Von Daten-Verbreitung betroffene Prominente und Politiker
Betroffene Künstler und Politiker. Oben (v.l.n.r.): Schauspieler Til Schweiger, Entertainer Jan Böhmermann, Raed Saleh (SPD Berlin), Stephan Weil (SPD), Katharina Schulze (Grüne Bayern). Unten (v.l.n.r.): Reiner Haseloff (CDU), Ostbeauftragter Christian Hirte, Peter Altmaier (CDU), Ralf Stegner (SPD), Malu Dreyer (SPD). Bildrechte: dpa

Daten-Affäre Private Daten von Hunderten Politikern und Künstlern veröffentlicht

Über Twitter sind persönliche Daten von Politikern und Künstlern verbreitet worden, darunter Telefonnummern und private Chats. Hunderte Personen sind betroffen. Wie die Daten abgegriffen wurden, war zunächst unklar. Laut Innenminister Seehofer gibt es Hinweise, dass ausgespähte Passwörter eine zentrale Rolle gespielt haben könnten.

Von Daten-Verbreitung betroffene Prominente und Politiker
Betroffene Künstler und Politiker. Oben (v.l.n.r.): Schauspieler Til Schweiger, Entertainer Jan Böhmermann, Raed Saleh (SPD Berlin), Stephan Weil (SPD), Katharina Schulze (Grüne Bayern). Unten (v.l.n.r.): Reiner Haseloff (CDU), Ostbeauftragter Christian Hirte, Peter Altmaier (CDU), Ralf Stegner (SPD), Malu Dreyer (SPD). Bildrechte: dpa

Im Internet sind persönliche Daten und Dokumente von Hunderten Personen des öffentlichen Lebens verbreitet worden, unter ihnen viele Politiker. Die stellvertretende Regierungssprecherin Martina Fietz teilte am Freitag mit, betroffen seien "alle Ebenen" - Politiker aus dem Bundestag, dem Europaparlament und den Landtagen bis hin zu den Kommunen.

Auch Merkel betroffen

Auch von Bundeskanzlerin Angela Merkel wurden laut Fietz zwei E-Mail-Adressen und eine Faxnummer veröffentlicht. Außerdem wurden mehrere Mails und Briefe geleakt. Aus dem Kanzleramt selbst seien aber keine sensiblen Daten abgeflossen. Betroffen seien Politiker von Union, SPD, Grünen, FDP und Linken, nicht aber von der AfD. Fietz warnte davor, dass auch gefälschte Daten in das Material eingeschleust worden sein könnten.

Seehofer: Ausspähen von Passwörtern zentral

Horst Seehofer
Seehofer: "Missbräuchliche Nutzung von Zugangsdaten." Bildrechte: IMAGO

Nach Angaben des Bundesinnenministeriums geht die massenhafte Veröffentlichung persönlicher Daten von Politikern nicht auf einen Hacker-Angriff auf den Bundestag zurück. Laut Bundesinnenminister Horst Seehofer gibt es Hinweise, dass das Ausspähen von Passwörtern eine zentrale Rolle spielt. "Nach einer ersten Analyse deutet vieles darauf hin, dass Daten durch die missbräuchliche Nutzung von Zugangsdaten zu Clouddiensten, zu E-Mail-Accounts oder zu sozialen Netzwerken erlangt wurden", sagte der CSU-Politiker am Freitagabend. Es werde mit Hochdruck daran gearbeitet, den Urheber der Veröffentlichung ausfindig zu machen.

Urheber und Methoden unklar

Wer für den Angriff verantwortlich ist und wo die Daten überall abgegriffen wurden, war am Freitag noch völlig unklar. Auch auf welche Weise die Daten abgeflossen seien, lasse sich "noch nicht mit Sicherheit feststellen", sagte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums. Auch der Vorsitzende des Parlamentarischen Kontrollgremiums des Bundestages, Armin Schuster (CDU), stellte infrage, ob die veröffentlichten Daten einem Hackerangriff entstammen oder möglicherweise im Netz frei zugänglich waren: "Das kann ein Hackerangriff sein, das kann aber auch eine sehr intensive Recherche sein."

Erste Daten bereits 2017 veröffentlicht

Manche Informationen wurden ersten Erkenntnissen zufolge wohl schon 2017 ins Netz gestellt. Die meisten Daten wurden aber im Dezember 2018 über einen Twitter-Account in einer Art Adventskalender veröffentlicht.

Martin Schulz
Durch Anrufe bei SPD-Mann Schulz soll die Sache bekannt geworden sein. Bildrechte: IMAGO

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik BSI war nach Angaben seines Präsidenten Arne Schönbohm bereits im Dezember über die Daten-Verbreitung informiert. Man habe damals mit betroffenen Abgeordneten gesprochen und auch Gegenmaßnahmen eingeleitet, sagte Schönbohm dem Sender Phoenix. Nach Informationen aus Sicherheitskreisen wurden die Datenveröffentlichungen erst am Donnerstag durch Anrufe von Unbekannten beim früheren SPD-Vorsitzenden und jetzigen Bundestagsabgeordneten Martin Schulz bekannt.

Hunderte Politiker von Bund und Ländern

Die Liste der Politiker, deren Daten veröffentlicht wurden, ist lang und voll mit prominenten Namen. Insgesamt umfasst die Liste 400 Personen aus CDU und CSU, etwa 300 SPD-Politiker und weitere etwa 200 Namen von Politikern aus den Reihen der Grünen, der Linken und der FDP.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier steht nach der Aufzeichnung der traditionellen Weihnachtsansprache des Bundespräsidenten im Schloss Bellevue vor einem geschmückten Weihnachtsbaum.
Auch die Telefonnummer von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wurde veröffentlicht. Bildrechte: dpa

Von der neuen CDU-Vorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer wurden Festnetznummer und Adresse veröffentlicht, beides stand bis vor Kurzem allerdings auch noch regulär im Telefonbuch ihres Heimatortes Püttlingen. Von der SPD tauchen unter anderem Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, SPD-Vorsitzende Andrea Nahles sowie Generalsekretär Lars Klingbeil jeweils mit ihren Handynummern, teilweise auch mit Privatanschriften und E-Mail-Adressen auf.

Auch zahlreiche mitteldeutsche Politiker wie Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer und Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff stehen mit ihren Handy-Nummern auf der Liste, ebenso die mitteldeutschen SPD-Landesvorsitzenden Wolfgang Tiefensee aus Thüringen, Burkhard Lischka aus Sachsen-Anhalt und Martin Dulig aus Sachsen. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder taucht ebenfalls mit seiner Handynummer in der Liste auf.

Handynummern und Kreditkarteninfos

Eine erste Auswertung ergab, dass neben den Adressen und Handynummern bekannter Politiker teilweise auch gescannte Personalausweise, Briefe, E-Mails, Rechnungen und Einzugsermächtigungen einsehbar sind. Hinzu kommen persönliche Chats mit Familienmitgliedern, Kreditkarteninformationen, Bewerbungsschreiben für Parteitage und parteiinterne Kommunikation. Einige der Dokumente sind schon mehrere Jahre alt.

Auch Schauspieler und Musiker betroffen

Neben privaten Daten von Politikern wurden auch persönliche Informationen von Künstlern, Moderatoren, Journalisten und Youtubern verbreitet. Unter ihnen sind der Schauspieler Til Schweiger, die Musiker Sido, Marteria, Casper, K.I.Z., die Moderatoren Jan Böhmermann, Oliver Welke und der Youtuber LeFloid. Der letzte Tweet Ende Dezember bezieht sich auf den Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, Jürgen Resch.

Doxxing Wenn personenbezogene Daten illegal abgefischt und ins Internet gestellt werden, sprechen Experten von Doxxing (auch Doxing). Der Begriff leitet sich ab vom englischen Wort "docs" für Dokument. Beim "Doxxen" werden möglichst viele private Informationen wie Kreditkartennummern, Scans von Ausweisdokumenten, vertrauliche Privatadressen oder Handynummern abgefischt und dann online gestellt. In den USA spielt auch die Sozialversicherungsnummer eine entscheidende Rolle, weil diese wiederum Tür und Tor für alle möglichen Betrugsattacken eröffnet. Ziel des "Doxxing" ist es, die Betroffenen im Netz vorzuführen. Zugleich wird ein Missbrauch der Daten ermöglicht.
Quelle: dpa

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 04. Januar 2019 | 06:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. Januar 2019, 20:20 Uhr

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150 Kommentare

06.01.2019 17:53 juergenbruno 150

Diesmal hat es die Richtigen getroffen.
Das Volk schlägt zurück gegen das Imperium.
Eine starke Aktion, meinen größten Respekt.

06.01.2019 16:52 Ekkehard Kohfeld 149

Wessi 145
Ich teile die Ansicht derer die mich wohl, fälschlicher Weise in eine Schublade mit der Antifa stecken,weil ich Antifaschist bin.

Ach siehe da jetzt gibt er es sogar zu unser Wessi Antifaschist zu sein.
Sie wissen schon was namhafte Experten dazu sagen?
Der Faschist von 33 - 45 wird als Antifaschist wieder kommen.
Den Kommentar werde ich mir ganz prima sichern.
Sie wissen auch sicherlich das ANTIFA die Abkürzung für Antifaschist ist???????War für ein herrliches Eigentor.
Das ist ja fast so gut wie die von Peter oder Klaus.

06.01.2019 15:54 Wo geht es hin? 148

@Wessi - Zitat von Ihnen: "Einem gewissen user sei nochmals gesagt, daß man bei Kritik nicht nur kontroverse Einzelteile aus einem post herauspicken sollte um politische Feinde zu diskreditieren, wenn man wirklich die Absicht hat zu diskutieren." Zitat Ende. Also jetzt doch "kontrovers"? Da war meine Frage ja doch berechtigt - oder meinen Sie immer noch nicht? Und das diskreditieren beherrschen Sie schon ganz gut selber - dazu bräuchte es hier niemanden anderes. Und wie stellen Sie es sich eigentlich vor, sachlich zu diskutieren, wenn auf eine banale Frage als Antwort von Ihnen nur Beleidigungen und bösartige Unterstellungen zurückkommen? Nach dem Motto: der "Wessi" kann hier machen, was er will und die anderen haben den Mund zu halten? Das könnten Sie in einem Kindergarten (und selbst da auf Dauer erfolglos) versuchen - aber nicht mit erwachsenen Menschen! Nee nee Herr Wessi - so wird das nüscht!

06.01.2019 15:43 Fragender Rentner 147

@mare nostrum zu 137

Macht nichts, denn die ...-Leute werden schon wissen was zutuen ist. :-)

Welche Geheimnisse wurden denn schon veröffentlicht, so in in der LVZ vom Wochenende zu lesen war, kann dies jeder der sich mit der Materie auskennt.

06.01.2019 14:45 Norbert NRW 146

Es ist und bleibt meiner Meinung nach eigene Doofheit, vieles öffentlich zu machen um sich dann zu wundern wenn es breit getreten wird...

06.01.2019 13:34 Wessi 145

Na, dann warten wir einmal ab, wer hinter der Datensammlung steckt.Vllt. war es ja auch ein Hackerangriff.Die Behörden werden es herausfinden.Ich teile die Ansicht derer die mich wohl, fälschlicher Weise in eine Schublade mit der Antifa stecken,weil ich Antifaschist bin+da ich ihre Meinung und als "totalitär wie die SED"+auch als "nichtdemokratisch" empfinde : gewisse Sachen gehören nicht ins Internet+auch ich mache z.B. keine Bankgeschäfte am PC. Einem gewissen user sei nochmals gesagt, daß man bei Kritik nicht nur kontroverse Einzelteile aus einem post herauspicken sollte um politische Feinde zu diskreditieren, wenn man wirklich die Absicht hat zu diskutieren.

06.01.2019 13:26 Fakt 144

>>jochen, #142:
"Ganz einfach - Die AFD Politiker wissen sich im Gegensatz zu anderen immer zu benehmen"<<

Damit wäre der Witz des Jahres auch abgehakt.

06.01.2019 13:01 NRW-18 143

@ 142 Jochen
Da stimme ich Ihnen natürlich vollkommen zu.
Könnte es aber auch sein, dass es sich hier um eine Inszenierung handelt, damit Reaktionen wie in (137) entstehen?

06.01.2019 12:21 jochen 142

137 # Ganz einfach - Die AFD Politiker wissen sich im Gegensatz zu anderen immer zu benehmen

06.01.2019 12:19 jochen 141

Schön, das auch einige linksgrüne Schreihälse betroffen sind, die bei den hochprofessionellen Reden der Opposition im Bundestag (Reichstag) nur zu gerne stören - wie die Furien in den Raum kreischen können.