Datenerhebung 1990 bis 2017 "Probleme" dominieren Berichterstattung über Ostdeutschland

Der MDR hat für seine Dokureihe "Wer braucht den Osten" die Presse-Berichterstattung über Ostdeutschland unter die Lupe nehmen lassen. Ergebnis: "Probleme" werden in den Mittelpunkt gestellt, die Kultur kommt zu kurz.

Die Presseberichterstattung über den Osten betont vor allem Probleme. Das Thema Wirtschaft dominiert, kulturelle Themen sind nachgeordnet. Das geht aus einer digitalen Textauswertung von Millionen Presseartikeln seit 1990 hervor, die für die MDR-Dokureihe "Wer braucht den Osten?" vorgenommen wurde.

Bei allen Artikeln, die sich mit Ostdeutschland beschäftigten, war das wichtigste Thema in den letzten 28 Jahren die Wirtschaft. Sucht man in Presseartikeln nach dem Begriff "Ostdeutschland", enthält heute jeder fünfte Beitrag auch den Begriff "Wirtschaft" - Anfang der 1990er-Jahre war es sogar jeder dritte.

Mehr an Kultur spiegelt sich nicht wider

"Kultur" ist dagegen ein Schlagwort, das nur in etwa jedem 15. Artikel im Zusammenhang mit Ostdeutschland enthalten ist. Auffällig ist diese Zahl vor allem, weil die neuen Länder (ohne Berlin) mit 2,4 Orchestern und Theatern pro 100.000 Einwohner gegenüber nur 0,9 Orchestern und Theatern pro Einwohner in den alten Bundesländern eine etwa zweieinhalbfache Kulturdichte haben.

Das Wort "Problem" bestimmte die Nachrichten über den Osten. Es wurde im Betrachtungszeitraum häufiger in Verbindung mit dem Osten verwendet als in Beiträgen über Gesamtdeutschland – in Zeitungen, die in Westdeutschland erschienen sind noch öfter als in ostdeutschen Presseerzeugnissen.

"Armut" statt "Aufschwung"

Laut der Auswertung haben sich die Schwerpunkte der Berichterstattung über den Osten in den vergangenen Jahren stark verändert. Die Verwendung von positiv besetzten Begriffen wie "Aufschwung", "Modernisierung" oder "Wachstum" im Zusammenhang mit "Wirtschaft" ging sehr schnell zurück.

Stattdessen stieg in der gesamtdeutschen Presselandschaft der Anteil der Artikel, die Ostdeutschland zusammen mit den Begriffen "Armut" oder "abgehängt" erwähnten. Auch das Wort "Rechtsextremismus" trat im Zusammenhang mit "Ostdeutschland" häufiger auf, insgesamt seit 1990 fünf Mal öfter als mit mit dem Wort "Deutschland".

Der Begriff "Hass" wurde 2017 in der gesamtdeutschen Presse sieben Mal häufiger zusammen mit dem Begriff "Ostdeutschland" verwendet als 2010. Besonders stark war der Anstieg 2015 im Zusammenhang mit den Protesten gegen Angela Merkels Flüchtlingspolitik.

Die Datenauswertung Für die Datenauswertung wurden für den Zeitraum vom 1. Januar 1990 bis 31. Dezember 2017 mehr als 170 Millionen Presseartikel in etwa 110.000 Abfragen maschinell ausgewertet. Grundlage war die Pressedatenbank des Unternehmens GBI-Genios. Der Anbieter verfügt im Bereich der Tages- und Wochenpresse über 180 deutschsprachige Titel.

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Wer brauchten den Osten? | 12. Juni 2018 | 22:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Juni 2018, 05:00 Uhr

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18 Kommentare

13.06.2018 08:36 Wieland der Schmied 18

Der mdr hat viel Mühe investiert, um alle Erscheinungen belegen zu können. Meine eigene Sicht in zusammengefaßter Form sieht wie folgt aus: Leipzig war das Epizentrum des Aufstandes gegen das SED-Regime, die einst große Messe- und Buchdruckerstadt kam aber als erste unter den Hammer von Immobilienhaien und anderen Geschäftemachern, was bei Wikipedia unter „Sachsensumpf“ viele Seiten füllt. Dem allen nachzutrauern ist unzweckmäßig, weil es dafür keine Wiedergutmachung geben kann, wohl aber das Angedenken an die friedliche Revolution. Das tun immer mehr, weil diese Republik unter Merkel nur noch ein Abglanz früherer Jahre ist und zunehmenden Widerstand von der Basis herausfordert. Die BRD von heute hat also das revolutionäre Gen Mitteldeutschlands mitübernommen, das sich bei Pegida in Dresden Bahn brach und das in der Lucke-AfD durch Umsatteln als Rennpferd durch Petry und Höcke hervortrat. Die Richtung ist bei beiden klar, das ganze Deutschland soll es sein!

12.06.2018 22:55 Gert 17

Schade, daß es noch keinen 2. mitteldeutschen Kosmonauten nach Siegmund Jähn gibt. Leider müssen wir einen Südwestdeutschen zu jubeln, wie es die Medien wollen.

12.06.2018 22:27 schmachulke 16

Naja vielleicht sollte man sagen: "Probleme" dominieren Berichterstattung generell (nicht nur im Bezug auf den Osten).

12.06.2018 22:25 lummox 15

die wessis :) haben schon ein paar jahre länger unter der demokratie gelitten und kennen nur eine gesellschaftsform. da hat der gebürtige ossi :) den vorteil eines vergleichs.

12.06.2018 20:20 Fragender Rentner 14

Wenn man über Ostdeutschland berichtet, so kann man von anderen wichtigeren Sachen für die Menschen ablenken! :-(((

12.06.2018 19:09 Meine Meinung 13

Lasst doch endlich die Ost West gefassel es geht ein auf die Nerven das sage ich als Ossi. Hier wird bewußt gegeneinander ausgespielt. Klar ist es Fakt das der Osten in den Löhnen hinterher hängt aber um das zu ändern muß eine fähige Regierung her. Unter Merkel wird da nix werden.

12.06.2018 16:41 pkeszler 12

Die Ostdeutschen sind kritischer, als die Westdeutschen. Die Westdeutschen sind dagegen überheblicher und tun so, als wenn Ostdeutschland den II. WK allein verloren hat. Ganz besonders negativ ist, wenn die Medien immer noch zwischen Ost und West unterscheiden. Dabei gibt es zwischen Nord und Süd auch sehr große Unterschiede.

12.06.2018 16:05 REXt 11

Ich würde sagen, die Probleme im Osten sind Hinterlassenschaften der 3. „Westgarde“ nach der Wende! Keine Ahnung gehabt wie der Osten tickt, stur die alten Fehler der Alt Länder auf den Osten projeziert.

12.06.2018 13:44 RÜDI 10

@3 -Auszug aus der Erklärung der Künstler des "Berliner Ensembles" vom 29.September 1989:
"Wir müssen in aller Öffentlichkeit darüber sprechen, dass das gegenseitige Vertrauen zwischen Führung und Bevölkerung unverzichtbar ist. Misstrauen gegenüber der politischen Reife der Bevölkerung, wie es unverändert in den Veröffentlichungen unserer Zeitungen und Medien zu spüren ist, schränkt die Glaubwürdigkeit der Partei(+en) und die Handlungsfähigkeit aller ein. Zur Gewinnung und Wiedergewinnung des Vertrauens sind zwischen vielen Ebenen und in der breiten Öffentlichkeit Dialoge ohne Tabus nötig, auch andere Meinungen müssen gehört und dürfen nicht kriminalisiert werden."-
Gestern Zitat aus der MZ: "Merkel übernimmt die politische Verantwortung ..". Heute : Funkstille in den Medien, keine Nachfagen- Wer,Was ,Wann? keine Kritiken, Konsequenzen?
"Petition 79822" (Gemeinsame Erklärung 2018) zum Thema Offene Grenzen: Funkstille!
Gaulands Badehose geklaut: "NAZI"! - Der Blätterwald rauscht.

12.06.2018 13:09 MuellerF 9

@1: In welchem/n Paragraphen im StGB ist denn dieser Straftatbestand geregelt? In keinem, oder?
Weil es eben (in D.) kein juristischer Begriff ist.
-> Sie reden Unsinn!

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https://www.mdr.de/zeitreise/wer-braucht-den-osten-wirtschaft-video-102.html

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