Schüler einer 7. Klasse lernen mit iPads im Matheunterricht
Deutschland hinkt in Bildungsfragen den eigenen Ansprüchen hinterher. Bildrechte: dpa

Pisa-Studie Deutsche Schüler schneiden schlechter ab

Die deutschen Schüler haben sich in ihren schulischen Leistungen der neuen Pisa-Studie zufolge verschlechtert. Die Leistungen ließen sowohl im Lesen als auch in Mathematik und den Naturwissenschaften nach.

Schüler einer 7. Klasse lernen mit iPads im Matheunterricht
Deutschland hinkt in Bildungsfragen den eigenen Ansprüchen hinterher. Bildrechte: dpa

Die deutschen Schüler haben sich im internationalen Leistungsvergleich Pisa leicht verschlechtert. In allen drei untersuchten Kompetenzfeldern Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften ließen die Leistungen im Vergleich zur vorherigen Pisa-Studie vor drei Jahren nach.

Das teilte die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in Berlin mit. Zwar lagen die getesteten Mittelstufenschüler aus Deutschland über dem Durchschnitt der anderen OECD-Länder, sie büßten aber im Vergleich zum Pisa-Test 2015 Punkte ein.

Die Leseleistungen der deutschen Schüler sanken nach Verbesserungen in den vorherigen Pisa-Tests wieder auf das Niveau von 2009. Statistisch sei der Rückgang aber nicht belastbar, erklärte die OECD.

In den Naturwissenschaften ging die mittlere Punktzahl stärker zurück, auf den niedrigsten seit 2006 gemessenen Wert, in Mathematik lagen die Ergebnisse deutlich unter dem Pisa-Test von 2012.

Einwanderung hat Auswirkungen auf Leseleistungen

Ein Grund für das Abrutschen der Leistungen der Gesamtgruppe deutscher Schüler liegt laut den Machern der OECD-Studie in der erhöhten Zuwanderung. Dies erkläre das Absinken der Leistungen aber nur zum Teil. Der Anteil von Schülern, von denen beide Eltern im Ausland geboren wurden, kletterte demnach zwischen 2009 und 2018 von 18 auf 22 Prozent. Die Leseleistungen dieser Kinder liegen um 63 Punkte unter jener von Kindern mit mindestens einem deutschen Elternteil.

Laut OECD verloren die deutschen Schüler bei den Leseleistungen allerdings insgesamt elf Punkte, von denen sich nur fünf Punkte durch diese demografische Veränderung erklären lassen. Der schon seit 2012 in Mathematik und den Naturwissenschaften zu beobachtende umfassende negative Trend lasse sich zudem nur zu einem geringen Teil mit dieser Veränderung der Bevölkerung erklären.

Lehrermangel ist großes Problem

Silhouette eines Kindes
An deutschen Schulen fehlen Lehrer - vor allem in Problemvierteln. Bildrechte: IMAGO/photothek

Laut dem Pisa-Test gibt es in Deutschland auch strukturelle Nachteile gegenüber anderen Wirtschaftsnationen. So berichteten Schulleiter über größere Personal- und Ausstattungsmängel als im OECD-Durchschnitt.

Besonders Schulen in sogenannten Problemvierteln sind davon betroffen - dort gibt es eine schlechtere Ausstattung und weniger Personal als in wohlhabenden Gegenden. So seien 70 Prozent der Schüler an benachteiligten Schulen von Unterrichtsausfall durch Lehrermangel betroffen - in den wohlhabenden Gegenden seien dies nur 34 Prozent. Im OECD-Durchschnitt gibt es 34 Prozent Lehrermangel bei benachteiligten Schulen und 18 Prozent in wohlhabenden Gegenden.

"Nationale Kraftanstrengung"

Anja Karliczek
Bildungsministerin Anja Karliczek. Bildrechte: dpa

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek zeigte sich besorgt über die Ergebnisse der Pisa-Studie. Die von den Forschern der OECD festgestellte abflachende oder zunehmend negative Entwicklung könne "nicht unser Anspruch sein", sagte Karliczek.

So mache ihr Sorge, dass die Gruppe der leistungsschwachen Schüler wachse und gleichzeitig die Gruppe der leistungsstarken Schüler stagniere. "Wir brauchen eine nationale Kraftanstrengung für bessere Bildung", sagte die Ministerin. Deutschland scheue nicht den Vergleich mit den ganz leistungsstarken Ländern. "Da wollen wir hin."

Deutschland nur auf Platz 20 von 77

Der Pisa-Test wird alle drei Jahre erstellt. Die OECD befragte dafür im vergangenen Jahr etwa 600.000 Schüler im Alter von etwa 15 Jahren in 77 Ländern und Volkswirtschaften. In allen Bereichen schnitten Schüler aus vier im Test berücksichtigten chinesischen Provinzen am besten ab, gefolgt von denen aus Singapur.

Als bester europäischer Staat steht Estland mit seinen Schülern auf Platz fünf. Neben den Esten schnitten auch die Schüler aus Finnland, Irland und Polen in allen drei Bereichen besser ab als die deutschen Schüler. Diese landeten insgesamt auf Rang 20 der 79 Länder und Volkswirtschaften.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 03. Dezember 2019 | 09:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 03. Dezember 2019, 14:12 Uhr

62 Kommentare

MDR-Team vor 1 Wochen

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MaP vor 1 Wochen

Maschine, das ist Unsinn. FDJ und GST waren außerschulisch und ESP hat sicher niemandem geschadet. Es gab allerdings eine viel begrenztere Auswahl derer, die eine Erweiterte Oberschule besuchen und damit das Abitur ablegen könnten. Hier war ein Leistungsdurchschnitt von unter 1,5 erforderlich und dies früher in Klassenstufe 8 bzw. später Klasse 10 (was weit schwieriger ist als in Klasse 4 wie jetzt). Meist kamen nur je Klasse 2-3 Schüler infrage.

Maschinist vor 1 Wochen

Der advocatus diaboli sagt dazu:

Wer die meiste Zeit in der Schule bei FDJ-Aktivitäten, der GST oder in der Einführung in die sozialistische Produktion verbringt, hat wenig Zeit sich fürs Abitur oder das Studium zu bilden.
Deswegen gab es so viele Arbeiter und Bauern in der DDR.
Es war ja auch der Arbeiter- und Bauern-Staat.