Eine Hebamme kümmert sich um ein Frühchen
Frühchen gehören zu den Patientengruppen, die besondere Betreuung benötigen. Hier braucht es also ausreichend Personal. Bildrechte: Colourbox.de

Neue Pflicht-Quote ab Januar Sächsische Kliniken nur teilweise gewappnet für Personaluntergrenze

Ein heftiger Unfall, eine schwere Virus-Erkrankung oder ein Herzinfarkt: Wer auf der Intensivstation landet, braucht viel Betreuung. Für je fünf Patienten sollen künftig zwei Krankenpfleger da sein. Das ist die Untergrenze, die ab Januar alle Krankenhäuser tagsüber einhalten sollen. Das hatte Gesundheitsminister Jens Spahn im Oktober festgelegt. Doch Pflegekräfte gibt es bekanntlich nicht wie Sand am Meer. Wie problematisch ist es also, die Regelung umzusetzen?

von Astrid Wulf, MDR AKTUELL

Eine Hebamme kümmert sich um ein Frühchen
Frühchen gehören zu den Patientengruppen, die besondere Betreuung benötigen. Hier braucht es also ausreichend Personal. Bildrechte: Colourbox.de

Klitzekleine Baby-Füße, nur wenige Zentimeter groß, sind durch die Plastik-Boxen zu sehen. In mehreren Brutkästen liegen zu früh geborene Säuglinge. An einem stehen Besucher, an einem anderen sieht eine Pflegerin nach dem Rechten. Insgesamt liegen an diesem Mittag 20 kleine Menschen auf der Kinder-Intensivstation des Dresdner Uniklinikums, zwölf Pflegekräfte kümmern sich um sie. Selbst wenn alle 24 Betten belegt wären, stünde für je zwei Patienten ein Pfleger zur Verfügung.

Damit erfüllt die Klinik bereits die ab 2019 verpflichtende Quote. Demnach soll tagsüber auf der Intensivstation durchschnittlich ein Pfleger für 2,5 Patienten zur Verfügung stehen. Pflegedirektorin Jana Luntz blickt zuversichtlich ins neue Jahr:

Das kam ja jetzt nicht plötzlich über uns. Wir haben die Zeit, wo es die Entwürfe gab, schon genutzt, um der Frage nachzugehen, wie sind wir personell überhaupt aufgestellt? Würden wir die Grenzen erreichen? Und dann haben wir das im Vorfeld organisiert.

Jana Lutz Pflegedirektorin Uniklinik Dresden

Uniklinikum Dresden rechnet nicht mit Problemen

Ein paar Klicks an ihrem Computer genügen und sie kann genau sehen, wie viele Pfleger auf welcher Station anwesend und wie viele Betten belegt sind. Die Herausforderung besteht nun darin, die Zahlen schnell aus unterschiedlichen Programmen zusammenzustellen, auch um kurzfristig reagieren zu können. Mit der entsprechenden Software sei das aber kein Problem.

Die neue Verordnung fordert zum Beispiel in der Unfallchirurgie einen Pfleger für zehn Patienten, in der Kardiologie einen für zwölf Erkrankte. Die Vorgaben sind Durchschnittswerte, die unabhängige Prüfer pro Monat kontrollieren sollen. "Wir erfüllen es mit Sicherheit nicht jeden Tag, aber die Tage, an denen wir es nicht erfüllen sind sehr gering und dann hat es nicht den Grund, dass wir einen eklatanten Mangel an Personal hätten", sagt Jana Luntz.

Vorsorgen für besondere Ereignisse

Eng werden könnte es zum Beispiel, wenn eine Grippewelle anrollt. Für solche Fälle habe die Uniklinik aber schon seit vielen Jahren einen Mitarbeiter-Pool, aus dem Personal einspringen könne, erklärt Pflegedirektorin Luntz. "Es gibt immer eine Pflegedienstleitung, die im Dienst ist, bis 22 Uhr. Das heißt, man kann noch in dem Taggeschehen klären, was geht am Wochenende oder was geht in der nächsten halben Stunde.

Ähnlich plant Luntz‘ Amtskollegin Kerstin Voigt in der Leipziger Uniklinik. Doch sie ist nicht sicher, ob alles glatt laufen wird.

Das allergrößte Problem ist einfach an Personal ranzukommen. Wir haben in allen Häusern momentan die Situation, dass es nicht ausreichend Pflegekräfte gibt. Wir sind ja gewillt, das Personal einzustellen. Wenn uns das jetzt aber nicht gelingt, weil die Personen gar nicht existieren, dann kann es eigentlich nicht sein, dass es dafür Abschläge gibt.

Kerstin Voigt Pflegedirektorin Uniklinik Leipzig

Personalmangel bleibt Problem in Sachsen

Den Mangel vor allem an Intensivfachkräften sieht auch die Sächsische Krankenhausgesellschaft als Hindernis, um die Quoten zu erfüllen. Reicht das Pflegepersonal nicht aus, könnte es sein, dass Betten gesperrt werden müssen.

Wenn kleinere Häuser ihre Kapazitäten einschränken müssen, könnte das wiederum die Nachfrage in großen Krankenhäusern wie dem Dresdner Uniklinikum erhöhen, sagt dessen Medizinischer Vorstand Michael Albrecht. Dabei seien die mehr als 180 Intensivbetten der Dresdner Klinik schon jetzt voll ausgelastet. "Wir befürchten, dass das dazu führen könnte, dass jetzt noch mehr nachgefragt wird, an Kapazität bei uns. (…) Wir haben gerade einen Neubau, schon so ein bisschen in Voraussicht, aber dafür brauchen wir dann natürlich auch das entsprechende Personal."

Für den ausgebildeten Intensivmediziner reichen die Untergrenzen allein nicht aus. Denn sie berücksichtigten weder wie gut das Personal qualifiziert noch wie pflegeintensiv die Erkrankung eines Patienten sei.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 28. Dezember 2018 | 06:17 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. Dezember 2018, 05:00 Uhr