Blick auf den Gletschersee Jökulsarlon - im Hintergrund Berge mit Gleschern.
Geteiltes Echo auf UN-Klimakonferenz in Kattowitz. Bildrechte: imago/blickwinkel

Klima-Gipfel in Kattowitz Viel Lob, viel Enttäuschung

Die Reaktionen auf den Klimagipfel in Kattowitz gehen weit auseinander. Während die Union von einer "Erfolgsgeschichte" spricht, sehen die Grünen "kaum einen Fortschritt für den Klimaschutz". Kritik kommt von Forschern. Umweltverbände zeigten sich enttäuscht.

Blick auf den Gletschersee Jökulsarlon - im Hintergrund Berge mit Gleschern.
Geteiltes Echo auf UN-Klimakonferenz in Kattowitz. Bildrechte: imago/blickwinkel

Die Union-Bundestagsfraktion hat erfreut auf die Beschlüsse der Weltklimakonferenz im polnischen Kattowitz reagiert. Bei dem Gipfel "konnte die Erfolgsgeschichte von Paris fortgeschrieben werden", twitterte die Umwelt-Beauftragte der Fraktion, Anja Weisgerber. Es sei gelungen, ein Regelbuch zu verabschieden, das die Klimaschutzbeiträge vergleichbar mache.

Auch Frank Sitta, der stellvertretende Vorsitzende der FDP-Fraktion im Bundestag, begrüßte das Ergebnis von Kattowitz. Der Verhandlungsmarathon habe sich gelohnt, weil das Vertrauen zwischen den Staaten gestärkt wurde, sagte Sitta. Lob kam zudem vom Deutschen Industrie-und Handelskammertag. Dessen Präsident Erik Schweitzer sagte, man habe sich auf solide und faire Regeln geeinigt. Auch Schwellenländer würden nun stärker in die Pflicht genommen.

Grüne: Keine Tonne CO2 wird eingespart

Dagegen reagierten Grünen-Politiker und Umweltverbände enttäuscht. Für Oliver Krischer, Vize-Fraktionschef der Grünen im Bundestag, ist das in Kattowitz verabschiedete Regelbuch "kaum ein Fortschritt für den Klimaschutz selbst". Er sagte MDR AKTUELL, damit werde keine Tonne CO2 eingespart. Die Grünen-Chefin Annalena Baerbock fügte hinzu, die Bundesregierung habe in Kattowitz eigene Versäumnisse eingestehen müssen. Sie forderte mehr Mut beim Kohleausstieg und ein Zieldatum, ab wann nur noch emmissionsfreie Autos zugelassen werden dürfen.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace kritisierte, die Beschlüsse des Gipfels reichten nicht aus. Ganzen Nationen drohe das Versinken im Meer, sagte Greenpeace-Chefin Jennifer Morgan. "Ein Jahr voller Klima-Katastrophen und eindringliche Warnungen der besten Wissenschaftler weltweit hätten zu viel mehr führen sollen." Auch der WWF nannte die Fortschritte unzureichend. Sie führten nicht dazu, Mensch und Natur vor einem Klimakollaps zu bewahren.

Klima-Ökonom Edenhofer: Kleinster gemeinsamer Nenner

Der Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, Ottmar Edenhofer, reagierte mit gemischten Gefühlen auf die Kattowitzer Ergebnisse. Einerseits würdigte er sie als einen "Sieg der globalen Zusammenarbeit unter extrem schwierigen Bedingungen". Andererseits sei das gebilligte Regelwerk nur "eine Vereinbarung des kleinsten gemeinsamen Nenners". Die Staaten in Kattowitz hätten sich nicht dazu durchringen können, ihren Ausstoß von Treibhausgasen stärker zu vermindern. Das müssten sie aber tun, wenn sie die Menschen vor den Klimarisiken wirklich schützen wollen.

Die 190 Teilnehmer-Staaten der UN-Klimakonferenz in Kattowitz hatten am Samstagabend ein Regelbuch zur Umsetzung des Pariser Klimaabkommens beschlossen. Kernstück der Vereinbarung sind Transparenzregeln und Standards zur Erfassung von CO2. Sie sollen ab 2024 gelten und dafür sorgen, dass die Klimaschutz-Anstrengungen der Staaten miteinander vergleichbar sind. Arme Länder erhalten allerdings Zeit, um die technischen Voraussetzungen dafür zu schaffen. Vorgesehen ist zudem, dass die Industriestaaten alle zwei Jahre einen Bericht über ihre künftigen Finanzhilfen für die armen Länder abgeben müssen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 16. Dezember 2018 | 16:09 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. Dezember 2018, 21:42 Uhr

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11 Kommentare

18.12.2018 15:30 Fragender Rentner 11

Nun hat auch Brüssel ein neues Gesetz eingebracht, wo bei den Autos der Ausstoß um 31% bis 37% gesenkt werden soll.

Stand soll aber der "Ausstoßwert von 2021" sein !!! :-(((

Also kann die Autoindustrie bis dahin noch mehr in die Luft von den so "sauberen Abgasen" blasen um es dann zu beschrenken ??? :-(((

Wohl noch größere Autos bauen als jetzt, mit noch mehr ausstoß von Abgasen ???

Tragen die nun in Brüssel auch schon das Licht in Säcken in ihre Sitzungsäle ??? :-(((

17.12.2018 20:39 Hossa 10

Auf wieviel Flugkilometer kommen die Kongressteilnehmer,um in Kattowitz bei dieser gigantischen Showveranstaltung dabei zu sein?
Viel heiße Luft wurde produziert und sonst nichts.

17.12.2018 16:20 Fragender Rentner 9

Wir müssen auch immer größer Autos fahren, die bestimmt auch viel zu dem Ausstoß beitragen.

Bei machen Autos braucht man schon eine Treppe, so hoch sind sie gebaut und die Parkplätze werden auch nicht breiter angelegt.

So brauchen so einige schon fast 1 1/2 Parkplätze !!! :-(((

Die sind ja fast so groß wie früher eine Wohnung. :-)))

Dann wird uns eingeredet wir wollen es so !!!

Falsch, die stellen immer größere Buden her !!!

16.12.2018 21:35 Kritischer Bürger 8

@Peter 6:+...Zum Glück hat die Mehrheit der Deutschen eine grundsätzlich andere Meinung....+
Und die Mehrheit der Menschen auf dieser Erde? WIE SIEHT ES DA AUS? Die Reichen bestimmen, die Armen müssen befolgen und die ganz Armen ohne Schulbildung und so weiter sind in vielen Regionen der Welt zwar sicher eine Mehrheit doch ohne Rechte etwas ändern zu können. Das Verhindern einer Klimakatastrophe muss doch ein GESAMTWERK der Menschen sein und seit Paris sind wie viele Jahre schon vergangen? In 20 Jahren bei Einhaltung der 2 Grad Temperatursteigerung kommt dieser Planet auf gute heute ggf. 30°C in 20 Jahren (2 x 20 Jahre = 40°C + 30°C) auf 70°C. Wer will das verhindern? Wird niemand!

16.12.2018 21:14 H.E. 7

Und vorhin kam bei einer Reportage , daß die Türkei zu den Ländern gehören wolle die wirklich sehr arm sind und dringend finanzielle Unterstützung benötigen, gerade auch in Umweltfragen. Daß sich die Türkei nicht schämt. In meinen Augen heißt das "GELD ABGREIFEN BEI JEDER SICH BIETENDEN GELEGENHEIT".

16.12.2018 20:16 Peter 6

@1 REXt: Die AfD forderte im Wahlprogramm 2017, das Pariser Klimaabkommen zu kündigen und allen staatlichen sowie privaten Klimaschutzorganisationen die Unterstützung zu entziehen.
Tja, das ist die Einstellung der Alternativen.
Bar jeder Realität.
Zum Glück hat die Mehrheit der Deutschen eine grundsätzlich andere Meinung.

16.12.2018 20:12 Kritischer Bürger 5

Kehren die Länder wieder zurück ins Mittelalter,dann werden mehr als nur 1 T = CO2 (selbst auch Stickoxide usw.) eingespart! Die Lebensbedingungen der Menschen aus unserer Zeit! Wirtschaft und Wettbewerb sind doch mit ihren Anforderungen an Handel, Umsatz und Geldgewinne mit daran schuld das NICHT AUSREICHEND in Umweltschutz aus deren Kassen=Einnahmen investiert wird, sondern nur in die eigene Geldbörsen.
Vllt. sollte man auch als Forscher andere Möglichkeiten mit in Erwägung ziehen,bezogen auf die steigenden Temperaturen!
Vor Mrd. von Jahren entwickelte sich die Erde als Planet, die weitere Geschichte der Entwicklung, des Lebens, was sich auf diesen Planeten zuträgt,zu dem machte was er heute ist,sollte jeder Bürger kennen und nun könnte man diese Geschichte für die Zukunft fortschreiben! Alles hat einen Anfang und ein Ende!! Merkur und Venus gingen uns voraus und Mars wird der Erde folgen.

16.12.2018 19:58 Uwe 4

Irgendwann werden die die den Klimaschützern glauben aufwachen und merken das der Klimawandel natürliche Ursachen hat, denen die sich wegen "menschengemachtem Klimawandel" treffen das ganz genau bekannt war und es eigentlich um nichts anderes geht und ging als darum "Märkte" zu schaffen welche kein Mensch braucht und nur dazu dienen Reiche auf Kosten den blöden reicher zu machen.

16.12.2018 19:56 nasowasaberauch 3

In Paris wurde beschlossen, es muss etwas passieren. In Kattowitz wurde beschlossen wie es passieren soll, in Chile wird dann beschlossen wann es umgesetzt wird. Ich bin begeistert von soviel Freude über nichts. Es war schon immer klar, dass Schwellenländer oder armen Länder andere Schwerpunkte setzen, wenn es um ihre wirtschaftliche Entwicklung geht. Der Streit um die Bewertung von Maßnahmen zur CO2 Reduktion ist vertagt, mehr nicht. Wenn ich dann noch lese, dass reiche Länder wie Bahrein oder China sich aus dem für arme Länder gegründeten Fonds zur Klimarettung bedienen, dann ist mir bei soviel Egoismus klar, wir werden die 2° -Grenze reißen.

16.12.2018 19:36 NRW-18 2

Man hätte große Mengen CO2 und Abgase einsparen können. wenn dieser Klimagipfel gar nicht stattgefunden hätte.
Ich glaube nämlich nicht, dass die Teilnehmer aller Länder zu Fuß oder mit dem Fahrrad nach Polen kamen.
Diese Klimagipfel sind aus meiner Sicht Wirtschaftsförderungprogramme.
Des Weiteren glaube ich, dass nur das Abholzen von Regenwäldern und die Wettermanipulation, wie und von wem auch immer, einen Einfluss auf das Klima haben könnten, aber keinesfalls der normale Bürger, dem man das Geld aus der Tasche ziehen will.