Zwischenbilanz Deutschland kommt gut durch die Corona-Krise

Der erste Corona-Fall wurde am 27. Januar in Deutschland offiziell bestätigt. Das ist ein halbes Jahr her. Seitdem haben wir einiges mitgemacht: Ausgangsbeschränkungen, Schulschließungen, Maskenpflicht. Im Vergleich zu anderen Ländern ist es in Deutschland noch recht glimpflich gelaufen: etwas mehr als 200.000 bestätigte Fälle und 9.000 Tote. Wie hat das Krisenmanagement in der Corona-Pandemie funktioniert? Vera Wolfskämpf hat sich für eine Zwischenbilanz umgehört.

Bundeswehr-Soldaten in Schutzanzügen und mit Mund-Nasenschutzmasken begeben sich zu den Wohnhäusern, um weitere Personen auf das Coronavirus zu testen.
Bundeswehr-Soldaten in Schutzanzügen und mit Mund-Nasenschutzmasken begeben sich zu den Wohnhäusern, um weitere Personen auf das Coronavirus zu testen. Bildrechte: dpa

Die Deutschen waren lange nicht so zufrieden mit ihrer Bundesregierung wie zurzeit. Weil diese sich um das Problem gekümmert hat, das alle beschäftigt: die Corona-Pandemie. Manfred Güllner vom Meinungsforschungsinstitut Forsa erklärt: "Wir können feststellen, dass die Zufriedenheit mit dem Krisenmanagement recht groß ist – von Anfang an." Das habe sich bis heute gehalten, sowohl was die Einschränkungen als auch Lockerungen ab Mai anbelange.

Jens Spahn (CDU), Bundesgesundheitsminister, spricht bei der Übergabe der ersten Lieferung von 100 Millionen gespendeten Schutzmasken
Jens Spahn (CDU), Bundesgesundheitsminister Bildrechte: dpa

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn gibt das Lob gleich zurück: "Wir haben unser Land bis hierhin gemeinsam gut durch diese Krise geführt. Die Bürgerinnen und Bürger haben einen großen Anteil daran." Denn sie hätten sich weitgehend an die Einschränkungen gehalten.

Zu wenig Schutzmaterial

Wenn auch das Krisenmanagement insgesamt gut lief, Stolpersteine gab es doch. Der erste war das Schutzmaterial. Masken, Desinfektionsmittel, Schutzkleidung, das fehlte plötzlich überall. Andreas Gassen von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung kritisiert: "Die Länder haben schlichtweg nicht vorgesorgt, zumindest nicht für eine Pandemie in der Art und Weise." Es gab kaum Vorräte. Das Bundesgesundheitsministerium ging auf Einkaufstour, die Verteilung vor Ort dauerte zum Teil.

Als schließlich Schutzmasken ankamen, waren etwa 20 Prozent davon mangelhaft. Deshalb fordert Susanne Johna vom Ärzteverband Marburger Bund, das schnellstens auszusortieren – die Bundesländer müssten informieren, der TÜV prüfen und die Kliniken und Praxen ihre Lager durchforsten. Was nicht passieren dürfe, sagt Johna, sei, dass in einer zweiten Welle fehlerhaftes Material für das Personal im Krankenhaus oder bei niedergelassenen Ärzten eingesetzt werde. "Diese wären dann nicht ausreichend geschützt."

Gesundheitsämtern fehlt Personal

Der zweite Stolperstein waren die Gesundheitsämter. Diese sollten Infektionsketten verfolgen, um sie rechtzeitig zu unterbrechen. Quarantäne anordnen, Kontaktpersonen informieren, Tests organisieren – nicht überall gelang das sofort, weil Personal fehlte. Susanne Johna vom Marburger Bund, der auch die Gesundheitsämter vertritt, erklärt: "Da ist sicher spät reagiert worden, auch wenn reagiert wurde. Allerdings ist die personelle Aufstockung nicht in allen Gesundheitsämtern gleichermaßen angekommen. Insofern brauchen wir eine dauerhafte Stärkung des öffentlichen Gesundheitsdienstes."

Allein hätte dieser es nicht geschafft, ist auch Andreas Gassen überzeugt. Dass es dennoch zu keiner Überforderung gekommen sei, liege daran, dass Deutschland anders als viele andere Länder ein sehr breit aufgestelltes ambulantes System habe. "Mit Haus- und Fachärzten, die wohnortnah Patienten versorgen, diese auch kennen – und dass alle unsere Bürger Zugang zum Gesundheitssystem haben", führt er aus. Hausarztpraxen, Krankenhäuser und Gesundheitsämter hätten gut zusammengearbeitet und etwa extra Anlaufstellen für Corona-Verdachtsfälle geschaffen.

Robert Koch-Institut: "Wir verbessern uns jeden Tag"

Der dritte Stolperstein lag beim Robert Koch-Institut (RKI) als Behörde, die koordiniert, forscht und informiert – und selbst täglich Neues über ein unbekanntes Virus in einer so nie dagewesenen Pandemie lernen musste. So war das RKI erst gegen, dann für eine Maskenpflicht. Und Präsident Lothar Wieler verspricht: "Wir verbessern uns jeden Tag und das werden wir auch die nächsten Monate noch machen, solange es diese Krise geben wird in diesem Land."

In den letzten Monaten konnten alle Beteiligten viel lernen: bei Infektionsherden schneller und lokaler einzugreifen, Vorräte anzulegen, das Gesundheitssystem nicht nur auf Sparsamkeit zu trimmen. All das könnte bei einer zweiten Welle wichtig sein – wie Gesundheitsminister Spahn hofft: um sie zu brechen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 27. Juli 2020 | 05:00 Uhr

103 Kommentare

Wessi vor 8 Wochen

@ Freiheit ...im Prinzip haben Sie da nicht Unrecht...aber wenn Anfang des Jahres die Masken "verpflichtend" gemacht worden wären, hätten, es gab viel,viel zu wenige, diejenigen die sie wirklich nötig hatten (Krankenhauspersonal,Ärzte+Altenheimangest.) und zwar WELTWEIT,diese nicht gehabt weil Hysteriker,Reiche+Geschäftemacher diese gehortet hätten.Ich denke da z.B.an die Verknappung von Klopapier.Dafür hat im Vergleich zu den meisten anderen Ländern unsere Regierung hervorragend agiert.Wenn ich mir den Schaden durch Ignoranten,Verschwörungsidioten und Unternehmer (Toennies) anschaue, weiß ich das noch genauer!Wir sind, bis dato, exellent durchgekommen (s.Trump,s.Bolsonaro)

Freiheit vor 8 Wochen

Crizzle, angenommen, die Masken helfen tatsächlich, dann hätte man diese schon im Januar oder spätstens im Februar verpflichtend machen sollen. Da hätten wir uns den Lockdown sparen können!
Wenn ich mir den Schaden durch das fehlen von Schutzausrüstung und deren Folgen an Maßnahmen ansehe (Wirtschaft, Suizide, ausgefallene Operationen mit Folgen...)
Also gut durchgekommen sind wir definitiv nicht!

Freiheit vor 8 Wochen

Crizzle, es sind imerhin 20 Mio. die man bei guter Organisation sinnvoller hätte ausgeben können.
Ich kann daher mit dieser Regierung nicht zufrieden sein!