Nordrhein-Westfalen, Kerpen-Manheim: Teilnehmer gehen beim Protestspaziergang gegen die Rodung des Hambacher Forsts durch den Wald.
Mehrere tausend Menschen nahmen an dem Protest-Spaziergang im Hambacher Forst teil. Bildrechte: dpa

Wegen geplanter Rodung Tausende bei Protest-Spaziergang im Hambacher Forst

Tausende Menschen haben im Hambacher Forst gegen dessen geplante Abholzung protestiert. Ungeachtet dessen geht die Räumung des 12.000 Jahre alten Waldes weiter. Fast 80 Baumhäuser hat die Polizei bereits abgerissen. Doch Umweltaktivisten bauen immer wieder neue Hütten. Der Energiekonzern RWE will ungeachtet dessen an seinen Rodungsplänen für die Braunkohlegewinnung festhalten.

Nordrhein-Westfalen, Kerpen-Manheim: Teilnehmer gehen beim Protestspaziergang gegen die Rodung des Hambacher Forsts durch den Wald.
Mehrere tausend Menschen nahmen an dem Protest-Spaziergang im Hambacher Forst teil. Bildrechte: dpa

In dem wegen der Braunkohleförderung zur Abholzung vorgesehenen Hambacher Forst haben am Sonntag Tausende Umweltschützer gegen die Rodung des 12.000 Jahre alten Laubwaldes protestiert. Nach Angaben der Veranstalter nahmen mehr als 10.000 Menschen an einer Protestkundgebung und einem anschließenden Protest-Spaziergang durch das Waldgelände bei Kerpen in Nordrhein-Westfalen teil. Die Polizei machte keine Angaben zu Teilnehmerzahlen.

Fast 80 Baumhäuser geräumt

Neu gebautes Baumhaus im Hambacher Forst
Trotz der Abrissaktion entstehen immer wieder neue Baumhäuser im Hambacher Forst. Bildrechte: dpa

Die Polizei ist seit zwei Wochen mit einem massiven Aufgebot im Hambacher Forst im Einsatz, um von Umweltschützern gebaute Baumhäuser und Tunnel zu räumen und zu beseitigen. Wie ein Polizeisprecher am Sonntag in Aachen mitteilte, wurden bislang 77 Baumhäuser entfernt. Wann genau die Räumung abgeschlossen sei, könne aber noch nicht gesagt werden. Man entdecke immer wieder neue Hütten. Ursprünglich war die Polizei von 50 bis 60 Baumhäusern im Hambacher Forst ausgegangen. Die Beamten vermuten aber, dass Umweltaktivisten immer wieder neue Hütten in den Bäumen bauen und damit die Zahl der Hindernisse für die Ordnungskräfte hochhalten.

RWE sieht keinen "Spielraum"

Der Energiekonzern RWE will einen Großteil des Waldes bei Kerpen roden lassen, um einen Tagebau zu erweitern. Nach Auffassung des Konzerns ist das zwingend notwendig für die Sicherung der Stromproduktion in Braunkohlekraftwerken. RWE-Chef Rolf Martin Schmitz betonte am Samstag nochmals, dass er keine Spielräume für Zugeständnisse sehe. "Es gibt keine Chance, den Wald stehen zu lassen", sagte er dem "Kölner Stadt-Anzeiger". Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet sagte dazu der "taz", auch ein Votum der Kohlekommission, die einen Plan für den Kohleausstieg erarbeitet, könne den Wald nicht retten.

12.000 Jahre alter Laubwald

Förster Peter Wohlleben bei Protest-Kundgebung im Hambacher Forst
Wohlleben: "Einer der letzten alten Laubwälder." Bildrechte: dpa

Umweltschützer betonen hingegen die Bedeutung des 12.000 Jahre alten Waldes für den Klimaschutz und die Artenvielfalt. Der Förster, Umweltexperte und Buchautor Peter Wohlleben warnte bei der Protestaktion am Sonntag ausdrücklich vor einer Abholzung des Hambacher Forsts. Dieser sei einer der "letzten wirklich alten deutschen Laubwälder".

Streit um geplanten Grünen-Parteitag

Die Grünen warfen RWE Gleichgültigkeit vor. Nordrhein-Westfalens Grüne hatten aus Protest gegen die Rodungspläne ihren Landesparteitag am 7. Oktober an den Hambacher Forst verlegt. NRW-Innenminister Herbert Reul rief die Grünen dazu auf, ihren Parteitag nicht am Hambacher Forst abzuhalten. Alles andere sei unverantwortlich, sagte der CDU-Politiker der "Rheinischen Post": "Sie gießen damit Öl ins Feuer. Die Grünen verlangen immer von der Polizei, zu deeskalieren. Und dann legen sie den Parteitag dorthin."

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 30. September 2018 | 14:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 30. September 2018, 19:15 Uhr

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28 Kommentare

02.10.2018 21:08 Chief Joseph 28

@alle im Sendegebiet des MDR
Mglw. kann man sich bei Ihnen besser als im Rest der Republik eine Vorstellung davon machen, mit welcher mafiösen Energie der Konzern RWE seit sechs Jahrzehnten Politik und Gesellschaft im Rheinland infiltriert und manipuliert und bezahlt. Das reicht vom Schwimm- oder Karnickelzüchterverein über den Gemeinderat und Landtagsabgeordneten bis zum Innenminister...und wer weiß... vielleicht bis in die Reihen der Kommentatoren hinein.
@16
"Hambacher Forst" heißt dieser einst zehnmal so große Wald übrigens erst, seit RWE ihn den Gemeinden abschwatzte und umbenannte, um ihn so zu einem Wirtschaftsforst zu degradieren.
Der ursprüngliche Name ist "Bürgewald" und verweist auf seine Jahrhunderte lange Nutzung als Allmende also für alle ( ... Bewohner und nicht nur zu Gunsten eines Herrschers oder Aktienbesitzers).

02.10.2018 19:43 Marie-Luise Kother 27

Die Menschheit hat keine Zukunft, es regiert die Profitgier und Volkeswille wird nicht berücksichtigt. Braunkohleförderung und -verstromung ist sehr kostenintensiv und die Energieeffizienz ist im Verhältnis dazu gering, ganz zu schweigen von den Kosten der Verringerung des dabei entstehenden CO2-Ausstoßes. Der Wahnsinn geht weiter bis zum bitteren Ende.

02.10.2018 15:40 Fragender Rentner 26

Sollen lieber eine neue ICE-Strecke bauen, dann sind bestimmt viele zufriedener. :-)

02.10.2018 11:09 Norbert NRW 25

@24 Dito sag ich da nur, wenn man was nicht wahrhaben will dann ist das nun mal so. Müßig sich darüber in wiederholenden Posts zu äussern. Wenn Sie denken das die nicht Rodung von 200ha Wald bzw. die Kohle darunter das Klima massgeblich retten ist das ehrlich gesagt grüne Tagträumerei. Es wird nichts nützen ausser den Ideologen die dort die Stimmung anheizen. Die Polizei soll jetzt dafür sorgen das am Wochenende dort Parkplätze zur Verfügung stehen, das ist natürlich sehr ökologisch wenn die Demonstranten gegen die Kohle mit ihren PKW dort auftauchen.
Damit ist die Diskussion einfach absurd. Es steht ausser Frage das die Kohle in den nächsten Jahren immer noch unverzichtbar ist ob fürs Klima gut oder schlecht spielt da keine Rolle. Das ist nun mal Realität, wie gesagt wenn man diesen Budenzauber in Tihange abziehen würde hätte ich da vollstes Verständnis für, aber das ist einfach nur Ökopopulismus...

02.10.2018 10:29 Chief Joseph 24

@5+20
Ich weiß nicht, wo Sie am 16.09.2018 waren, als Sie Menschen getroffen haben, die zur Hälfte aus NL, B oder E waren.
Ich war beim Hambacher Waldspaziergang mit 10.000 anderen Menschen, von denen z.B. lt. KFZ-Kennzeichen die überwältigende Mehrheit aus dem westlichen NRW war.
Eine junge Ärztin, deren Familie aus Sri Lanka stammte, eine Familie aus Bangladesch und (tatsächlich) ein Pärchen aus NL habe ich auch getroffen und die haben allesamt gute Gründe da zu sein.
@22
Der Klimawandel findet statt und Wissenschaftler verschiedenster Forschungsrichtungen weltweit (!) sagen, dass er menschengemacht ist.
Letztendlich interessiert es Polkappen, Gletscher und methanhaltige Permafrostböden aber auch nicht, warum es wärmer wird während sie schmelzen.
Wir wissen es und könnten noch (!!!) gegensteuern.
Man kann den Klimawandel belächeln, ignorieren oder etwas dagegen tun.
Jeder hat die Wahl. Alle tragen die Folgen.

01.10.2018 14:32 Norbert NRW 23

@15 einer meiner Cousins ist bei den sog. Aktivisten dabei. Der hält seine "Knochen" nicht aus Umweltgründen dahin sondern aus ideologischen. Das ist ein Reisender Berufsdemonstrant der nichts anders zu tun hat als gegen alles zu sein was für Ihn das System ausmacht. Der ist Heute im Hambacher Forst und Morgen beim G20 Treffen und Übermorgen demonstriert er gegen Irgendwas...
Und mein Eindruck ist das seine Kumpane nicht anders sind.

01.10.2018 12:26 ein schon länger in Deutschland lebender 22

@ergänzende Infos 17

"Es wäre gut auch zum Klimawandel tiefer zu recherchieren, denn darum geht es."

da gebe ich ihnen recht, wir hatten gerade eine kleine Eiszeit und jetzt ist wieder mal Erderwärmung dran.

die frage ist ja nicht wieviel Tonnen co2 wir erzeugen, sondern wieviel Prozent zur natürlichen Erwärmung wir beitragen.

01.10.2018 11:23 Locke 21

Die verlogenen "GÜNEN"!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Die Abholzung des Hambacher Waldes haben die Grünen 2016 mitbeschlossen, aber davon wollen diese Personen heute nichts mehr wissen oder höhren.

01.10.2018 09:28 Norbert NRW 20

@17 von Mehrheit habe ich nicht geschrieben die Leute die ich dort vor 14 Tagen getroffen habe waren zur Hälfte schlicht keine Ein oder Anwohner sondern Belgier / Holländer / teilweise englische Aktivisten. Also mal locker bleiben so simpel auf einen Nenner zu bringen ist ihr Konzept nicht wirklich. Für mich ist es zumindest heuchlerisch wenn RG das vor Jahren bewilligt hat das die Grünen da jetzt einen Riesenzampano abziehen.

01.10.2018 09:20 Norbert NRW 19

@11 Was haben Sie denn für ein Problem ? ich habe mich noch nie angemaßt irgend jemanden aus dem Osten zu belehren. Eher im Gegenteil, da verwechseln Sie wohl jemanden. Entfernen Sie ihre Grenze im Kopf, ich habe da kein Problem mit sondern war immer der Meinung im Gegensatz zu vielen anderen im Westen, das ein Volk zusammengehört. Zumal was hat das mit dem Thema zu tun oder wissen Sie da besser Bescheid ??