Künstliche Intelligenz (Symbolbild)
Deutschland hinkt bei der Digitalisierung noch hinterher. Bildrechte: Colourbox.de

Klausur Digitales Deutschland – ein Versprechen

Deutschland gilt als "Glasfaser-Entwicklungsland". Die mangelnde digitale Infrastruktur gefährdet die Wettbewerbsfähigkeit. Daran will die Bundesregierung nun etwas ändern - und drei Milliarden Euro bereitstellen.

von Torben Lehning, MDR AKTUELL

Künstliche Intelligenz (Symbolbild)
Deutschland hinkt bei der Digitalisierung noch hinterher. Bildrechte: Colourbox.de

Wer sich im Koalitionsvertrag dazu entschließt, dem Weg zur "Gigabit-Gesellschaft" größte Priorität einzuräumen, der muss sich auch daran messen lassen. So beschlossen SPD und CDU in ihrem Koalitionsvertrag eine flächendeckende Versorgung mit 5G-Netzen bis 2025. Die Realität sieht jedoch anders aus.

Deutschland liegt mit nur 2,1 Prozent Glasfaserkabelanschlüssen weit entfernt vom Durchschnitt anderer OECD-Länder. Lettland (62,3 Prozent), Schweden (58 Prozent) oder Japan (76,2 Prozent), setzen hier ganz andere Maßstäbe. Außerdem liefern deutsche Anbieter häufig nicht die Geschwindigkeit, die sie versprechen, wie die Bundesnetzagentur bemängelt.

Dringender Handlungsbedarf

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU)
Angela Merkel will die Digitalisierung vorantreiben. Bildrechte: dpa

Die Bundesregierung sieht angesichts des digitalen Wandels dringenden Handlungsbedarf. So versuchte das Bundeskabinett auf seiner am Donnerstag in Potsdam abgeschlossenen "Digitalklausur", ein Zeichen für Aufbruch und Veränderung zu setzen. Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärte, dass sie "Künstliche Intelligenz – Made in Germany" als internationales Markenzeichen etablieren will.

Um dieses Ziel zu erreichen, möchte die Bundesregierung bis 2025 drei Milliarden Euro bereitstellen. Man hoffe, durch die Mithilfe der Bundesländer und privater Investoren auf insgesamt sechs Milliarden Euro zu kommen, hieß es aus Potsdam. Die Gelder sollen in den Ausbau eines Netzwerks von Forschungseinrichtungen für Künstliche Intelligenz (KI) fließen. Bisherige Stadtorte wie Dortmund, Dresden oder München sollen erweitert werden. So strebe man über 100 neue Professuren zu Künstlicher Intelligenz an, erklärte Bundesforschungsministerin Anja Karliczek.

Europäische Strategie gesucht

Doch egal ob drei Milliarden- oder sechs Milliarden Euro, im internationalen Vergleich erscheinen diese Summen nicht wettbewerbsfähig. So kommen Branchengiganten wie Google und Amazon laut einer Studie des Unternehmensberaters McKinsey auf Investitionen von mehr als 27 Milliarden Dollar. Der Ruf nach europäischen Strategien für die Entwicklungen künstlicher Intelligenz werden lauter.

Eine europäische Zusammenarbeit könnte Deutschland wichtige Wettbewerbsvorteile sichern, gibt auch die Wirtschaft zu erkennen. So erklärte Claudia Nemat, Vorstandsmitglied der Deutschen Telekom:

Die Chance, ein europäisches Gleichgewicht zu China und den USA aufzubauen, ist noch da.

Claudia Nemat, Vorstandsmitglied der Deutschen Telekom

Digitalisierung vs. soziale Verträglichkeit

Dass die Digitalisierung Arbeitgeber und Arbeitnehmer gleichermaßen herausfordert, liegt auf der Hand. Wo Roboter mittels künstlicher Intelligenz das Denken und Handeln übernehmen, schwindet der Bedarf an menschlicher Arbeitskraft.

Hubertus Heil
Bundesarbeitsminister Hubertus Heil Bildrechte: dpa

Das Ausmaß der Jobs, die bis 2025 in Deutschland wegfallen könnten, beziffert Bundeswirtschaftsminister Hubertus Heil mit 1,6 Millionen.

Dafür sieht Heil ein Potential von 2,3 Millionen neuen Jobs in der digitalen Branche. Eine Aufgabe, die nur mit Umschulungen und Weiterbildung zu bewältigen sei. Man müsse hier darauf achtgeben, dass die Rechte von Arbeitnehmern in diesem Prozess nicht unter die Räder kämen.

Ohne Infrastruktur keine künstliche Intelligenz

Auch die staatliche Verwaltung bekommt digitale Hausaufgaben.  Bis 2022 soll das "digitale Bürgerportal" alle Verwaltungsleistungen von Bund, Ländern und Kommunen bereitstellen, so die Potsdamer Zielvorgabe. Der Flickenteppich von kommunalen Verwaltungssoftwares soll vereinheitlicht werden. Jedes Bürgeramt soll dann den gleichen Service anbieten können – das schließt auch eine digitale Weiterbildung der bundesdeutschen Beamten ein.

Zwar identifiziert das Bundeskabinett "Künstliche Intelligenz" als einen der Job-Motoren der Zukunft, jedoch suchte man in Potsdam vergebens nach Fortschritten in Sachen digitaler Infrastruktur. Bundeskanzlerin Merkel und Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier wurden nicht müde zu betonen, wie wichtig der digitale Netzausbau für ein Gelingen der neuen KI-Strategie sei.

Jedoch blieb man Antworten schuldig, wie man den Ausbau digitaler Infrastruktur konkret vorantreiben will. Klar ist, ohne ein flächendeckendes Hochgeschwindigkeits-Netz bleibt die Marke "Künstliche Intelligenz Made in Germany" ein leeres Versprechen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 16. November 2018 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. November 2018, 09:06 Uhr