Eine Muttersau liegt neben Ferkeln in einem Stall.
Für die Tierrechtsorganisation Peta widerspricht die Kastration ohne Betäubung dem Tierschutzgesetz. Bildrechte: dpa

Peta Verfassungsbeschwerde im Namen der Ferkel

Eigentlich sollte die Kastration männlicher Ferkel ohne Betäubung schon längst verboten sein. Doch die Politik räumte der Agrarindustrie eine weitere Übergangsfrist ein. Dagegen ist nun Verfassungsbeschwerde eingelegt worden.

Eine Muttersau liegt neben Ferkeln in einem Stall.
Für die Tierrechtsorganisation Peta widerspricht die Kastration ohne Betäubung dem Tierschutzgesetz. Bildrechte: dpa

Die Tierrechtsorganisation Peta hat im Namen von Schweinen Beschwerde beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe eingereicht. Peta-Rechtsanwalt Christian Arleth sagte anschließend, Peta fordere für alle männlichen Ferkel, die ohne Betäubung kastriert würden, das Recht auf Schmerzfreiheit.

Man wolle einen Präzedenzfall schaffen, der Tieren zu juristischen Grundrechten verhelfe. Hintergrund der Beschwerde ist die weiter geltende Möglichkeit, männliche Ferkel ohne Betäubung zu kastrieren.

Bei MDR AKTUELL sagte Arleth, man wolle erreichen, dass Tiere in Deutschland als Träger subjektiver Rechte anerkannt würden. Diese Rechte sollten einklagbar sein und über menschliche Vertreter eingefordert werden können.

Arleth sagte, es zeige sich, dass das Tierschutzgesetz nicht eingehalten werde. Es stehe immer der Profit im Vordergrund und das Tierwohl bleibe so lange auf der Strecke, wie es nicht gerichtlich durchgesetzt werde. Man wolle mit der Klage Recht, das sein Dasein als Text in irgendwelchen Gesetzbüchern friste, jetzt auch in die Praxis umsetzen.

Kastration ohne Betäubung bis Ende 2020 möglich

Männliche Ferkel werden kastriert, um den sogenannten Ebergeruch zu vermeiden, der bei der Zubereitung des Fleisches auftreten kann. Das deutsche Tierschutzgesetz schreibt vor, dass ein schmerzhafter Eingriff wie etwa eine Kastration nicht ohne Betäubung durchgeführt werden darf. Allerdings gibt es die Ausnahme, dass Ferkel bis zu ihrem siebten Lebenstag ohne Betäubung kastriert werden dürfen.

Ursprünglich hatte der Bundestag beschlossen, dass diese Praxis Ende 2018 auslaufen sollte. Er verlängerte die Übergangsfrist aber kurzfristig um zwei Jahre bis Ende 2020. Auch der Bundesrat stimmte zu.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 19. November 2019 | 07:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. November 2019, 08:21 Uhr

25 Kommentare

Jan vor 3 Wochen

Ich finde es bezeichnend für einige Mitglieder unserer Gesellschaft, dass Unrecht an anderen - hier an Tieren, durch anderes Unrecht oder Verfehlungen gerechtfertigt werden soll.
Warum können hier nicht einige einfach sagen - Das ist Tierquelerei - Punkt!? Aber nein, da wird alles andere besprochen, was aber mit dem Artikel nichts zu tun hat. Warum?

Stefan Der vor 3 Wochen

Lieber MDR, danke für den Hinweis. Ich denke auch, dass diese aufgebauschten Schlagzeilen nichts mit dem Artikel zu tun haben. Ich werde mich bessern.

Stefan Der vor 3 Wochen

Nun, wenn Weimar eine Großstadt ist, dann haben Sie wohl recht. ;-)
Aufgewachsen bin ich allerdings in einem kleinen Dorf in Südthüringen mit ca. 200 Einwohnern. Wir hatten auch eine kleine Landwirtschaft mit Hof Hund, Schaf und Schwein. Die wurden, außer dem Hund, regelmäßig zur Schlachtbank geführt. Kastriert wurde allerdings nichts. Die Eber, wenn nicht zur Zucht benötigt, endeten schnell als Spanferkel. Das war auch nicht immer alles schön, aber es hatte etwas mit Ernährung zu tun und nicht mit Konsum. Evtl. ist Ihnen der Unterschied nicht geläufig. Ich lehne auch nicht das Jagen komplett ab. Ein Reh hat, bis zum tödlichen Schuß, in Freiheit gelebt.
Ich lehne einfach die Maßlosigkeit ab, welche zu solchen Auswüchsen wir Ferkelkastration und Kückenschreddern führt. Das hat alles nichts mit Ihren Übertreibungen zu tun.