Eine Pflegeassistentin aus China
Ziel der Bundesregierung ist es, mehr Menschen für die Pflegeberufe zu gewinnen. Bildrechte: dpa

"Konzertierte Aktion Pflege" Bundesregierung will Zahl der Pflege-Azubis steigern

Die Zahl der Pflegebedürftigen steigt, offene Stellen in der Pflegeberufen können aber kaum noch besetzt werden. Deshalb hat die Bundesregierung nun eine Kampagne gestartet. Das Ziel: Zehn Prozent mehr Azubis bis 2023. Die Deutsche Stiftung Patientenschutz übte allerdings Kritik an den Kosten.

Eine Pflegeassistentin aus China
Ziel der Bundesregierung ist es, mehr Menschen für die Pflegeberufe zu gewinnen. Bildrechte: dpa

Die Bundesregierung will mit einer Kampagne mehr Menschen für eine Ausbildung in den Pflegeberufen bewegen. Die Zahl der Azubis soll dadurch bis zum Jahr 2023 um zehn Prozent steigen. Geplant sind zudem 5.000 Weiterbildungsplätze. Damit sollen Menschen für die Pflege qualifiziert oder der Umstieg dorthin geebnet werden. Aus- und Weiterbildungen sollen künftig vergütet werden.

111 konkrete Maßnahmen

Die Pläne sind Teil der "Konzertierten Aktion Pflege", die den Arbeitsalltag und die Arbeitsbedingungen von Pflegekräften verbessern soll. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, Bundesfamilienministerin Franziska Giffey und Bundesarbeitsminister Hubertus Heil stellten die Kampagne am Montag vor und unterzeichneten eine Selbstverpflichtung mit 111 konkreten Maßnahmen.

"Konzertierte Aktion Pflege" Die "Konzertierte Aktion Pflege" soll den Arbeitsalltag und die Arbeitsbedingungen von Pflegekräften verbessern, die Arbeitskräfte entlasten, die Ausbildung in der Pflege stärken und mehr Menschen für den Beruf begeistern.

Dem Gremium gehören Vertreter von Bund und Ländern sowie von Pflegeberufsverbänden, Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern, den Kirchen, Pflege- und Krankenkassen, Betroffenenverbänden, der Berufsgenossenschaft, der Bundesagentur für Arbeit sowie der Sozialpartner an.

Fünf Arbeitsgruppen sollen Vorschläge zu folgenden Themen machen: Ausbildung und Qualifizierung, Personalmanagement, Arbeitsschutz und Gesundheitsförderung, Innovative Versorgungsansätze und Digitalisierung, Pflegekräfte aus dem Ausland und Entlohnungsbedingungen in der Pflege. Das Gremium soll seine Ergebnisse bis Mitte 2019 vorlegen.

Giffey sagte, dass die Zahl der Auszubildenden in den vergangenen Jahren gestiegen sei, nun bleibe sie aber auf gleichem Niveau. 68.000 Menschen machten derzeit eine Pflegeausbildung. Das reiche nicht aus. Spahn sagte, das Ziel müsse sein, dass Eltern ihren Kindern nicht ausreden wollen, in der Pflege zu arbeiten.

Vereinbarkeit von Pflege, Familie und Beruf verbessern

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (M), SPD, Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (L), CDU, und Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (R), SPD.
Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (m.), Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (l.) und Bundesarbeitsminister Hubertus Heil bei der Vorstellung der Kampagne. Bildrechte: imago/photothek

Neben der Ausweitung von Ausbildungs-, Weiterbildungs-, Schul- und Studienmöglichkeiten soll mit einer bundesweiten Informationskampagne für den Pflegeberuf geworben werden.

Um den Beruf attraktiver zu gestalten, sollen außerdem Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen gefördert werden, die die Vereinbarkeit von Pflege, Familie und Beruf verbessern. Zudem soll eine verbesserte betriebliche Gesundheitsförderung die Pflegeberufe attraktiver machen.  

Kritik an Kosten

Der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste begrüßte die Bemühungen der Politik um mehr Pflegepersonal. Auch die Diakonie sprach von einem ersten wichtigen Schritt. Der Deutsche Pflegerat forderte einen "Masterplan Pflege", um den "Versorgungsbedarf" zu bewältigen. Das Deutsche Rote Kreuz wies allerdings auf die Kosten hin und verlangte von Bund und Ländern eine "Anschubfinanzierung für die Pflegeschulen".

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz kritisierte, dass die Kosten für die zusätzlichen Ausbildungsplätze alleine die Heimbewohner aufbringen müssten. "Die Zeche zahlen die Pflegebedürftigen über die Ausbildungsumlage", sagte Stiftungsvorstand Eugen Brysch.

Linken-Chef Bernd Riexinger hält die Pläne der Regierung für unzureichend. Er forderte Entlastung der Pflegekräfte, "die bereits jetzt auf dem Zahnfleisch gehen", sagte er der Neuen Osnabrücker Zeitung. Notwendig sei "eine deutliche Aufwertung auch über wesentlich bessere Bezahlung, um sowohl erfahrenen als auch künftigen Pflegekräften Respekt zu zollen". Zudem müsse es feste Personalschlüssel geben. Ohne diese fehle der notwendige Druck, tatsächlich für den Nachwuchs zu sorgen.

Forderungen des VdK

Der Sozialverband VdK hatte angesichts der Pflegeinitiative der Bundesregierung bereits Klarheit bei der Finanzierung angemahnt. Die Kosten, die mit den geplanten Verbesserungen einhergehen, dürften "nicht den Pflegebedürftigen und ihren Familien aufgebürdet werden", sagte VdK-Präsidentin Verena Bentele am Montag. Das notwendige Geld, um den Altenpflegeberuf attraktiver zu machen, müsse aus der Pflegeversicherung und aus Steuermitteln kommen.

In Deutschland sind nach Angaben der Bundesregierung 3,3 Millionen Menschen pflegebedürftig. Giffey sagte, aufgrund von Hochrechnungen sei davon auszugehen, dass im Jahr 2050 insgesamt 5,3 Millionen Menschen Pflege benötigten.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 28. Januar 2019 | 15:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. Januar 2019, 16:03 Uhr

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12 Kommentare

29.01.2019 19:20 karstde 12

Schon wieder der Konjunktiv "will". Damit kann keiner was anfangen. Wenn die Politiker wüssten, was ich alles will. Hoho. Verstanden!

29.01.2019 16:17 Atheist aus Mangel an Beweisen 11

Nein Danke!
Ich warte lieber auf den Pflege Roboter.

29.01.2019 16:15 Fragender Rentner 10

@peter zu 9

Na die beiden Anderen auf dem Bild hatten schon mal geprobt. :-)

29.01.2019 12:55 peter 9

Herr Spahn, als Azubi voran. Endlich mal eine gute Idee und vernünftige Arbeit für den Herrn!!!

29.01.2019 06:55 Carolus Nappus 8

"Aus- und Weiterbildung sollen künftig vergütet werden"
Da liegt doch schon das Grundübel. Zur Krönung sollte man ja bisher die Ausbildung auch noch selbst bezahlen. Da wundern sich nun unsere Berufspolitiker, warum kaum jemand diesen Beruf erlernen mag. Warum auch, wenn schon bei Maurern oder jede Supermarktkassiererin die Ausbildungsvergütungen im ersten Ausbildungjahr bei über 700€ im Monat losgehen. Nach dem Ende der Ausbildung hat da der Pflegeazubi schon 40.000€ weniger auf dem Konto. Und dann die Aussicht, dass sich da bis zur Rente nichts zum Positiven ändert.

28.01.2019 20:21 carla 7

Eine bessere Entlohnung des Pflegepersonals ist längst überfällig. Eine Gegenüberstellung dessen, was die Pflegekassen zahlen und wie hoch die Personalkosten (aber nur des Pflegepersonals) sind, wäre sicherlich aufschlußreich. Aber der Pflegenotstand wird nicht allein durch ein höheres Gehalt behoben. Die Frustration der Pflegekräfte hat vielerlei Gründe. Überarbeitung steht mit an erster Stelle. Dokumentation vor Pflege/Dienst am Menschen. Viel Arbeit kann nicht allein durch Work-Flows und deren ständiger Optimierung bewältigt werden. Qualitätsmangement schön und gut, aber den Patienten waschen und füttern ist immer noch "Handarbeit". Pflege ist und bleibt ein Dienst von Mensch zu Mensch. Und dieser Dienst sollte mehr Wertschätzung von unserer Gesellschaft erfahren.

28.01.2019 18:29 Mike 6

Solange die Wirtschaft boomt und dort bei deutlich höheren Gehältern kaum Leute gefunden werden , ist die Mitarbeitergewinnung in der Pflege nicht konkurrenzfähig.
Den Pflegeberuf heute zu ergreifen grenzt schon an Selbstkasteiung.
Wenn unsere Gesellschaft nicht dazu bereit ist den Preis für ordentliche Fachkräfte in der Pflege zu zahlen wird das derzeitige System zeitnah kollabieren.
Ich bin froh dass ich in 5 Jahren den Pflegeberuf hoffentlich gesund beenden kann

28.01.2019 16:51 Frank 5

Ist schon recht lustig was einige Politiker alles so vorhaben, ...... dabei würde es schon reichen einfach den Pflegekräften einen den Lebenshaltungskosten für Deutschland entsprechenden Lohn zu gewähren, ...... aber so lässt sich die höhere Abgabe für die Pflegeversicherung nicht erklären, und wenn nicht die Aktionäre vor dem Pflegepersonal Bezahlt werden, würden die Beiträge zur Pflegeversicherung auch heute ausreichen, davon scheinen die Politiker aber nichts zu wissen, oder nichts wissen zu wollen, .............

28.01.2019 16:36 Fragender Rentner 4

Wollen die die backen oder wie heute Mittag in ZDF kam aus Vietnam?

So manche sagen zur Arbeit, Handel und Verschiebung.

28.01.2019 16:30 Kritischer Bürger 3

+...68.000 Menschen machten derzeit eine Pflegeausbildung. Das reiche nicht aus. Spahn sagte, das Ziel müsse sein, dass Eltern ihren Kindern nicht ausreden wollen, in der Pflege zu arbeiten....+
Über solche Worte sollten Politiker erst einmal richtig nachdenken. Kinder sehen was ihre Mutter oder ggf. Vater mit/bei der Pflege verdienen, welche Anforderungen zu bewältigen sind und dabei auch in vielen Familien der sgn. "Familienfrieden" das Verstehen von Kindern zerstören, die ggf. eine Teil ihrer Eltern jeden Tag erleben, wie diese geschafft und nicht ganz stressfrei daheim sind und auch noch für mögliche Probleme der Kinder "ein Ohr haben sollen". Hat also NICHTS mit AUSREDEN ZU TUN, sondern eher mit den Gegebenheiten dieser Arbeit solange das Pflegepersonal unterbesetzt ist und dafür aber bis zur eigenen moralischen Selbstaufgabe arbeiten muss.