Pistole SFP9 von Heckler & Koch
Die Pistole SFP9 von Heckler & Koch ist die neue Standardwaffe der Polizei in sechs Bundeländern. Bildrechte: dpa

Neuer Ärger um Treffgenauigkeit Polizei schickt Heckler & Koch Pistolen zurück

Nach dem Streit um die Treffgenauigkeit der Sturmgewehre von Heckler & Koch für die Bundeswehr gibt es nun auch Probleme mit Pistolen für die Polizei. Es geht um das Modell HK SFP9 – Dienstwaffe in mehreren Bundesländern, darunter in Sachsen.

Pistole SFP9 von Heckler & Koch
Die Pistole SFP9 von Heckler & Koch ist die neue Standardwaffe der Polizei in sechs Bundeländern. Bildrechte: dpa

Wegen mangelnder Treffgenauigkeit will die Berliner Polizei erneut Dienstpistolen an den Waffenhersteller Heckler & Koch zurückschicken. Die schwäbische Waffenschmiede wurde zu Nachbesserungen an mehr als 1.300 Pistolen des Modells SFP9 aufgefordert.

Wie die Polizei mitteilte, entsprechen die Waffen nicht den "Vorgaben an ein einwandfreies Produkt". Die Polizei forderte "eine technisch einwandfreie und treffsichere Pistole". Insgesamt hat die Behörde 24.000 Exemplare bestellt.  

Teures Einschießen

Am Montag hatte die Gewerkschaft der Polizei (GdP) von anhaltenden Schwierigkeiten mit der Treffgenauigkeit berichtet. Der Hersteller habe erklärt, die Waffe müsse erst eingeschossen werden. Laut Polizei müssen jedoch mit den bereits einmal vom Hersteller nachgebesserten Pistolen erneut mindestens 60 Schuss abgefeuert werden, bevor sich eine "stabile Treffpunktlage" einstelle.

Die GdP rechnete aus: Bei Patronenkosten von 45 Cent würde allein das Einschießen bei den geplanten rund 24.000 neuen Waffen mehr als 700.000 Euro kosten. Anstatt die Waffen selbst einzuschießen, will die Polizei nun erreichen, dass der Hersteller das übernimmt, um so "einen korrekten auslieferungsfähigen Zustand zu erreichen".

Umstellung auf neue Waffe verzögert sich

Mit dem erneuten Problem verzögert sich laut GdP die Schulung der Beamten an der neuen Waffe und die Umstellung auf moderne Pistolen. Dennoch hält die Polizei an der Bestellung fest - nach dem Einschießen seien die Ergebnisse "hervorragend".

Firmenzentrale Heckler und Koch in Oberndorf am Neckar
Die Firmenzentrale von Heckler und Koch in Oberndorf am Neckar. Bildrechte: IMAGO

Die mangelnde Treffgenauigkeit der Pistolen war im Vorjahr bekannt geworden. Damals hatte Heckler & Koch eingeräumt, bei den bemängelten Exemplaren die Visiereinrichtung nachjustieren zu müssen.  

Berlins Innensenator Andreas Geisel hatte im Januar als Reaktion auf den Terroranschlag auf den Weihnachtsmarkt angekündigt, die Polizei mit neuer Schutzausrüstung und Waffen aufzurüsten. Schon lange hatten Polizisten über ihre veraltete Ausrüstung geklagt.

Sechs Bundesländer setzen auf SFP9

Neben Berlin stellen fünf weitere Bundesländer auf die HK SFP9 als neue Dienstwaffe um: Brandenburg, Bayern, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen. Anfang 2017 gab es eine Beschwerde des Schweriner Innenministeriums wegen Qualitätsproblemen. Daraufhin tauschte Heckler & Koch eine sogenannte Formfeder bei den nach MV gelieferten Waffen aus.  

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 10. Oktober 2018 | 09:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. Oktober 2018, 10:28 Uhr

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8 Kommentare

11.10.2018 07:02 rentner 8

wie in der autoindustrie-getürckte abgaswerte.
pistolen -getürckte schießwerte.
wer ist überhaupt noch ehrlich.

11.10.2018 06:10 peter 7

Schießen diese Waffen um die Kurve?
Ich krieg mich vor Lachen nicht mehr ein. Leider ist es traurig und kostet den Steuerzahler unendlich viel Geld.

10.10.2018 23:17 Egal 6

Sorry MDR, aber sie sollten sich Redakteure für solche Beiträge aussuchen, die selbst ein bisschen Ahnung von der Materie haben. Mit 60 Schuss Einschießen ist das Gewöhnungsschießen des Schützen an die neue Waffe gemeint. Man muss sich an den Abzug gewöhnen, und erst mit etwas Training stellt sich auch die Treffergenauigkeit ein. Bei Sportschützen ist es auch so, ohne Training wird nichts. Und hier in der Öffentlickeit ne sinnlose Rechnung vorlegen und jemanden bei der GdP finden, der ins selbe Horn heult, einfach peinlich!!!

10.10.2018 13:02 Neumann 5

Waren hier beim Vertragsabschluss käuferseits Stümper am Werk? Wenn man eine Schusswaffe vom Hersteller kauft, wird natürlich vorher festgelegt, ob es sich um eine eingeschossene Waffe handelt oder nicht. Sogar als Sportschütze beim Kauf nur einer Waffe sollte man auf das Schießprotokoll achten. Wie können da beim Kauf von 24.000 Waffen aus Steuergeldern Unklarheiten bestehen?!

10.10.2018 11:13 Lyriklümmel 4

Vorschlag:
Bis das Problem gelöst ist,
mit allen einschlägig bekannten Übeltäterstrukturen ein allgemeines Waffenstillstandsabkommen abschließen!

10.10.2018 10:47 Fragender Rentner 3

Na wenn sie nicht genau treffen, so können sie vielleicht auch niemanden verletzen der Krank ist.

10.10.2018 09:34 Wachtmeister Dimpfelmoser 2

Nehmt doch die Makarows von früher. Die gehen und treffen immer. Und wenn das Magazin leer war hieß es bei der NVA: Neun Schuß und ein gezielter Wurf.

10.10.2018 09:22 Bingo 1

Die schießen wohl auch nicht ?? Armes, gutes Deutschland ,dann gibt es auch keine Opfer.Vielleicht, sollte man mal auf Pfeil und Bogen zurückkommen.