Franziska Giffey, 2016
Für Franziska Giffey steht der Schritt von der Kommunal- in die Bundespolitik an. Bildrechte: dpa

Franziska Giffey Von Fürstenwalde über Neukölln in die große Politik?

In Berlin kennt sich Franziska Giffey bestens aus: Seit 2007 ist in der Bezirksverwaltung des Berliner Stadtteils Neukölln tätig. Jetzt zieht sie wohl vom Süden Berlins in die Mitte: Giffey wird als neue Bundesfamilienministerin gehandelt. Eine überraschende Personalie.

Franziska Giffey, 2016
Für Franziska Giffey steht der Schritt von der Kommunal- in die Bundespolitik an. Bildrechte: dpa

Der SPD-Eintritt kam relativ spät - jetzt öffnet er Franziska Giffey die Tür ins Familienministerium. Auf der Suche nach neuem, kompetenten und vor allem jungen Personal landete die SPD-Spitze schnell bei der Bezirksbürgermeisterin aus dem Berliner Stadtteil Neukölln. Giffey soll die Familienministerin in der neuen Großen Koalition werden.

Und das wäre eine geschickte Wahl: Denn Giffey befriedigt gleich mehrere Forderungen an die neue Bundesregierung. Die ostdeutschen Regierungschefs forderten zum Beispiel wiederholt mindestens ein ostdeutsch geführtes Ministerium.

Zudem formulierte die SPD selbst den Anspruch an sich, die Hälfte der sechs Ministerposten mit Frauen zu besetzen. Und dann wurde spätestens in der Debatte um die Neuauflage der GroKo klar, dass an einer Verjüngung in der Parteispitze und in den Ministerien kein Weg vorbeigeht.

Die perfekte Kandidatin?

Franziska Giffey ist 39 Jahre alt und kommt aus dem Osten. Und sie kommt für die meisten Wähler in Deutschland vollkommen aus dem Nichts. Die perfekte Kandidatin? Viele sagen ja. Denn sie ist nicht nur weiblich, jung und ostdeutsch, sie ist vor allem fachlich und politisch bestens auf den anspruchsvollen Posten vorbereitet.

Das politische Ziehkind von Neuköllns populärem langjährigen Bürgermeister Heinz Buschkowsky ist in Frankfurt (Oder) geboren und im Ostbrandenburgischen bei Fürstenwalde aufgewachsen.

Nach dem Abitur studierte sie zunächst in Berlin Französisch und Englisch auf Lehramt. 1998 wechselte sie zur Fachhochschule für Verwaltung und Rechtspflege und schloss 2001 das Studium als Diplom-Verwaltungswirtin ab.

Mit viel Engagement nach oben

In Treptow-Köpenick begann sie ihre Verwaltungskarriere, die sie steil nach oben führen sollte. Schon 2002 holte sie Buschkowsky in den Nachbarbezirk Neukölln. Als Europabeauftragte war sie dafür zuständig, "EU-Kohle nach Neukölln zu holen", wie Buschkowsky es einmal bezeichnet haben soll.

Quasi nebenbei promovierte sie über die Rolle der EU-Kommission bei der Beteiligung der Zivilgesellschaft. Außerdem sammelte sie in diesen Jahren jeweils mehrwöchige Erfahrungen bei Verwaltungsstationen in London, Brüssel und Straßburg. Als frisch gebackene Dr. rer. pol. wurde Giffey 2010 Bezirksstadträtin für Bildung, Schule, Kultur und Sport in Neukölln.

SPD-Eintritt mit fast 30 Jahren

In die SPD trat Giffey 2007 ein, da war sie schon fünf Jahre unter Buschkowski als Europabeauftragte für Neukölln tätig. Zur Kreisvorsitzenden in Neukölln wurde sie sogar erst 2014 gewählt. Die klassische Parteikarriere mit Eintritt in die Juso und Engagement schon im Jugendalter hat sie also nicht hinter sich. Jetzt könnte sie nur zehn Jahre nach Parteieintritt Ministerin werden.

Im multikulturellen Berlin-Neukölln hat sich Giffey als bei Amtsantritt jüngste Bürgermeisterin Berlins mit Eloquenz, deutlichen Worten und einer klaren Haltung seit 2015 Respekt erarbeitet. Parallelgesellschaften will sie ebenso wie die Fehler der Vergangenheit verhindern und alle in das deutsche System integrieren. "Wir brauchen einen starken Staat, der sagt, es gibt Grenzen."

Dazu gehört für sie auch, dass man einer weiblichen Bürgermeisterin die Hand gibt - auch als Muslim. Der Bezirk, der mit rund 330.000 Einwohnern einer Großstadt gleichkommt, hat einen sehr hohen Anteil von Einwohnern mit Migrationshintergrund, viele Hartz-IV-Empfänger, viele Arbeitslose, eine hohe Kriminalitätsrate und wird zugleich immer beliebter bei Touristen, ausländischen Studenten und Investoren.

Mutter der Kommunalpolitik

Wenn man einen solchen Job gut machen wolle, müsse man viel draußen, bei den Leuten sein. "Die Mutter der Kommunalpolitik ist die Anschauung vor Ort", so das Credo der 39-Jährigen.

Diese Fülle an verschiedenen Gruppen unter einen Hut zu bringen, scheint Giffey zu meistern. Sie weiß sowohl mit dem Problem arabischer Großclans als auch mit illegaler Mülldeponierung und Mietwucher umzugehen und greift auch mal auf unkonventionelle Methoden zurück, etwa mit einem privaten Sicherheitsdienst, der nachts den Müllverursachern auflauert.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL FERNSEHEN | 08. März 2018 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. März 2018, 17:37 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

5 Kommentare

09.03.2018 22:11 Wessi 5

@ 2 nö Meister, es geht hier um Grenzen im eigenen Land.Grenzen die in Freital+Heidenau gebrochen wurden, jeden Montag in Dresden, überschritten werden.Es geht damit nur um die Einhaltung von Recht...so z.B. "das darf man doch wohl sagen dürfen",wenn es in Wirklichkeit übelste Volksverhetzung ist.Es geht nicht um krankhaften Nationalismus,Rassisimus eines Gauland.Genau darum ist Giffey in der SPD. Auch Buschkowski ist jemand der Integration forderte, rassistische Ausgrenzung aber hasst.

09.03.2018 09:48 Axel 4

Muahahahaaaa,

da wollen wir doch mal hoffen, das Frau Giffey aus ganz Ostdeutschland NICHT Neu-Kölln macht.

09.03.2018 09:47 Wieland der Schmied 3

Die Dame sieht gut aus, hat die passende Audbildung und hat bei Buschkowski sicher so einiges über Multikulti gelernt. Ob es im Führungszirkel unter Merkel überhaupt eine Diskussion geben darf, in die man eigene Erfahrungen einbringen kann ist sehr zweifelhaft. Gehorchen soll dort dagegen alles sein.
Der für mich entscheidende Gradmesser der Eignung für ein solches Amt ist, ob sie eigene Kinder hat, denn nur Frauen mit Kindern kümmern sich um deren Wohl wie auch des Landes.

09.03.2018 09:21 ralf meier 2

Frau Giffey will also 'alle in das deutsche System integrieren'. Die AFD und auch einige CDU/CSU Politiker würden in dem Zusammenhang von der deutschen Leitkultur sprechen. Frau Giffey meint auch :
'"Wir brauchen einen starken Staat, der sagt, es gibt Grenzen." Spätestens jetzt würde ein Herr Gauland von den ' no borders fans' ein lautes 'es gibt kein Recht auf Nazipropaganda' Gebrüll ernten.
Klingt also alles sehr vernünftig, was Frau Giffey sagt.
Fachlich qualifiziert ist sie auch noch.
Aber was macht diese Frau in der SPD ?
Ist es Dankbarkeit gegenüber ihrem langjährigen Mentor, dem auch von mir schwer geschätzten Herrn Buschowski ?
Bei dem habe ich mir diese Frage auch des öfteren gestellt.

09.03.2018 06:48 Wo geht es hin? 1

Die Frau ist bei der Besetzung der Ministerposten die einzige Personalie, wo ich der Meinung bin, sie ist eine gute Wahl. Fachlich kompetent, guter Blick auf die Realitäten und keine Schaumschlägerin. Mal sehen, wie lange es dauert, bis sie vom Establishment vereinahmt oder weggemobbt wird. Ich wünsche ihr viel Kraft - denn die wird sie brauchen!