Anja Karliczek
Bildungsministerin Anja Karliczek hat hohe Ansprüche an das deutsche Bildungssystem. Bildrechte: dpa

Bildung Besorgnis über Ergebnis der Pisa-Studie

Bundesbildungsministerin Karliczek zeigt sich besorgt über die Ergebnisse der neuen Pisa-Studie - und sie ist nicht die einzige: Gewerkschaften und Verbände fordern eine gesamtdeutsche Bildungsstrategie.

Anja Karliczek
Bildungsministerin Anja Karliczek hat hohe Ansprüche an das deutsche Bildungssystem. Bildrechte: dpa

Das schwache Abschneiden deutscher Schüler in der neuen internationalen Pisa-Studie hat in Politik und Wirtschaft Sorgen ausgelöst. Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) sagte MDR AKTUELL, nötig sei eine Aufbruchsstimmung wie nach dem Pisa-Schock vor 18 Jahren. Mit den neuen Ergebnissen der Pisa-Studie könne Deutschland nicht zufrieden sein.

Deutschland sei zwar oberhalb des OECD-Durchschnitts, sagte die Ministerin weiter. Das Mittelfeld sei aber nicht der Anspruch. Deutschland müsse an die Spitze, um in den nächsten Jahren die Innovationskraft zu halten. Karliczek
forderte eine "nationale Kraftanstrengung", damit Deutschland mit den mittlerweile weit enteilten führenden Ländern mithalten könne.

"Durchschnitt reicht nicht"

Der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Industrie- und Handelskammertages, Achim Dercks, sagte, Deutschland dürfe sich nicht mit durchschnittlichen Ergebnissen zufrieden geben. Beim Start ins Berufsleben seien gute Kenntnisse in Naturwissenschaften, in Mathematik und im Lesen gefragt. Ebenso wichtig seien Eigenschaften, die in der Pisa-Studie nicht abgefragt würden - wie Leistungsbereitschaft, Disziplin und Belastbarkeit.

DGB fordert gemeinsame Bildungsstrategie

Die stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB), Elke Hannack, forderte eine gemeinsame Bildungsstrategie von Bund, Ländern, Kommunen und Sozialpartnern.

Der Hightechbranchenverband Bitkom forderte mehr Kompetenzen des Bundes in der Bildungspolitik. Dieser müsse bundesweit gültige Mindeststandards vorgeben können, erklärte Bitkom-Präsident Achim Berg. "Bislang vergehen Jahrzehnte, bevor bildungspolitische Reformen greifen."

Digitaler Unterricht in der Regelschule Warza (Staatliche Regelschule "Nessetalschule" Warza.) 45 min
Digitaler Unterricht in der Regelschule Warza (Staatliche Regelschule "Nessetalschule" Warza.) Bildrechte: MDR/Cine Impuls Leipzig

"Anspruch muss größer sein"

Die Leiterin des deutschen Teils der Pisa-Studie, Kristina Reiss, sagte, Deutschlands Anspruch müsse "einfach größer sein, als ein bisschen über dem OECD-Durchschnitt zu liegen". Reiss zeigte sich besonders besorgt darüber, dass etwa ein Fünftel der 15-Jährigen nur schlecht lesen kann. Dazu komme, dass die Freude am Lesen abgenommen habe.

Es ist doch traurig zu sehen, dass die Jugendlichen inzwischen lesen, um Informationen zu bekommen, weniger aus Freude am Lesen", sagte Reiss. Sie forderte als Konsequenz aus den Ergebnissen mehr individuelle Förderung.

Nationaler Bildungsrat de facto gescheitert

Mädchen mit Mathebuch
Schulische Leistungen sind in Deutschland oft von der sozialen Herkunft abhängig. Bildrechte: imago images / PicturePoint

Die von den Forschern der OECD festgestellte abflachende oder zunehmend negative Entwicklung könne "nicht unser Anspruch sein", sagte Karliczek. Zu den nun nötigen Konsequenzen sagte sie, es brauche "eine nationale Kraftanstrengung für bessere Bildung".

Ein von der Bundesregierung geplanter nationaler Bildungsrat war kürzlich de facto gescheitert, weil Bayern und Baden-Württemberg ausstiegen. Karliczek sagte, die Bundesregierung bleibe bei ihrem Angebot an die Bundesländer zur verstärkten Zusammenarbeit. "Jetzt müssen sich die Länder überlegen, was sie wollen."

Platz 20 von 77

In der neuen Pisa-Studie haben deutsche Schüler etwas schlechter abgeschnitten als beim letzten Test. So verschlechterten sich die Resultate in den drei untersuchten Kompetenzfeldern Lesekompetenz, Mathematik und Naturwissenschaften. Die Leseleistungen der deutschen Schüler sanken nach Verbesserungen in den vorherigen Pisa-Tests wieder auf das Niveau von 2009. Insgesamt landete Deutschland auf Platz 20 von 77 Ländern und Volkswirtschaften.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 03. Dezember 2019 | 14:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 03. Dezember 2019, 14:41 Uhr

62 Kommentare

Chemnitzer vor 2 Tagen

Kinder sollten viel mehr toben. Wir haben das früher auch gemacht. Wer nass wurde, da hängte unsere Lehrerin die nassen Sachen an den vom Hausmeister beheizten Ofen. Meine Schulkameradin musste zur Schule über die Landstrasse fahren und kam wirklich manchmal pitschnass an. Heute gäbe es Aufschreie der Eltern, damals war es normal. Schulbusse gab es nicht, ging auch.

Sachse vor 2 Tagen

@ralf meier: Wir können ElBuffo nicht helfen, ein Fall von absoluter Hoffnungslosigkeit. Wobei ich im Moment wirklich nicht weiß, ob es heute in D noch Einschulungstests gibt, bei denen in der Muttersprache D Gespräche mit den Vorschulkindern zwecks Einschulungsempfehlung gibt. Ich kann mich noch gut erinnern, dass es da früher schon mal vorkam, dass eine Einschulung um ein Jahr verschoben wurde, zum Nutzen des Kindes.

Sachse vor 2 Tagen

@ElBuffo: Nationale Kraftanstrengung=Nazisprech. Mann oh Mann, Sie greifen den Ergebnissen der nächste Pisa-Studien voraus. Passen Sie gut auf sich auf und wenn es bei Ihnen an der Haustür klingelt, Vorsicht, mit sehr großer Wahrscheinlichkeit steht ein Nazi vor der Tür.