Eine Frau legt in einem Supermarkt lose Bananen in eine Plastiktüte
Die Deutschen haben im Jahr 2018 ihr Obst und Gemüse drei Milliarden Mal in dünne Plastiktütchen verpackt. Bildrechte: dpa

Vorstoß aus Umweltministerium Einkaufen ohne Plastiktüte – so klappt's

Bundesumweltministerin Svenja Schulze macht Ernst: 2016 gab es für den Handel noch die freiwillige Selbstverpflichtung, auf Plastiktüten zu verzichten. Jetzt, drei Jahre später soll doch das Verbot kommen. Und diesmal soll es unter anderem auch die kleinen, dünnen Tüten für Obst und Gemüse treffen. Wie praktikabel kann das im Alltag sein? Und gibt es genug Alternativen?

von Jessica Brautzsch, MDR AKTUELL

Eine Frau legt in einem Supermarkt lose Bananen in eine Plastiktüte
Die Deutschen haben im Jahr 2018 ihr Obst und Gemüse drei Milliarden Mal in dünne Plastiktütchen verpackt. Bildrechte: dpa

Auf dem Markt in Halle locken jede Woche frisches Obst und Gemüse, frischer Fisch, Fleisch und Wurst. Und noch gibt es hier an jedem Stand die kleinen, leichten Plastiktüten – transparent oder in hellrot. Auf die möchte die Verkäuferin am Gemüsestand auch nur ungern verzichten:

"Die jetzt komplett rauszunehmen, halte ich nicht für richtig. Wir sind natürlich dabei, zu sparen. Wir haben ja auch überall schon Papiertüten hängen. Aber die sind auch sehr teuer. Da gibt es schlecht welche. Wir sind ja selber beim Großhandel, das zehnte Mal haben sie keine da. Oder nur ganz dünne, die bei uns für Obst und Gemüse nicht gehen, weil sie sonst reißen."

Alternativen zum Plastik

Eine wirkliche Alternative zu Plastiktüten sind Papiertüten auch nur, wenn sie zu 100 Prozent recycelt sind. Nicht-recycelte Papiertüten bringen ökologisch gesehen wenig. Zwar sind sie biologisch besser abbaubar. Doch die Herstellung der Zellulose für das Papier ist sehr energie- und wasserintensiv.

Während Plastiktüten oft noch mehrfach genutzt werden können, sind Papiertüten schnell durchweicht oder gerissen. Damit können sie in ihrer Umweltbilanz sogar schlechter als die Plastiktüte sein, zeigen Untersuchungen des Naturschutzbundes Deutschland.

Dementsprechend geht der Trend zu langlebigen und damit nachhaltigen Baumwollbeuteln und Mehrwegfrischenetzen. Zumindest theoretisch. Die ältere Dame, die ihr Obst in einer Plastiktüte vom Marktstand wegträgt, lächelt schuldbewusst: "Es gibt ja nicht immer solche Netzdinger, wie sie es in Kaufhallen haben. Sonst nehme ich das, ich hab's bloß nicht mit."

Nachteile von Mehrwegnetzen & Co.

Doch gerade die Mehrwegnetze, die die Plastikbeutelchen für Obst und Gemüse ersetzen sollen, werden von einigen Lebensmittelketten zur Kundenbindung genutzt, erklärt Nicole Weger von der Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt: "Die Obstnetze sind mit einem Barcode versehen und werden an der Kasse ausgelesen und dann wird praktisch das Gewicht der enthaltenen Ware bestimmt. Diese Obstnetze wird man dann aber nur in den einzelnen Ketten verwenden können."

Der Kunde wird so gezwungen, in anderen Ketten erneut Geld für die Mehrwegnetze auszugeben, deren Produktion auch nicht unbedingt umweltfreundlich ist. Nachhaltig wird das System dadurch nicht. Außerdem bringen Mehrwegnetze – genauso wie die beliebten Baumwollbeutel oder Einkaufskörbe – noch ein weiteres Problem mit sich, erklärt Weger von der Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt:

"Gerade bei Obst und Gemüse, wenn sie das transportieren in solchen Baumwollsäcken und in Baumwolltragetaschen, da kann das auch mal durch Quetschen kaputt gehen und dann sind das Fäulniserreger, die sich gut und gerne auch vermehren können. Und das, ohne dass sie das in irgendeiner Art und Weise sensorisch wahrnehmen."

Tipps für den Alltag

Deshalb ist das erste Gebot beim Einkaufen ohne Plastikbeutel: Mehrwegnetz, Baumwollbeutel und Co. regelmäßig waschen. Regel Nummer zwei: Immer eine Plastikalternative dabei haben bzw. auf Handtaschen, Auto und Jackentaschen verteilen. Wer den Baumwollbeutel andauernd vergisst und deshalb immer einen neuen kauft, schadet der Umwelt mehr, als dass er hilft. Denn bei der Produktion werden sehr viel mehr Ressourcen verbraucht, als bei der Herstellung eines Plastikbeutels.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 13. August 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. August 2019, 05:00 Uhr

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50 Kommentare

14.08.2019 15:55 Fragender Rentner 50

@MaP zu 42

Fehlt noch der Zucker oder der Gelierzucker, sonst wird es nur Matsch. :-)))

14.08.2019 15:51 Fragender Rentner 49

Ähnliche Netze habe ich schon bei Netto und auch REWE gesehen, gibt sie betsimmt auch wo anders zu kaufen.

Ob sie natürlich genauso gut sind weiß ich nicht?

Hilft bestimmt Arbeitsplätze in China und Co. zu sichern. :-)

14.08.2019 11:45 Ekkehard Kohfeld EU - Wahl NRW SPD -14,5 % Ihr werdet immer weniger :-) 48

@ Mane 47

Nr. 44. Denkst Du das alles verbrannt wird ? Ich nicht! Deutschland verschickt so vie in andere Länder ,wegen der Grünen Umwelt.
##
Richtig,um hier den Sauermann (Umweltschützer) raus hängen zu lassen.Aus den Augen aus dem Sinn siehe Elektronikschrot,alte Autos oder alte Schiffe.
Aber bei Müll müssen sie mal schauen wo die unsere Abfallendsorger die in die Ost oder Nordsee kippen.
Ich konnte die Stelle noch nicht finden.

14.08.2019 10:00 Mane 47

Nr. 44. Denkst Du das alles verbrannt wird ? Ich nicht! Deutschland verschickt so vie in andere Länder ,wegen der Grünen Umwelt.

14.08.2019 08:25 Sylter 46

@13.08.2019 16:17 Klarheit
"Praxis: wenn ich meinen Einkauf vom letzten Freitag mal so anschaue , da mische ich dann Blumenkohl , Tomaten , Zucchini, Paprika mit Pflaumen , Äpfel und Kiwis ..... und das in ein Netz oder muss dann ganz viele mitschleppen "
Bei allem Verständnis: Das fällt dann aber eher unter die Rubrik Luxusproblem, oder ? Also meine 83 jährige Mutter bekommt das hin.

14.08.2019 07:43 Ekkehard Kohfeld EU - Wahl NRW SPD -14,5 % Ihr werdet immer weniger :-) 45

@ Brennabor 16
Brot und Brötchen müssen nicht extra verpackt werden,
es ging schon mal anders.
##
Also ich wollte keine Brot und Brötchen aus der Selbstbedienung haben die schon hundert Leute
angefasst haben,Sie etwa?Ich glaub nicht.

13.08.2019 23:26 NRW-18 44

@ 20 Anton
Das denke ich auch. Ich trenne keinen Müll, werfe selbstverständlich nichts in die Umwelt sondern in die graue Tonne. Das Zeug wird hier verbrannt und zu Strom und zu Fernwärme verarbeitet.
In Fachkreisen heißt der Müll aus der gelben Tonne "hochkalorischer Abfall" und wird oft ebenfalls verbrannt.

13.08.2019 21:12 Klammbuedel 43

Ich hätte schon längst auf so manche Plastiktüte in der Obst- und Gemüseabteilung verzichtet, wenn die Supermarktbetreiber gegen die Idioten vorgehen würden, die ihre Kinder mit Strassenschuhen mitten in den Einkaufswagen setzen( nicht in den Kindersitz des Wagens).

13.08.2019 20:27 MaP 42

#Peter (9)
Ja klar und Erd-, Him-, Heidel- und andere Beeren werden dann einfach in den Korb geschüttet. Da ist die Marmelade schon fertig, wenn man zu Hause angekommen ist.

13.08.2019 20:00 NRW-18 41

Eine normale Plastiktüte habe ich beim Einkaufen noch nie benutzt. Dafür nutze ich meinen eigenen stabilen Plastikkorb. Der ist außerdem noch hygienischer, als die Griffe der Körbe oder Wagen in den Supermärkten, die auch erkrankte Menschen anfassen.
Aber: Für Obst werde ich weiterhin dünne Plastiktüten (Hemdchenbeutel) nutzen, denn die habe ich gestern im Internet massenweise für 0,5 Cent pro Stück gekauft.