OLG München Prozess gegen IS-Heimkehrerin gestartet

Erstmals in Deutschland muss sich eine IS-Rückkehrerin wegen Mitgliedschaft in einer ausländischen Terrorvereinigung und Kriegsverbrechen verantworten. Jennifer W. wird unter anderem Kindstötung vorgeworfen.

Die Angeklagte hält sich beim Betreten des Gerichtssaals einen roten Aktendeckel vor ihr Gesicht.
Prozess um IS-Mitgliedschaft und Kindstötung. Die Angeklagte verbirgt beim Betreten des Gerichtssaals mit einem Aktendeckel ihr Gesicht. Bildrechte: dpa

Vor dem Oberlandesgericht München hat der Prozess gegen eine deutsche Anhängerin der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) begonnen. Jennifer W. ist die erste Rückkehrerin aus der einst vom IS kontrollierten Region im Irak, die sich vor Gericht verantworten muss. Laut Anklage ließ sie ein fünfjähriges Mädchen verdursten, das sie mit ihrem Mann als Sklavin hielt.

Jesidisches Kind gequält

Jennifer W. soll tatenlos zugesehen haben, als das Kind qualvoll starb. Laut Anklage war die Fünfjährige krank und hatte ins Bett gemacht. Zur Strafe wurde sie bei großer Hitze unter offener Sonne angekettet. Mord durch Unterlassen wirft die Anklage ihr vor sowie Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung im Ausland - und Kriegsverbrechen.

Das kleine Mädchen gehörte der vom IS verfolgten Religionsgemeinschaft der Jesiden an. Es soll aus einer Gruppe jesidischer Kriegsgefangener als Sklavin gekauft worden sein. Die Angeklagte äußerte sich zum Prozessauftakt nicht zu den Vorwürfen.

2016 in der Türkei gefasst

W. soll Deutschland 2014 verlassen haben, um sich im Irak der IS-Miliz anzuschließen. Sie wurde 2016 in der Türkei festgenommen, als sie in der deutschen Botschaft ihre Ausweispapiere verlängern lassen wollte. Die Türkei schob sie nach Deutschland ab. Die zuletzt im niedersächsischen Vechta lebende 27-Jährige konnte erst Mitte 2018 aufgrund gesammelter Beweise festgenommen werden.

Die Anklage stützte sich zunächst auf Aussagen der Angeklagten selbst. Sie soll einem verdeckten Ermittler in einem verwanzten Auto von der Tat berichtet haben. Der Versuch, erneut in den Irak auszureisen, endete in Bayern. Dort wurde die Angeklagte festgenommen. Sie ist selbst Mutter einer kleinen Tochter, die bei der Großmutter lebt.

Jesiden werfen IS Völkermord vor

Nach Angaben der Organisation Yazda, die sich für die Interessen der religiösen Minderheit der Jesiden einsetzt, ist es die weltweit erste Anklage wegen internationaler Straftaten von IS-Mitgliedern gegen Jesiden. Die Vereinten Nationen prüfen derzeit, ob die Massaker an den Jesiden einen Völkermord darstellen.

In einer zum Prozessauftakt veröffentlichten Erklärung nannte Friedensnobelpreisträgerin Nadia Murad, selbst Überlebende von Versklavung und Folter durch den IS, den Prozess "als wichtiges Verfahren für alle jesidischen Überlebenden." Die Überlebenden warteten darauf, dass die Täter für ihre Taten gegen die Jesiden, insbesondere gegen Frauen und Kinder, verfolgt und vor Gericht gestellt würden.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 09. April 2019 | 11:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. April 2019, 10:54 Uhr

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51 Kommentare

11.04.2019 14:10 Querdenker 51

siehe „deutschlandfunk Der Islamische Staat ist das legitime Kind von Mohammed“

Zitat: „Der Islam sei nicht zu retten und nicht reformierbar, denn „Gottes Wort kann man nicht reformieren“, sagte Hamed Abdel-Samad im DLF.“

Zitat: „Der IS ist für mich das legitime Kind von Mohammed und seiner ersten Gemeinde.“

Zitat: „Die Vergewaltigung von Frauen, die als Kriegsgefangene, als Kriegsbeute für Muslime galten – das hat Mohammed sogar auch im Koran verankert.“

Die Islamisten wollen zurück zum Ursprung vom Islam, zurück ins 7. Jahrhundert zu Mohammed. Die Versklavung von „Ungläubigen“ war damals Alltag.

11.04.2019 10:53 der_Silvio 50

@48 Mediator; "Einspruch! Zunächst einmal wird lediglich behauptet, dass die Frau diese Taten begangen hat. Ob dem so ist wird aktuell vor Gericht geklärt."

Einspruch! Es wird nicht behauptet, die Frau hat das, lt. Artikel, selbst gesagt: "Die Anklage stützte sich zunächst auf Aussagen der Angeklagten selbst. Sie soll einem verdeckten Ermittler in einem verwanzten Auto von der Tat berichtet haben."
(Quelle: MDR-Artikel siehe oben)
Aber jetzt werden sie ganz sicher ein Argument aus dem Hut zaubern, welches die Angeklagte als traumatisiertes Opfer darstellt...

11.04.2019 08:10 Bernd L. 49

Mediator 42:
"Ginge es da wirklich um Religion?"
Die IS-Mörder und die isl. Terroristen, die seit Jahren jeden Monat (!) etwa 1000 Menschen ermorden, sagen, dass es ihnen úm den Islam geht.
So, so, Sie meinen also, die lügen oder meinen das nicht so.

11.04.2019 00:31 Mediator an Norbert NRW(44) 48

Einspruch! Zunächst einmal wird lediglich behauptet, dass die Frau diese Taten begangen hat. Ob dem so ist wird aktuell vor Gericht geklärt.

Der Rest ist entgegen ihrer Behauptung nicht unwichtig. Menschenwürde ist etwas universelles. Wenn sie diese der Angeklagten nicht zugestehen, dann können sie direkt beim IS oder wenn ihnen das lieber ist bei einer rechten Terrororganisation anheuern.

Wer in Deutschland vor Gericht steht hat ein Recht auf Verteidigung, seine Schuld muss ihm nachgewiesen werden und es gibt keine Todesstrafe, verschimmeln lassen im Kerker oder Auspeitschungen. Wenn sie dies nicht akzeptieren können, dann stellen sie sich außerhalb unserer Rechtsordnung. So was lernt man schon bei der Sendung mit der Maus und jeder Erwachsene sollte dies umso mehr wissen.

10.04.2019 22:55 Ralf112 47

@20 Lilly: "Angefangen mit "Gefährdern", Leibwächtern, Piraten, ...
jetzt die Heimkehrer, was kommt als nächstes?
Was mutet uns diese Regierung noch zu?"

Wirklich erschreckend, was uns diese Regierung zumutet. Deutsche Verbrecher werden nach Deutschland geholt, um die vor ein deutsches Gericht zu stellen. Also ehrlich, was für eine Zumutung.

10.04.2019 22:22 der_Silvio 46

@43 Mediator; "@gerd(40): Wer verharmlost denn die Verbrechen, die der IS in Syrien oder dem Irak begangen hat? Ich bitte doch um Belege"
Dann schauen Sie sich ihren Kommentar #28 an. Dort bezeichnen sie diese grausame Tat als 'Mißbrauch'!

10.04.2019 22:04 Norbert NRW 45

@43 im übrigen geht es sich nicht um die Definition des "friedlichen Islam" oder um Ihr Ego, sondern um einen feigen widerlichen Mord an einem Kind das sich in keiner Weise wehren konnte. Aber das scheint in ihrer Wahrnehmung keine Rolle zu spielen. Arische Super Rasse ja nee iss klar...oh Mann.

10.04.2019 21:37 Norbert NRW 44

Tja Mediator im Verdrehen und ablenken sind Sie ne ganz grosse Nummer. Wie kommt man nur auf so eine Schwurbelei ? Diese Frau hat ein Kind auf dem Gewissen und das ist die unterste Stufe, der Rest ist schlicht unwichtig. Für mich ist da jede Diskussion um Menschenwürde der Täterin vertane Zeit.

10.04.2019 21:04 Mediator 43

@gerd(40): Wer verharmlost denn die Verbrechen, die der IS in Syrien oder dem Irak begangen hat? Ich bitte doch um Belege, wenn sie andeuten ich tue so etwas!
Ansonsten ist es üblich, dass extremistische Ideologien sich auf ein angeblich höhere Werte berufen um ihre Anhänger besoffen zu machen. Religion, die Nation oder die Zugehörigkeit zu irgendeiner arischen Superrasse sind da gängige Narrative. Nur weil Neonazis sich auf Deutschland berufen wird Deutschland nicht schlecht deswegen und genauso verhält es sich mit dem Islam, auf den sich Islamisten berufen. Sie kennen hoffentlich schon den Unterschied zwischen Islam und Islamismus.

@der_Silvio(39): Wundert es sie, dass in Ländern in denen Unterdrückung, Armut und Bürgerkrieg herrscht Extremisten mehr Zulauf haben als dort wo Wohlstand, Frieden und Rechtssicherheit herrscht? Wie viele Menschen sind trotzdem im Nordirlandkonflikt gestorben? Ging es da wirklich um Religion?

10.04.2019 20:37 gerd 42

36@ Ach sie sind wirklich der Meinung das das Köpfeabschneiden und gleichzeitige Anrufen des Propheten NICHTS mit religösen Einstellungen zu tun hatt und der Unterschied zwischen Mord und Totschlag in Kolumbien und Mexiko und Syrien und Irak ist eben das bei einem es kriminelle Hintergründe gibt und bei dem anderen Religiöse aber das übersteigt wohl ihren Horizont und wie wollen sie das zerstören der Weltkultur wie in Palmyra begründen ,auch mit Kriminalität? Es wird immer abstruser.