Eine Pflegeassistentin aus China
Pflegekräfte stoßen immer häufiger an ihre Belastungsgrenze. Bildrechte: dpa

Personaluntergrenze Sächsische Mediziner kritisieren Pläne für Pflege-Quoten

Sachsens Krankenhausgesellschaft kritisiert die neuen Betreuungsschlüssel für die Intensivmedizin. Geschäftsführer Helm sagte MDR AKTUELL, man solle nicht alles vorschreiben und mit Sanktionen drohen. Die Politik habe keinen Mut, den Häusern Zeit zu geben, verschiedene Wege zur Problemlösung auszuprobieren.

von Raja Kraus, MDR AKTUELL

Eine Pflegeassistentin aus China
Pflegekräfte stoßen immer häufiger an ihre Belastungsgrenze. Bildrechte: dpa

Kerstin Voigt leitet am Universitätsklinikum Leipzig das „Pflegerische Department“. Pflege im Bereich der Intensivmedizin ist nicht dasselbe, wie auf einer normalen Station, sagt sie. Ständig müssen Geräte überwacht, Patienten umgelagert werden.

Die Uniklinik Leipzig hat sich für die Intensivstation selbst eine Personaluntergrenze von einem Pfleger für zwei Patienten auferlegt. Dieser Schlüssel sei eine Grundlage, die Realität hole sie aber täglich ein. Damit meint Kerstin Voigt die gesamtgesellschaftliche Aufgabe, mehr Pflegepersonal an die Krankenhäuser zu holen.

Wir gehen davon aus, dass es diesen Stress auf den Intensivstationen nicht in diesem Maße geben würde, wenn wir ausreichend Personal rekrutieren könnten.

Kerstin Voigt, Leiterin des "Pflegerischen Department" an der Uniklinik Leipzig

Immer mehr Pflegekräfte gehen in den Ruhestand, immer weniger Fachkräfte rücken nach. Personal auf der Intensivstation lässt sich oft auch schwer halten – denn viele möchten dann einen Schritt weiter gehen und nehmen ein Medizinstudium auf.

Gesetzeslage verschlimmert das Problem

Voigt möchte so viel Personal wie möglich auf der Intensivstation haben. Aber sie hat Probleme mit dem Gesetz, weil es ihr viel Bürokratie beschert. Sie muss ab Januar täglich dokumentieren, wie viel Personal in welcher Schicht zur Verfügung stand und Nichteinhaltungen melden.

Auch Stephan Helm sieht diese Bürokratie kritisch. Er ist der Geschäftsführer der sächsischen Krankenhausgesellschaft. Er findet, man sollte Krankenhäusern lieber mehr vertrauen, statt ihnen alles vorzuschreiben und mit Sanktionen zu drohen. Grundsätzlich fehle dafür der Mut führt Helm weiter aus.

Die Krankenhäuser sollten seiner Meinung nach "auch mal zwei Jahe Zeit" bekommen, um "alle möglichen Dinge auszuprobieren". Stattdessen müssten sie im monatlichen Abstand erklären, was sie mit ihrem Geld gemacht hätten.

Pflegeberuf attraktiver machen

Helm sieht die Sache mit den Personaluntergrenzen als Versuch mit offenem Ende. Denn mehr Personal, so es denn zur Verfügung steht, kostet natürlich auch mehr Geld.

Dazu kommt, dass wir die Erfahrung gemacht haben, dass aus der Untergrenze sehr schnell eine Obergrenze werden kann. Gerade für denjenigen, der es dann finanzieren muss.

Stephan Helm, Geschäftsführer der sächsischen Krankenhausgesellschaft

Kerstin Voigt von der Uniklinik Leipzig wünscht sich außerdem, dass das Gesetz noch an einem anderen Punkt verbessert wird. Es soll nicht nur auf das belegte Bett schauen. Denn das sage ja nicht aus, was der Patient hat. Je nach Krankheit sei mal mehr, mal weniger Betreuung nötig.

Am wichtigsten findet Voigt es aber, den Pflegeberuf im Intensivbereich attraktiver zu machen. Weniger Arbeitsstunden wären ein Anfang. Denn gerade die Pfleger brauchen genug Zeit, um sich von ihrem anstrengenden Job zu erholen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 05. Dezember 2018 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. Dezember 2018, 05:00 Uhr

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8 Kommentare

05.12.2018 16:02 John 8

Klar, bloß nicht mit Sanktionen drohen. Ein Krankenhaus soll ja schließlich nicht eine möglichst gute medizinische Versorgung der Bevölkerung gewährleisten, sondern Profite erwirtschaften!??
Es gibt wirklich keinen Lebensbereich mehr, der nicht dem Prinzip der kapitalistischen Gewinnmaximierung unterworfen ist: Krankenhäuser, Pflege, Trinkwasser,Wohnungsbau, öffentliche Verkehrsmittel, Knäste, usw. -es gibt nichts, was man nicht privatisieren könnte.

05.12.2018 13:24 Gaihadres 7

@Nr.6: Die KGH vertritt die Interesse der Krankenhäuser und diese wiederum haben in aller Regel eine Pflegedirektion, die eben genau diese Anliegen weiterträgt. Es geht hier also sehr wohl um die heilenden Berufsgruppe. Das kann ich Ihnen mit Fug und Recht versichern, weil ich für mein Haus an der Umsetzung mitarbeite und den direkten Draht habe. @Nr.2-5: Die Häuser haben praktisch keine Freiheiten. Die Kassen diktieren den Häusern teilweise bis zur dritten Nachkommastelle die finanzierten Stellenanteile. Diese Daumenschrauben werden immer fester gedreht und das Personal leidet darunter. Der neuerliche Aufwand ist nicht von jetzt auf gleich durch die IT abgedeckt, zumal die Änderungen ja noch nicht Mal konkret durchgeplant sind. Da steckt noch viel Konfliktpotential dahinter.

05.12.2018 11:05 Max W. 6

"Sächsische Mediziner kritisieren Pläne für Pflege-Quoten"

Falsch. Nicht "Mediziner" kritisieren die Pflege-Pläne, sondern die "Krankenhausgesellschaft" - und DAS ist etwas GANZ anderes, nämlich ein Interessennehmer.

Frage: Warum steht das nicht klar und unzweideutig in der Überschrift? Warum wird hier der Eindruck erweckt, hier werde aus der Position der "heilenden Berufe" kritisiert und nicht, wie es tatsächlich der Fall ist, aus ökonomischen Interessen?

Die Kritik an sich ist berechtigt, nicht aber dieser Versuch, die Quellen nicht unzweideutig zu benennen.
Nicht nur in diesem Fall.

05.12.2018 10:12 Kritischer Bürger 5

+...Am wichtigsten findet Voigt es aber, den Pflegeberuf im Intensivbereich attraktiver zu machen. Weniger Arbeitsstunden wären ein Anfang. Denn gerade die Pfleger brauchen genug Zeit, um sich von ihrem anstrengenden Job zu erholen....+
Das ist die Grundlage und sollte auch von Seiten des Bundes mit finanziert werden und nicht allein auf Krankenkasse und Angehörige verlagert werden. FREI NACH DEM MOTTO: Viele hier als zu pflegende Mitmenschen haben sicher vorher viel zu oft den Bund zu seinen Steuereinnahmen verholfen. Daran sollten (ggf. egoistische) Politiker(innen) IMMER DENKEN und Achtung dieser Notwendigkeiten ZEUGEN! Dann kann man eben Steuergelder als Staat nicht woanders hin verschenken!!! wie es zur Zeit ja fast gang und gebe ist!

05.12.2018 10:07 Kritischer Bürger 4

+... Er findet, man sollte Krankenhäusern lieber mehr vertrauen, statt ihnen alles vorzuschreiben und mit Sanktionen zu drohen. ...+
Solche Erwartung ist ja schön, doch hatten Krankenhäuser bis jetzt NICHT DIE MÖGLICHKEITEN sich auf Vertrauen zu berufen. UND was haben viele Krankenhäuser daraus gemacht?
+...Die Krankenhäuser sollten seiner Meinung nach "auch mal zwei Jahe Zeit" bekommen, um "alle möglichen Dinge auszuprobieren".
Auch hier gilt der hier vorab geschriebene Satz. Auch mal Zwei Jahre Zeit bekommen = da schließt sich die Frage an: Was haben Krankenhäuser bis jetzt an mögliche Dinge ausprobiert. Geld zu sparen, Personal zu überfordern oder welche Dinge haben Krankenhäuser bis heute ausprobiert?
Also Kritik sollte ernst genommen werden und das würde verhindern das von Außen eingegriffen wird!

05.12.2018 10:00 Kritischer Bürger 3

+...Sie muss ab Januar täglich dokumentieren, wie viel Personal in welcher Schicht zur Verfügung stand und Nichteinhaltungen melden....+
Gibt es so etwas wie Schichtpläne nicht mehr? Schichtpläne in denen die Anzahl des Personales für entsprechende Bereiche eingetragen sind. Dieses Personal gegenzeichnet das es da ist und das Personal was fehlt durch irgendwelche Umstände möchte mit vorab eingetragenen Ersatzpersonal abgesichert werden das dafür nicht statt nach dem Schlüssel 2 Patienten auf einen Pfleger dann ggf. 3 oder mehr Patienten auf einen Pfleger kommen. Da sollte man mal in der Vergangenheit ggf. vor 30 Jahren suchen, wie solche Pläne auszusehen haben! Weiterhin möchte man nach den Ursachen von Desinteresse für diese Arbeit forschen und diese Ursachen abändern. Es ist nicht allein die Unattraktivität der Arbeit, sondern es liegt sicher ganz wo anders, das Problem! Wo also ist mehr Bürokratie erforderlich, wenn hier solche Nachweise existent sind?

05.12.2018 09:50 Kritischer Bürger 2

+...Personaluntergrenze Sächsische Mediziner kritisieren Pläne für Pflege-Quoten
Sachsens Krankenhausgesellschaft kritisiert die neuen Betreuungsschlüssel für die Intensivmedizin. ...+
Wenn man die Personaluntergrenze erreicht warum regt man sich auf? Oder kritisiert dieses Vorhaben?
So etwas kann man umgehen wenn man als medizinische Einrichtung SELBST schon einen Betreuungsschlüssel hätte der vom Personal, welches da tätig ist, nicht übermäßige Arbeitstätigkeit abverlangt und doch alle Patienten ordentlich versorgen kann!! Also man muss sich eben kümmern, dann bedarf es keine Einmischung in Form von Quoten und Sanktionen von Außen!!

05.12.2018 08:02 noch 06 Tage (UNO-Migrationspakt) 1

nicht so viel Kritik an der Politik,

die Politiker werden schon wissen wo sie die Mrd einstecken.

Sie haben doch diese Politiker gewählt, da sollten sie denen auch mehr vertrauen entgegenbringen.