Emissions-Test am Auspuff eines Testfahrzeugs
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Reaktionen Politik entsetzt über Abgastests an Menschen und Affen

Abgastests an Menschen und Affen sorgen in der Politik für Empörung. Die Bundesregierung und VW-Aufsichtsräte erklärten, die Versuche seien ethisch nicht zu rechtfertigen. VW-Aufsichtsratschef Pötsch versprach umfassende Aufklärung.

Emissions-Test am Auspuff eines Testfahrzeugs
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Die Bundesregierung hat die Abgasversuche der Autolobby scharf verurteilt. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte in Berlin, die Tests an Affen oder sogar Menschen seien ethisch in keiner Weise zu rechtfertigen.

Bundesverkehrsminister Christian Schmidt ließ über seinen Sprecher erklären, er habe kein Verständnis für Tests, die nicht der Wissenschaft dienten, sondern PR-Zwecken. Die Untersuchungskommission im Verkehrsministerium werde zu einer Sondersitzung zusammenkommen. Sie solle klären, ob es weitere Fälle gegeben habe.

Hendricks zeigt sich erschüttert

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks sagte, was bis jetzt bekannt sei, sei abscheulich. Sie sei erschüttert, dass dich offenbar Wissenschaftler für solche "widerwärtigen Experimente" zur Verfügung gestellt hätten. Die SPD-Politikerin forderte, die Hintergründe schnell auf den Tisch zu legen. Neben der Auto-Industrie müsse auch die Wissenschaft Verantwortung übernehmen.

Weil: Versuche sind widerlich

MP Stephan Weil
Niedersachsens Ministerpräsident und VW-Aufsichtsrat Weil fordert Aufklärung. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Auch aus dem VW-Aufsichtsrat kommen kritische Töne. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil sagte, Abgasversuche an Affen seien absurd und widerlich. Das gleiche gelte für mögliche Versuche an Menschen.

Der niedersächsische Wirtschaftsminister und VW-Aufsichtsrat Bernd Althusmann von der CDU betonte, es seien ethische Grenzen überschritten worden. Das sei weder entschuldbar noch nachvollziehbar. Solche Abgasversuche seien dumm und töricht. Jetzt dürfe es kein Vertuschen und Verharmlosen geben.

Aufsichtsratschef kündigt Aufklärung an

Volkswagen-Aufsichtsratsvorsitzender Hans Dieter Pötsch kündigte an, die Abgasversuche an Affen umfassend aufzuklären. Pötsch sagte, die Tests seien in keinster Weise nachvollziehbar. Er werde alles dafür tun, den Vorgang zu untersuchen. Das VW-Kontrollgremium werde sich zeitnah mit dem Thema beschäftigen. Wer immer dafür die Verantwortung trage, müsse zur Rechenschaft gezogen werden.

VW entschuldigt sich für Versuche an Affen

Volkswagen hatte sich am Wochenende für Versuche entschuldigt, bei denen Affen in den USA gezielt Schadstoffen ausgesetzt worden waren. Die Tests waren Teil einer Studie, die beweisen sollte, dass die Schadstoff-Dieselbelastung dank moderner Abgasreinigung erheblich abgenommen hat.

Die Studie war von der Europäischen Forschungsvereinigung für Umwelt und Gesundheit im Transportsektor (EUGT) in Auftrag gegeben worden. Dabei handelt es sich um eine Lobby-Initiative, die unter anderem von VW, BMW und Daimler finanziert wurde.

Medienberichten zufolge hat die EUGT auch eine Studie mitfinanziert, die die Auswirkungen von Stickstoffdioxiden auf gesunde Menschen zum Thema hatte.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 29. Januar 2018 | 13:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. Januar 2018, 13:36 Uhr

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32 Kommentare

05.04.2019 15:09 Fragender Rentner 32

Die konnten sich wohl nicht wehren? :-(((

Hätten es doch so wie die Werbung in den USA mit dem weißen Tuch machen können, da braucht man doch keine Lebewesen.

05.04.2019 15:09 Dieter 31

Die Gegner der Studien sollten uns doch mal aufklären, wie man sichere wissenschaftliche Aussagen gewinnen will ohne solche Tests. Bei der Neueinführung von Medikamenten macht man das auch. Sonst kommen wieder Fantasiewerte wie die 40 Mikrogramm raus.

31.01.2018 16:37 Querdenker 30

Guter Artikel von der Welt, wo man die Lobbyarbeit dieser Autokonzerne und der anhängigen Industrie beinahe „riechen“ kann.

siehe „welt Das schmutzige Geschäft mit dem sauberen Diesel“

Zitat: „In Aachen beruft man sich auf Nachfrage auf den „alten“ Grenzwert, der vor 2009 gegolten habe und um den Faktor zehn über dem heutigen MAK-Wert gelegen habe. Allerdings wurde die Studie in den Jahren 2013/14 durchgeführt und damit deutlich nach Einführung der neuen Grenzwerte. … … Dort heißt es zu der vom EUGT geförderten Studie der Universität Aachen: „Als höchste experimentelle Konzentration wurde dabei der dreifache Arbeitsplatzgrenzwert eingesetzt.““

Es geht hier auch um das Gesamtbild dieser kapitalistischen Konzerne, denen Profit scheinbar über alles geht. Diese Konzerne sind eine Schande für Deutschland. Sie hätten es besser machen können, die Technik war vorhanden. Partikelfilter (auch) für Benziner und AdBlue für Diesel-PKW hätten schon vor Jahren eingeführt werden können.

31.01.2018 11:01 ralf meier 29

@Querdenker: leider kann wohl kein Zweifel mehr daran bestehen, daß sich Experten kaufen lassen. Viele Gutachten sagen deshalb mehr über die Interessenlage der Auftraggeber aus als über den Untersuchungsgegenstand.
Ihr Misstrauen teile ich. Soll man deshalb aber wieder ins Mittelalter zurückkehren und Verstand durch Glauben und Inquisition ersetzen?

Besser wäre es doch, unter öffentlicher Aufsicht möglichst unabhängige Untersuchungen vorzunehmen.

Wie Sie lesen konnten, wurden die Versuchspersonen in den jetzt verteufelten Versuchsreihen zu keinem Zeitpunkt Gefährdungen ausgesetzt, die über die gesetzlich definierten Grenzwerte hinausgingen. Wie Sie sicherlich wissen, werden diese Grenzwerte im Alltag der Städter regelmäßig überschritten.

Die oben zitierten Stellungnahmen einiger Politiker finde ich deshalb hysterisch , wenn nicht sogar heuchlerisch.
Unverantwortlich und hysterisch sind auch Vergleiche mit dem Holocaust.




31.01.2018 05:14 Querdenker 28

Diese Studien zu PR-Zwecken und Lobbyismus sind eine Schande für Deutschland! Die Argumentation, dass es auch Versuche für Medikamente gibt, ist Unsinn. Die Industrie mit ihren Grenzwerten am Arbeitsplatz ist der selbe „Sumpf“ wie die Autokonzerne. Es geht darum, Zweifel an den Grenzwerten zu sähen, weil abzusehen war und ist, dass diese aus gutem Grund verschärft werden.

siehe „fr Auto-Industrie Unverantwortliche Abgas-Tests an Menschen“

Zitat: „Es ging nicht darum, Erkrankungen zu heilen oder zu lindern. Die Tests wurden durchgeführt, um Grenzwerte für Stickstoffdioxid infrage zu stellen. … Gesunde Menschen versuchshalber Stickstoffoxiden auszusetzen, die unzweifelhaft Atemwegserkrankungen hervorrufen sowie Allergie-Reaktionen verstärken können und für die aus eben diesen Gründen EU-weit Obergrenzen gelten, ist schlicht unverantwortlich.“

Die Uni verdient natürlich an diesen unsäglichen interessengeleiteten Tests. Solche „Verneblungsstudien“ gibt es leider zu oft.

30.01.2018 16:38 Siegfried Marquardt 27

Verbrecherische Experimente!

Die von einigen Universitäten und Institutionen im Auftrage der Autoindustrie in Deutschland und in Übersee durchgeführten Experimente an Affen und Menschen zur Untersuchung der Wirkung von Stickstoffdioxid (NO2) sind nicht nur unethisch, sondern sogar verbrecherisch und rücken, ohne Übertreibung, fast in die Nähe der verbrecherischen Praxis Deutschlands im Ersten Weltkrieg zur Untersuchung der Wirkung von Giftgasen auf Tiere und Menschen und der der Nazis im Zweiten Weltkrieg. Erinnert sei hier an die T4-Aktion zur Vernichtung von „unwerten Leben“ (geistig und körperlich Behinderte) und den Holocaust. Was sollte denn bei den experimentellen „Studie“ überhaupt herauskommen? Seit über 40 Jahren sind die Wirkungen von toxischen Gasen auf Mensch und Tier, wie beispielsweise von Stickstoffdioxid (NO2) bekannt und daher wurden zu diesem Zeitpunkt verbindliche MAK-und TRK- Werte festgelegt. Hoffentlich hat dies ein juristisches Nachspiel!

30.01.2018 16:07 Fragender Rentner 26

Wie geht es den Affen und den Menschen heutzutage, nach dem Test?

Hoffentlich wohnen sie nicht an einer vielbefahrenen Straße?

30.01.2018 12:12 Bernd L. 25

Die Beiträge hier im Forum verwirren mich. Wie leicht sind Menschen zu manipulieren?
Alle Experten (auch vom Ethikrat) haben bestätigt, dass zu keiner Zeit Menschen oder Affen irgendwie in Gefahr waren (die gefährlichen Grenzwerte sind etwa 20 mal höher!). Solche Tests werden bei jedem Medikament und bei wiss. Versuchen durchgeführt (wie will man sonst Erkenntnisse gewinnen?)- der einzige Kritikpunkt war, dass die Test hier durchgeführt wurden aus Marketingzwecken (was wiederum auch Unsinn ist).
Ich denke, dieses Land hat längst wissenschaftlich fertig - man hat es bei der Gentechnik, beim Transrapid und dem überstürzten Kernausstieg (Begründung Tsunami war die Krönung- die gibt es hier gar nicht) gesehen. Der Shitstorm der Medien und der Gutmenschen ist der Feind des wiss. Fortschritts- andere Länder (China, USA) werden die Gewinner sein.

29.01.2018 21:18 Rasselbock 24

Die Gesamtmenge des Sarkasmus würde nicht reichen die menschliche Verachtung solcher Studien hinreichend zu beschreiben. Zu beweisen, das NOx nicht schädlich sei kann man an Folgen missratener Narkosen sehen. Der Diesel ist dreckig, ihn zu säubern ist zu teuer, ergo, wir adaptieren den homo sapiens durch Auslese daran. Auf solche Ideen können doch nur Ökonomen oder gewissenlose Naturwissenschaftler kommen, naja, über Politiker braucht man gar nicht mehr zu reden. Wen wundern noch so komische blaue Wahlergebnisse...

29.01.2018 20:54 ralf meier 23

Querdenker Nr 7 Teil 1: Sehr geschätzter Querdenker, heute muss ich Ihnen mal ausnahmsweise sehr energisch widersprechen. Tier und Menschenversuche werden seit Jahrzehnten in einem unfassbaren und wirklich widerlichen Umfang gemacht, wenn es um Schönheitssalben, Lippenstifte etc etc geht.
Ganz unspektakulär werden Nutztiere wie Schweine in der Massentierhaltung in ihrem kurzem erbärmlichen Leben in einem Maße gequält, daß den jetzigen Aufschrei zutiefst heuchlerisch erscheinen läßt. Nun untersuchen also Wissenschaftler eine Problematik, in der es nicht um Eitelkeiten , sondern um ernsthafte mögliche Gefährdungen geht und das wird unisono verurteilt. Wäre es nicht sinnvoll , erst mal zu evaluieren was für Versuche mit welchen Belastungswerten unternommen wurden? Könnte es sein, daß man dann von Werten hört, denen jeder Mensch an einer belebten Kreuzung ohne jede wissenschaftliche Begleitung ausgesetzt wird ?