Gesellschaft, dem der Organspende, soll alles ganz anders sein ?
Das kann man glauben, muss man aber nicht: in den Medien wurde in der Vergangenheit bereits über Organspende-Skandale berichtet.
Man kann Menschen nicht vorwerfen, das sie auch in diesem Bereich einfach kein Vertrauen mehr haben.

30.11.2018 10:18 dmehl 55

Moment mal, ich muss aktiv werden, muss mich erklären und im Zweifelsfall rechtfertigen ("Warum wollen Sie eigentlich kein Organspender werden ?") nur um zu verhindern,
das das, was verwertbar ist und gerade gebraucht wird, einfach entnommen wird ? Geht es noch ? Mit welcher Selbstverständlichkeit werden mittlerweise hierzulande Grenzen überschritten ?
Kein Staat, keine Institution oder Organisation hat das Recht, einfach über den Körper von Menschen und seine Bestandteile zu verfügen !
Und genau das würde bei einer Widerspruchslösung passieren, wenn der Betroffene, aus welchen Gründen auch immer, nicht rechtzeitig widersprechen würde.
Und diejenigen, die denen Vorwürfe machen, die keine Organspender werden wollen, sollten vielleicht einmal darüber nachdenken, ob es nicht die gesellschaftlichen Verhältnisse sind,
die die Menschen davon abhalten, Organspender zu werden.

30.11.2018 07:37 Frührentner 54

das hat mit Egoismus nichts zu tun, das ist halt so seit es Leben gibt #51 die Natur bestätigt es jeden Tag auch wenn Menschen unsere Natur unter Missbrauch seines Wissens temporär schädigen.Die Alibi-Mülltrennung usw., der Deutschen wird weltweit belächelt

30.11.2018 00:04 VERÄNGSTIGTE 53

#29.11.2018 18:04 Andreas-48
- SPENDE= ist etwas was andere übrighaben
- Wegnahme ohne Einverständnis des Besitzers eigentlich Diebstahl denn wenn z.B. Nachbar stirbt darf nicht jeder seine Bude ausräumen nur weil der nicht zugestimmt hat
- Organe eines anderen sollten grundsätzlich nicht in andere eingebaut werden!
- wir sind alle begrenzte Zeit auf der Welt
- die künstliche Verlängerung ist ungläubig
P.S.
Innenminister hätten Online-Register zur Organentnahme beschließen und MDR freischalten sollen: ich bin gegen Organentnahmen!

29.11.2018 23:50 Schamane 52

#49 Unsinn den Spenden sind freiwillig: Substantiv, feminin - etwas, was zur Hilfe, Unterstützung, Förderung einer Sache oder Person gegeben wird, beitragen soll
buddelnde Forscher und Wissenschaftler auch Archäologen genannt sollen wohl in tausend oder 5 Millionen Jahren leere Körper finden? Die freuen sich heute über jede gut erhaltene Mumie. Sterben gehört zum Leben - die Natur macht es uns vor und da werden keine Teile eines zu Teile eines anderen

29.11.2018 20:44 jackblack 51

Wenn der Sensenmann kommt ist SCHLUSS, ich will NICHTS und gebe NICHTS, bin ich eben ein EGOIST, mich kratzt es NICHT.