Marco Bülow
SPD-Politiker Marco Bülow sammelt Gleichgesinnte in der neuen "Progressiven Sozialen Plattform". Bildrechte: dpa

Neues Bündnis SPD-Linke gründen "Progressive Soziale Plattform"

Der SPD laufen die Wähler davon, die Linke kann sie nicht auffangen – und viele Unzufriedene, die sich vom Staat zurückgelassen fühlen, setzen ihr Kreuz eher bei der AfD. Die anderen Parteien suchen Auswege, wie sie für die Bürger wieder attraktiv werden und das neu aufgeflammte politische Interesse bündeln können. Dafür hat sich aus der SPD heraus in Berlin eine "Progressive Soziale Plattform" gegründet.

von Vera Wolfskämpf; Hauptstadtkorrespondentin MDR AKTUELL

Marco Bülow
SPD-Politiker Marco Bülow sammelt Gleichgesinnte in der neuen "Progressiven Sozialen Plattform". Bildrechte: dpa

Als sich die "Progressive Soziale Plattform" in einem kleinen Raum eines Berliner Kulturzentrums vorstellt, sind fast so viele Initiatoren wie Journalisten anwesend. Die rund zehn der 30 Erstunterzeichner und -unterzeichnerinnen des Gründungsaufrufs äußern sich alle. Und das zeigt schon, wo es hingeht. Künftig sollen noch viel mehr mitreden. Die Plattform hat sich aus der SPD heraus gegründet, will aber überparteilich aktiv werden. Dem Bundestagsabgeordneten Marco Bülow geht es auch darum, die SPD möglichst zu erneuern. Er sagte, er kenne keine Partei, die sich in der Regierung wirklich erneuert hat. Vor allen Dingen mit so schwierigen Ausgangspositionen. Trotzdem sei es ein Ziel, was mit Druck von innen und von außen zu erreichen sei.

Viele SPD-Mitglieder vertreten

So sind einige SPD-Mitglieder unter den Initiatoren, darunter die ehemalige Justizministerin Herta Däubler-Gmelin und der frühere Finanzstaatssekretär und Ökonom Heiner Flassbeck. Die jüngere Generation ist stark vertreten, auch Mitglieder der Piratenpartei, Aktivisten für Inklusion wie Raul Krauthausen oder von Greenpeace.

Auch Lea Brunn von der Partei "Demokratie in Bewegung". Ihr fehlt in der politischen Welt besonders, dass Leute sich wieder gehört fühlen.

Das bedeutet für uns, dass wir verkrustete Strukturen aufbrechen müssen, neue Mittel und Wege finden müssen, damit alle Menschen wieder eine Stimme haben. Das können wir nur, indem wir progressiv und radikal sind.

Lea Brunn; "Demokratie in Bewegung"

Neues Gesellschaftsmodell gewollt

Die "Progressive Soziale Plattform" will ein neues Gesellschaftsmodell entwickeln – in einem gemeinsamen linken Bündnis. Denn die erstarkende rechte Bewegung wurmt sie, erklärt der SPD-Parteilinke Marco Bülow. "Das liegt daran, dass es viele Unzufriedene gibt. Und auch daran, dass sie in der Öffentlichkeit mit Pöbeleien und heftigen Ausbrüchen stärker präsent sind und sich alles darum rankt und nicht um die eigentliche Diskussion, um soziale Demokratie und soziale Gerechtigkeit", bemängelt Bülow. "Der eigentliche Skandal in diesem Land ist, dass wir auf der einen Seite einen unglaublichen Reichtum haben und Zuwächse im wirtschaftlichen Bereich, aber immer weniger davon profitieren."

Das Wie und Was noch unklar

Warum und wofür, das scheint schon gut durchdacht – aber wie und was, da sind die Ideen noch recht schwammig. Klar ist nur, man will online diskutieren, sich persönlich in regionalen Gruppen treffen, Konzepte für Wirtschaft und Gesellschaft entwickeln, Kampagnen starten.

Aber so richtig wird die Arbeit erst in einigen Wochen oder Monaten losgehen, wenn die Plattform 5.000 Unterstützer hat. Denn das erklärte Ziel ist, als starke Stimme in die Parteien hineinwirken, wo letztlich die politischen Entscheidungen getroffen werden.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 30. Dezember 2017 | 19:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. März 2018, 20:03 Uhr