Blutiges Messer
Wird ein Messer zur Tatwaffe, soll das künftig als Tötungsdelikt eingestuft werden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Straftatbestand Polizeigewerkschaft fordern härtere Strafen für Messerstecher

Die Schlagzeilen über tödliche Messerattacken in Deutschland häufen sich. Wie viele es genau sind, weiß keiner. Die Polizeigewerkschaften fordern deshalb eine bundesweite Erfassung. Außerdem sollen Messerstiche künftig nicht mehr als Körperverletzung, sondern als versuchte Tötung eingestuft werden.

Blutiges Messer
Wird ein Messer zur Tatwaffe, soll das künftig als Tötungsdelikt eingestuft werden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Angesichts wiederholter Messerattacken fordert die Deutsche Polizeigewerkschaft, gezielte Stiche gegen andere Menschen grundsätzlich als versuchtes Tötungsdelikt einzustufen und nicht nur als gefährliche Körperverletzung.

Damit könne sofortige Untersuchungshaft angeordnet werden und im Falle, dass die Tat von einem Flüchtling ausging, auch eine konsequente Abschiebung erfolgen", teilte die DPolG mit. Hier müsse die neue Justizministerin Katarina Barley tätig werden.

Messerstiche werden als Körperverletzung gewertet

Aus Sicht der DPolG sollten Attacken mit Messern und ähnlichen Gegenständen ein Verbrechens-Tatbestand mit mindestens einem Jahr Freiheitsstrafe sein. Aktuell würden Messerstiche immer noch als gefährliche Körperverletzung gewertet. Dafür gebe es zwar eine Höchststrafe, aber eben keine Mindeststrafe.

Erst wenn jemand getötet wurde, werde die Tat als Totschlag oder Mord bewertet. Und das sei falsch, denn es sei purer Zufall, ob nach einem Messerstich jemand tot ist oder nicht.

Gewerkschaften fordern bundesweite Erfassung

Die DPolG macht sich zudem - ebenso wie die konkurrierende Gewerkschaft der Polizei GdP - dafür stark, mit Messern begangene Straftaten bundesweit zu erfassen, um einen besseren Überblick zu erhalten. "Ein aussagekräftiges Lagebild wäre angesichts der jüngsten schockierenden Taten dringend notwendig", betont GdP-Chef Oliver Malchow. Er spricht von "offenbar" zunehmenden Messerattacken in Deutschland, einen Beleg dafür gibt es mangels bundesweiter Statistik bislang aber nicht.

Für die Bundeshauptstadt Berlin liegen bereits Zahlen vor: Im vergangenen Jahr wurden hier nach Senatsangaben 2.737 Fälle mit Messern als Tatmittel erfasst. Die DPolG spricht daher von "im Durchschnitt sieben Messerattacken an einem Tag".

"Auffallend" viele Messerstecher sind Migranten

In den vergangenen Monaten kam es in Deutschland mehrfach zu tödlichen Messerattacken unter Jugendlichen oder jungen Erwachsenen. "Messer sind leicht verfügbar, schnell zu besorgen und leicht zu transportieren und werden insbesondere von jungen Männern gebraucht", erläuterte ein Sprecher der DPolG. "Es genügt die kleinste Auseinandersetzung, da wird das Messer schon gezückt."

Er sprach zudem davon, dass die Zahl junger männlicher Migranten unter den Messerangreifern "auffallend" sei. So brächten junge Araber aus ihrer Heimat die Vorstellung mit, dass es weder ungewöhnlich noch schlimm sei, ein Messer bei sich zu haben. "Der eine Jugendliche guckt es sich beim anderen ab, und dann sind sie hinterher alle bewaffnet.

Fakten zu Messerangriffen in Deutschland

Im Zusammenhang mit den Schlagzeilen zu den jüngsten Messerstechereien wird häufig eine generelle Zunahme an Messerattacken in Deutschland angenommen. Die AfD etwa twitterte Anfang März über eine "grassierende Messer-Epidemie".

Tatsächlich gibt es keine bundesweiten Zahlen zu Messerattacken und damit auch keine verlässlichen Aussagen über deren Häufigkeit. In einzelnen Städten oder Bundesländern, die Daten zu Messerstechereien erheben, zeigt sich ein Anstieg. Etwa in Leipzig, wo nach polizeilichem Auskunftssystem 2011 rund 30 Messerattacken gezählt wurden und im vergangenen Jahr 138. Auf ARD-Anfrage teilte die sächsische Polizei aber mit, dass wegen Verjährungs- und Löschungsfristen Fälle aus dem Jahr 2011 nicht mehr zu recherchieren seien. Daher könne die genaue Zahl nicht nachvollzogen werden. Bei den Tatorten sei aber ein Schwerpunkt zu erkennen, so der Sprecher auf ARD-Nachfrage, und zwar Unterkünfte von Asylbewerbern.

In anderen Bundesländern, wie Schleswig-Holstein, sank die Zahl der Messerangriffe der Polizeistatistik zufolge 2016 im Vergleich zum Vorjahr. In Berlin etwa blieb die Zahl über Jahre stabil.

Bezifferung von Messerattacken schwierig

Auch ein weiterer Umstand macht die Bezifferung der Anzahl an Messerattacken schwierig. In Statistiken, die zum Teil online einsehbar sind, wird etwa gelistet, wie oft ein Messer als Tatmittel erfasst wurde. Das heißt aber nicht, dass es zum Einsatz gekommen ist, sondern nur, dass es ein Täter bei sich hatte.

Zudem werden in den Statistiken auch Taten erfasst, bei denen sich jemand mit einem Messer verteidigt hat. Eine Zunahme an Messerattacken kann also bis heute weder be- noch widerlegt werden.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL FERNSEHEN | 02. April 2018 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. April 2018, 16:48 Uhr

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52 Kommentare

04.04.2018 23:56 H.E. 52

@ 35 D.o.M. und @ 33 Bernd L.
Die Leute kommen aber bewußt in ein nicht muslimisches, sondern in ein modernes westeuropäisches christlich geprägtes Land und dann müssen die sich eben nach unserer Kultur richten und da gehört eben auch kein Messer dazu, das man bei jeder Gelegenheit zücken kann, wenn etwas ihnen nicht paßt. Und wenn sie sich nicht an unsere Werte und Traditionen anpassen wollen oder können, sollen sie sofort wieder zurück, woher sie kommen.
Und Messerstecherei gibt es leider nicht nur in Berlin, Burgwedel, Hannover, Kandel, sondern auch in Heimerdingen Krs. Ludwigsburg/Baden-Württ., einem Nachbarort von mir. Da wurde am Karfreitag morgen eine syrische Frau mit mehreren Messerstichen auf der Straße liegend gefunden. Der Täter war ihr syrischer Ehemann. Zum Glück konnte die Frau gerettet werden.

04.04.2018 15:54 Bernd L. 51

Mediator 41:
Mein Antwort auf ihre Frage hat die Zensur nicht passiert. Deshalb nochmal: Der iranstämmige Junge war ein Kind, kein AfD-Mitglied, er wurde gemobbt, mit rechts, links hatte sein Amoklauf nichts zu tun. -
Ich hatte auch auf kulturelle Ursachen der Messerstecher und des Tahharush hingewiesen.
Ebenso, dass in London die gleiche Debatte läuft-
dort wurden 31 der 46 Morde der letzten 2 Montae mit dem Messer verübt.
(Hoffe, die abgemilderte Variante schafft es jetzt durch die Zensur.)

04.04.2018 10:38 Fragender Rentner 50

Teilzitat von Oben: ... wird häufig eine generelle Zunahme an Messerattacken in Deutschland angenommen.

Ist doch schön für uns, es wird ja nur angenommen. :-(

Solange wie nichts erfaßt wird, kann man so etwas ja locker schreiben. :-(

04.04.2018 09:26 jochen 49

Es wird wieder einmal gefordert, nur ändern wird sich nichts. Nur leere Worte wie immer.
Aber 87 % der Wähler wollten das so - Den Stillstand.

04.04.2018 08:46 Mediator an w.a.(47) 48

Lieber w.a.

ich kann ja auch nichts wenn sie wie ein Besorgter klingen und so argumentieren. Gerade kam übrigens in den Reginalnachrichten wieder eine Meldung, in der ein Deutscher auf seine Ehefrau eingestochen hat. Man sollte halt auch mal andere Median wie Epoch, P.I oder Compact konsumieren. Dann stellt sich die Welt zwar komplizierter, aber um einiges realistischer dar.

Selbstverständlich kann ich das was ich hier auf MDR und in meinen Nachrichten "in die Welt setzen". Wenn sie das Thema interessiert, dann müssen sie schon selbst recherchieren.

In Nachrichten werden in der Regel nach dem Pressekodex keine Nationalitäten genannt wenn es nicht unbedingt notwendig ist. Das hält aber die Braunbärfraktion hier aber auch nicht davon ab immer gerne zu behaupten, dass es sicher Flüchtlinge waren. Das schlechte Gefühl bleibt dann beim Leser und wie es dann tatsächlich war, dass ist sekundär.

Nehmen sie es hin: Auch bei Deutschen sitzt das Messer oft locker.

03.04.2018 22:59 HERBERT WALLASCH, Pirna 47

Man will nichts von vorauseilenden Gehorsam wissen, doch die Fakten sind nunmal die: Keiner brauchte irgendwelche persönliche Einwilligungserklärungen persönlich unterschreiben, auch keine Konzequenzen wurden in Aussicht gestellt. Sie nutzen eben die Freiräume, die der Staat ihnen gewährt, verwerflich, aber menschlich. Neutraler gehts doch nun bestimmt nicht mehr!

03.04.2018 22:30 w.a. 46

Jakob@45 Weder bin ich ein Besorgter und schon gar kein Rechter.Sie schreiben doch selbst von Neutralität in der Diskussion, also beweisen sie mir doch wo es steht, das es Deutsche waren. Sonst können sie solche Behauptungen nicht in die Welt setzten. In meinen Nachforschungen habe ich da nichts gefunden. Was sie dann über unsere eigenen Landsleute schreiben trifft schon zu, da gibt es nichts schön zu reden. Ich sehe mir aber auch immer die Gegenseite an und versuche das einzuordnen. Das darf man doch oder hat man da schon Vorurteile, ist ein Besorgter, ein Rechter oder gar schon ein na sie wissen schon?

03.04.2018 21:36 Jakob 45

@ w.a. 44:

Entschuldigung, aber die Fälle aus Thüringen sind bekannt und wurden teils ausgiebig in der Presse behandelt. Es ist nicht meine Aufgabe sie von einem Vorurteil zu kurieren das sie pflegen. Lesen können sie ja schließlich selbst. Ob es ihnen passt oder nicht, aber die meisten Verbrechen in Deutschland werden nun mal von Deutschen begangen. Fast könnte man das vergessen bei dem Veitstanz den die Besorgten bei jeder Straftat eines Geflüchteten aufführen.

Wir Deutschen haben so ziemlich alles zu bieten vom Kanibalen, Papas die ihre Töchter mißbrauchen, Drogendealer, Zuhälter, Terroristen, Brandstifter, Axtmörder und eben auch Messerstecher.

Von daher sollte man Strafrechtsverschärfungen hübsch neutral und sachorientiert diskutieren. Bei einigen Rechtspopulisten hier habe ich jedoch mehr den Eindruck dass es darum geht durch solch eine Diskussion lediglich alle Flüchtlinge zu brandmarken.

03.04.2018 19:55 w.a. 44

Hallo Jakob@43 Egal, wer solche Messerstechereien durchführt es ist eine Straftat. Sie wissen also wie sie schreiben, das bei MDR Thüringen die Täter Deutsche sind. Na dann nennen sie mal die Quellen die das belegen. Oder sollte ich da was überlesen haben. Bin gespannt.

03.04.2018 19:16 Jakob 43

@Bernd L:

Hallo Bernd, sie haben sich ja richtig auf die Flüchtlinge eingeschossen was Messerattacken angeht. Als ich gerade MDR-Thüringen überflogen habe sind mir da gleich zwei Artikel über Messerangriffe deutscher Mitbürger aufgefallen. Aber wenn ein Deutscher mit dem Messer auf seine Mutter einsticht dann nennen wir das ja verniedlichend Familiendrama und fühlen uns gar nicht bedroht. Ich bin mir sicher diese Zahlen werden von ihrer AfD nicht angeführt, weil sie nicht ins rechte Propagandakonzept passen.