Der Schriftzug am Greenpeace-Sitz in Hamburg
Greenpeace plädiert für eine Abschaltung der Kohlekraftwerke. Bildrechte: IMAGO

Reaktion auf Klimabericht Umweltverbände fordern Ende der Kohle

Entwicklungs- und Umweltorganisationen sehen in dem jüngsten Bericht des Weltklimarats ein Alarmsignal. Greenpeace und Co. fordern, auf Kohlekraftwerke zu verzichten. Auch Bundesumweltministerin Schulze sieht Handlungsbedarf.

Der Schriftzug am Greenpeace-Sitz in Hamburg
Greenpeace plädiert für eine Abschaltung der Kohlekraftwerke. Bildrechte: IMAGO

Greenpeace sieht in dem Sonderbericht des Weltklimarats einen klaren politischen Auftrag für die Bundesregierung. Experte Benjamin Stephan sagte, es gebe keine Entschuldigung für ein reiches Industrieland wie Deutschland, seine CO2-Bilanz weiterhin mit alten und schmutzigen Kohlekraftwerken zu ruinieren.

Stephan verwies auf die drastischen Folgen der Erderwärmung. Sie seien in Deutschland noch nie so spürbar gewesen wie in diesem Dürresommer. Noch könne man verhindern, dass solche Dürren häufiger würden, dass stärkere Stürme und zerstörerische Überschwemmungen kämen.

Misereor: Auf Kohle und Fleisch verzichten

Eine Verkäuferin greift in die Fleischtheke eines Supermarktes
Misereor: Der Fleischkonsum sollte verringert werden. Bildrechte: dpa

Auch andere Organisationen drängen auf mehr Klimaschutz. Die katholische Hilfsorganisation Misereor erklärte, die Weltgemeinschaft stehe an einem Scheideweg.

Hauptgeschäftsführer Pirmin Spiegel sagte, wenn in den nächsten Jahren keine tiefgreifende Umkehr gelinge, drohe Millionen Menschen durch den Klimawandel der Verlust ihrer Heimat oder ihrer Lebensgrundlagen. Wichtig sei nun, auf fossile Brennstoffe zu verzichten und den Fleischkonsum zu verringern.

Neue Klimapolitik gefordert

Brot für die Welt und Germanwatch erklärten, die Ergebnisse des Weltklimarats zeigten, dass ab einer Erwärmung über 1,5 Grad die Risiken und volkswirtschaftlichen Kosten des Klimawandels massiv steigen würden. Die gute Nachricht sei aber, dass die Begrenzung der Erwärmung auf dieses Limit bei zügigem und entschiedenem Handeln machbar sei.

Der Leiter Klimaschutz und Energiepolitik beim WWF Deutschland, Michael Schäfer, sieht die Bundesregierung am Zug. Sie müsse "endlich wieder naturwissenschaftliche Realitäten statt Mutlosigkeit zur Richtschnur ihrer Klimapolitik" machen.

Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter rief die Bundesregierung auf, schnellstmöglich die Stromerzeugung aus Kohle zu beenden. Hofreiter sagte, es gebe bereits Hitzesommer, Extremwetter und Ernteausfälle. Alle Alarmzeichen stünden auf Rot.

Umweltministerin für Abschied von Öl und Co.

Auch Bundesumweltministerin Svenja Schulze betonte: "Wir dürfen beim Klimaschutz keine Zeit mehr verlieren". Das sei die Kernbotschaft des Berichts. Die SPD-Politikerin sagte in Berlin, die nächsten Jahre seien entscheidend, "damit unser Planet nicht aus dem Gleichgewicht gerät". Man müsse den Abschied von Kohle, Öl und Gas hinbekommen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 08. Oktober 2018 | 10:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. Oktober 2018, 15:44 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

18 Kommentare

10.10.2018 15:46 rentner 18

eines ist ja sonderbar,bei dem moorbrand,welcher durch versuche der bw verursacht wurde hört man die grünen nicht--warum nicht.?
begreifen die grünen das überhaupt--die ganze welt muß mit an vernünftigen klimazielen arbeiten.aber wie soll das fr. göhring eckardt oder roth bei dem bildungsstand begreifen.

09.10.2018 18:36 Bernd L. 17

In China werden dezeit 308 NEUE Kohlekraftwerke gebaut, weiterhin sind über 800 in der Planung, insgesamt werden dort über 1000 NEUE Kohlekraftwerke entstehen. Laut UN (und einem Spiegelartikel) wird die Weltbevölkerung bis 2100 auf 11,5 Milliarden anwachsen- die von Afrkia wird sich vervierfachen. Das sind die Stellschrauben für den Anteil des Menschen am Klimawandel.
Ob Deutschland aus der Kohle aussteigt oder nicht, ob es die CO2-Emissionen bei Autos senkt oder nicht- es ist absolut irrelevant. Wenn Grüne rechnen könnten mit großen Zahlen und vielen Nullen, würden sie das selbst bemerken.

09.10.2018 15:11 Wo geht es hin? 16

@Lilly - Zitat von Ihnen: "ich mahne das Ende des Benzinmotors an. Es sollte zumindest Sonntagsfahrverbote für Benziner verhängt werden." Zitat Ende. Nur noch ein klein wenig Geduld - die Antonia und der Resch schrauben doch schon kräftig daran, Ihren Wunsch sogar für die ganze Woche zu erfüllen - ach was sag ich: für immer! PS: Sie fahren sicher IMMER mit dem Fahrrad in den Urlaub? Oder bevorzugen Sie die Pferdekutsche? Zur Not macht`s auch ein Eselskarren...

09.10.2018 15:01 H.E. 15

Und warum wird nicht über das weltweite exponentielle Wachstum der Bevölkerung gesprochen, für mich und viele andere ist das die größte Klimabedrohung.
Die 80 Millionen in Deutschland Lebenden sind ungefähr 1 % der Weltbevölkerung. Und selbst eine Halbierung des CO2-Ausstoßes in Deutschland (z.Zt. sind es bei uns ca. 2 %) wäre sehr klein gegenüber der Erhöhung durch die Bevölkerungszunahme.
Die Argumentation mit dem Dieselfahrverbot etc. lenkt doch nur ab von den wirklichen Problemen und D meint noch, damit das Weltklima retten zu können.

09.10.2018 12:17 Ludwig 14

@13 Jochen
... ja, und auch alle Fracht- und Containerschiffe, alle Öltanker, alle Diesellokomotiven - stilllegen!
Aber halt, da wäre es ja vorbei mit der Billigproduktion der multinationalen Konzerne in Fernost, vorbei mit den Rohstoffen aus Afrika, vorbei mit Fleisch aus Südamerika, und und und ...
Dann lieber doch dem bösen, egoistischen Konsumenten in Europa das Autofahren mit Schummeldieseln verbieten. Das lenkt so herrlich ab von den wahren Ursachen. Soll der Michel in deutschen Großstädten doch E-Auto bzw. E-Bike fahren, dann können die Menschen in der Dritten Welt für die nächsten 20 Jahre dort unsere alten Diesel weiter kutschieren. Oder glaubt wirklich jemand, die würden nach Umtausch in D verschrottet?

09.10.2018 11:05 jochen 13

Sogenannte Umweltverbände waren es, die unsere Dieselfahrzeuge in Verruf gebracht haben.
Die Folgen der Aktion sind jedem bekannt. Weshalb schreiben die UWF nicht über den Abgasausstoß von LKW, von Flugzeugen und Kreuzfahrtschiffen, die bekanntlich nur mit Schweröl betrieben werden ?
Das nämlich erzeugt mehr Schadstoffe als alle Diesel PKW abgeben können.

09.10.2018 10:54 Fragender Rentner 12

@Paule zu 5

Ist auch eine Idee.

Mein Vater hatte Früher gesagt, wenn man die Handflächen gegeneinander reibt, ergiebt auch Wärme und auch Dreckkrebbele. :-)))

09.10.2018 10:49 Fragender Rentner 11

Wie könnte man den Stromverbrauch wohl senken?

Vielleicht mit noch mehr E-Autos an den Schnellladestationen in Deutschland?

09.10.2018 08:27 Ludwig 10

Kohleausstieg! Kernkraft-Ausstieg! Öl- und Gas-Ausstieg! Diesel verbieten! Benziner verbieten! Kaminöfen verbieten!
Windräder ? Nicht vor meiner Haustür! Stromtrassen? Nicht durch unsere Gemeinde! Fleisch? Zucker? Kann weg!
Grün? Nicht mit mir! Kann weg.

09.10.2018 07:10 Wolfgang Nawalny 9

Atomkraftwerke abschalten, Kohlekraftwerke abschalten, Kohleförderung einstellen, Atomstrom und Kohlestrom importieren aus Ländern die uns nicht mehr ganz so angetan sind, Erdgas importieren aus dem bösen Russland, Ölimporte sowieso, Diesel abschaffen doch am besten gleich die Ottoantriebe abschaffen, Energiepreise verdreifachen - Deutschland wir schaffen das ...
... oder doch Deutschland schafft sich ab?

Lachende Dritte sind andere und sitzen schon in den Startlöchern.