Ehefrau rasiert und pflegt dementen Ehemann.
Eine Ehefrau rasiert und pflegt ihren dementen Ehemann. Bildrechte: imago images / Martin Wagner

Sozialverband Deutschland Pflegende Angehörige zunehmend von Armut bedroht

Menschen, die zu Hause ihre Angehörigen pflegen, sind zunehmend von Armut bedroht. Laut dem Sozialverband Deutschland sind vor allem Frauen betroffen. Sie stellen etwa zwei Drittel aller pflegenden Angehörigen.

Ehefrau rasiert und pflegt dementen Ehemann.
Eine Ehefrau rasiert und pflegt ihren dementen Ehemann. Bildrechte: imago images / Martin Wagner

Angehörige von Pflegebedürftigen sind zunehmend von Armut bedroht. Nach Angaben des Präsidenten des Sozialverbands Deutschland, Adolf Bauer, geht der hohe Einsatz oft zu Lasten der Berufstätigkeit dieser Menschen. Der Verbandspräsident berief sich in dem Zusammenhang auf zahlreiche Gespräche in den Beratungsstellen seines Verbandes.

Wir sind alarmiert, denn die Zahl der pflegenden Angehörigen, die sich an uns wenden, steigt.

SoVD-Präsident Adolf Bauer AFP

Vor allem Frauen betroffen

Adolf Bauer, 2016
Bauer: "Einsatz zu Lasten der Berufstätigkeit." Bildrechte: imago images / Jürgen Heinrich

Laut Bauer sind vor allem pflegende Frauen betroffen. Neben der körperlichen und seelischen Belastung würden sie ein hohes Armutsrisiko tragen.

Den Verbandsangaben zufolge sind etwa 1,65 Millionen der rund 2,5 Millionen pflegenden Angehörigen in Deutschland Frauen.

Die finanzielle Überforderung treibt insbesondere pflegende Frauen in die Armut.

SoVD-Präsident Adolf Bauer AFP

Um verlässliche Zahlen zur Armut privat pflegender Frauen zu erhalten, hat der SoVD nach Angaben seines Verbandspräsidenten ein Gutachten in Auftrag gegeben. Dessen Ergebnisse würden noch in diesem Jahr erwartet. Auf ihrer Grundlage wolle man "zielgerichtete Hilfsmaßnahmen" vorschlagen.

"Barmer"-Pflegereport mit ähnlichen Ergebnissen

Auch andere Erhebungen dokumentieren die Notlage vieler pflegender Angehöriger in Deutschland. Im "Pflegereport" der Barmer Krankenkasse zu pflegenden Angehörigen gaben 85 Prozent an, die Betreuung des Pflegebedürftigen bestimme ihren Alltag. Die Hälfte der Befragten kümmert sich demnach mehr als zwölf Stunden täglich um Pflegebedürftige. Jeder vierte Pflegende hat seinen Beruf deswegen reduziert oder ganz aufgegeben. Für den Barmer-"Pflegereport" wurden deutschlandweit 1.900 pflegende Angehörige befragt.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 03. August 2019 | 11:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 03. August 2019, 14:07 Uhr