Martin Sichert, AfD-Landesvorsitzender in Bayern (l-r), Natascha Kohnen, Spitzenkandidatin der SPD, ZDF-Journalist Jürgen Bollmann, Katharina Schulze , Spitzenkandidatin von Bündnis 90/Die Grünen, Markus Söder, Ministerpräsident von Bayern, ZDF-Journalistin Bettina Schausten, Hubert Aiwanger, Spitzenkandidat und Partei-Chef der Freien Wähler und Spitzenkandidat der Liberalen für die bayerische Landtagswahl, Martin Hagen bei der ZDF-Runde zur Wahl in Bayern.
Die Spitzenkandidaten der Parteien in der "Elefanten-Runde" nach der Wahl. Bildrechte: dpa

Wortmeldungen Jauchzend und betrübt – Reaktionen zur Bayern-Wahl

Die Ergebnisse der Landtagswahl in Bayern haben die politischen Kräfteverhältnisse im Freistaat verändert. Die CSU büßt ihre absolute Mehrheit ein. Die Grünen sind zweitstärkste Kraft und die SPD hat sich halbiert. Die Reaktionen aus Landes- und Bundespolitik.

Martin Sichert, AfD-Landesvorsitzender in Bayern (l-r), Natascha Kohnen, Spitzenkandidatin der SPD, ZDF-Journalist Jürgen Bollmann, Katharina Schulze , Spitzenkandidatin von Bündnis 90/Die Grünen, Markus Söder, Ministerpräsident von Bayern, ZDF-Journalistin Bettina Schausten, Hubert Aiwanger, Spitzenkandidat und Partei-Chef der Freien Wähler und Spitzenkandidat der Liberalen für die bayerische Landtagswahl, Martin Hagen bei der ZDF-Runde zur Wahl in Bayern.
Die Spitzenkandidaten der Parteien in der "Elefanten-Runde" nach der Wahl. Bildrechte: dpa

"Schmerzhaftes Resultat" für CSU

Bayerns Ministerpräsident und CSU-Spitzenkandidat Markus Söder hat die deutlichen Verluste seiner Partei bei der bayerischen Landtagswahl als schmerzhaftes Resultat bezeichnet: Man nehme das Ergebnis "mit Demut" und werde auch die Lehren ziehen. Dennoch sei die CSU die stärkste Partei geworden und habe einen "klaren Regierungsauftrag" erhalten. Für die anstehenden Koalitionsgespräche bezeichnete Söder ein bürgerliches Bündnis als Priorität. Die Grünen seien inhaltlich zu weit entfernt.

Horst Seehofer
Seehofer schließt Konsequenzen nicht aus. Bildrechte: dpa

CSU-Chef Horst Seehofer forderte von seiner Partei "Geschlossenheit und Kraft", den Wählerauftrag anzunehmen. Konsequenzen aus der Schlappe bei der Landtagswahl schloss er dabei nicht aus. "Es wird in den nächsten Wochen darauf ankommen, dass wir aufarbeiten, woran dieses Ergebnis liegt, und daraus die nötigen Konsequenzen ziehen."

CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer bezeichnete das Wahlergebnis für die CSU als "bitter". Die Streitereien der vergangenen Monate kritisierte sie im Ton als unangemessen. Jetzt gehe es aber darum, die ganze Energie auf die bevorstehende Hessen-Wahl zu konzentrieren. Personaldebatten etwa auf Bundesebene seien da nicht hilfreich.

Grüne zu Regierung bereit

Grünen-Spitzenkandidatin Katharina Schulze sagte, das Landtagswahlergebnis habe Bayern "jetzt schon verändert". Zugleich betonte sie die Bereitschaft ihrer Partei, in einer Regierungskoalition mitzuarbeiten: "Natürlich sind wir bereit, Verantwortung für dieses schöne Land zu übernehmen." Die Grünen hätten sich auf den Weg gemacht, weil Bayern eine Partei brauche, die die Probleme der Menschen löse und nicht ständig neue Probleme produziere.

Der Grünen-Bundesvorsitzende Robert Habeck wertete das erfolgreiche Abschneiden seiner Partei als "Veränderungsauftrag". Die Menschen in Bayern hätten gesagt, dass es so nicht weitergehen solle.

SPD-Kandidatin schließt Rücktritt nicht aus

Natascha Kohnen (2.v.l.), Spitzenkandidatin der SPD für die Landtagswahl, und Dieter Reiter (l, SPD), Oberbürgermeister von München, nach Bekanntgabe der ersten Prognosen im Landtag.
Kohnen: "Das wird kein einfacher Weg." Bildrechte: dpa

Die bayerische SPD-Spitzenkandidatin und Landesvorsitzende Natascha Kohnen schließt nach den herben Verlusten der bayerischen Sozialdemokraten einen Rücktritt nicht aus. Man werde nach der Niederlage über alles reden, sagte Kohnen in München. Die SPD müsse den "tiefen Glauben an die Sozialdemokratie" wieder herstellen und eine ganz klare Haltung zeigen: "Das wird kein einfacher Weg."

SPD-Chefin Andrea Nahles kündigt eine sorgfältige Analyse des schlechten Wahlergebnisses "auf allen Ebenen" an. Die "schlechte Performance" der Großen Koalition sei einer der Gründe für den Absturz ihrer Partei. "Fest steht, es muss sich etwas ändern", sagt Nahles.

Freie-Wähler-Chef: "... dann pack mer's"

Hubert Aiwanger
Aiwanger: "Schwarz-grüne Spielchen verhindern." Bildrechte: dpa

Der Chef der Freien Wähler (FW), Hubert Aiwanger, erklärte sich grundsätzlich zu einem Regierungsbündnis mit der CSU bereit. Unter dem Strich werde es für eine bürgerliche Koalition reichen. Es gehe darum, "schwarz-grüne Spielchen" zu verhindern. Seine Partei werde machbare Vorschläge vorlegen und er sei überzeugt, dass die CSU anbeißen werde. "Ich wär bereit. Wenn er (Söder) 'Ja' sagt, dann pack mer's", sagte Aiwanger im ZDF.

AfD will CSU unter Druck setzen

Der AfD-Bundeschef Alexander Gauland sprach in der ARD von einem "sehr guten Ergebnis". Ein noch besseres Abschneiden seiner Partei hätten die starken Freien Wähler verhindert, die etwa bei der Zuwanderung ähnliche Positionen wie die AfD verträten. AfD-Co-Chef Jörg Meuthen sprach gar von einem "grandiosen Erfolg".

Martin Sichert, Landesvorsitzender der AfD in Bayern, spricht beim politischen Aschermittwoch der AfD.
Sichert: "CSU im Landtag unter Druck setzen." Bildrechte: dpa

Bayerns AfD-Landesvorsitzender Martin Sichert sprach hinsichtlich des Wahlergebnisses seiner Partei von einer "guten Basis für die Arbeit im Parlament". Zugleich kündigte er an, die CSU im Landtag unter Druck setzen zu wollen: "Es wird eine starke bürgerliche Opposition im bayerischen Landtag geben, die der CSU sehr genau auf die Finger guckt und genau darauf achtet, dass das umgesetzt wird, was im Sinne der Bürger ist."

FDP bangte um Einzug ins Parlament

FDP-Spitzenkandidat Martin Hagen hoffte am Wahlabend auf einen Einzug der bayerischen Liberalen ins Parlament. Über mögliche Gespräche mit der CSU zur Bildung einer Regierung könne er erst sprechen, wenn es die endgültigen Zahlen gebe. "Mal schauen, wann das Telefon klingelt", sagte Hagen weit vor Bekanntgabe des vorläufigen Endergebnisses.

FDP-Bundeschef Christian Lindner zeigte sich dennoch erfreut über den wachsenden Zuspruch seiner Partei in Bayern. Bayern sei ein "schwieriges Pflaster" für die FDP.

Linken-Chef Riexinger zufrieden

Bernd Riexinger
Riexinger: "linke in Bayern wachsende Partei." Bildrechte: dpa

Auch der Bundespartei-Chef der Linken, Bernd Riexinger, wertete das Ergebnis seiner Partei bei der Bayern-Wahl als positiv. "Wir haben ein Plus von 1,4 Prozent, wir sind eine der wenigen Parteien, wo die Balken nach oben weisen", sagte Riexinger in der ARD. "Ich finde, das ist für die bayerischen Linken kein Grund, in Sack und Asche zu gehen." Die Linke sei in Bayern eine junge, wachsende Partei.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL FERNSEHEN | 14. Oktober 2018 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. Oktober 2018, 02:08 Uhr

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13 Kommentare

16.10.2018 21:26 Schrumpel 13

Zitat Huber 12 „Wenn Vertreter einer Partei z.B. über ihre politischen Gegner sagen, sie "werden auf ihren Gräbern tanzen", dann ist das nicht nur nicht-demokratisch, sondern auch in hohem Masse menschenverachtend. Und solange solche Äußerungen nicht nur geduldet werden, sondern sogar mit offiziellen Ämtern und Funktionen für eine Partei honoriert und damit eben auch unterstützt werden, macht sich eine Partei diese nicht-demokratischen und menschenverachtenden Aussagen zu eigen.“ Hier gebe ich Ihnen recht. Wie bewerten Sie aber dann die Ankündigung von Frau Nahles, Zitat „ Und ab morgen kriegen sie in die Fresse“ Zitat Ende. Ist das in Ihren Augen eine seriöse, demokratische Aussage? Danke für eine schnelle Antwort.

16.10.2018 08:49 Huber 12

@11 Wenn Vertreter einer Partei z.B. über ihre politischen Gegner sagen, sie "werden auf ihren Gräbern tanzen", dann ist das nicht nur nicht-demokratisch, sondern auch in hohem Masse menschenverachtend. Und solange solche Äußerungen nicht nur geduldet werden, sondern sogar mit offiziellen Ämtern und Funktionen für eine Partei honoriert und damit eben auch unterstützt werden, macht sich eine Partei diese nicht-demokratischen und menschenverachtenden Aussagen zu eigen.

16.10.2018 08:00 Alex @ 7. Huber: 11

Ich habe das Programm der AfD gelesen und kann nichts "antidemokratisches" feststellen. Im Gegenteil, die beabsichtigten Volksabstimmungen nach Schweizer Vorbild z. Bsp. stellen eine großen Schritt zur Einführung wirklicher Demokratie dar.
Gottseidank legen Menschen wie Sie (noch) nicht fest, was demokratisch ist und was nicht.

16.10.2018 05:47 Wo geht es hin? 10

@Huber - Zitat von Ihnen: "...und Baden-Württemberg als Wahlmotivation genommen. Dort gibt es schon in der zweiten Legislaturperiode hintereinander eine Regierung unter grüner Führung - und dem Land geht es sehr gut..." Zitat Ende. Sie haben sicher das Wort " noch" nur vergessen einzubauen. Denn die Trendzahlen (z.Bsp. Bildung) zeigen seit der grünen Machtübernahme fast ausnahmslos nur in eine Richtung: nämlich abwärts.

16.10.2018 04:00 H.E. 9

Für mich war das eine eindeutige Protestwahl und zwar in erster Linie gegen die Bundesregierung und Merkels "wir schaffen das"-Politik.
Ich freue mich jedenfalls darüber, daß sowohl die beiden Berliner Regierungsparteien bei der Bayern-Wahl so abgedriftet sind. Irgendwann muß der Wähler MERKEL und Co. eine Quittung verpassen.
Mal sehen, ob dies in Hessen auch der Fall sein wird!

15.10.2018 19:48 Huber 8

@4 Vielleicht haben ein paar Bayern auch einfach über ihren Tellerrand in Richtung Westen geschaut und Baden-Württemberg als Wahlmotivation genommen. Dort gibt es schon in der zweiten Legislaturperiode hintereinander eine Regierung unter grüner Führung - und dem Land geht es sehr gut...

15.10.2018 19:42 Huber 7

@6 Eine Partei kann demokratisch gewählt werden und kann trotzdem nicht-demokratisch sein bzw. nicht-demokratische Ziele verfolgen. So etwas soll es schon gegeben haben...

15.10.2018 16:20 Alex 6

"Nach meiner Überzeugung, sollte man mit allen demokratischen Kräften sprechen, das heißt in unserem Fall nicht mit der AfD,..." Man sollte also nicht mit einer demokratisch gewählten Partei sprechen, die aus dem Stand über 10 % der Wählerstimmen bekommen hat? Soviel zum Demokratieverständnis eines Herrn Seehofer....

15.10.2018 14:19 Werner 5

@W. Merseburger 3: "WELTWOCHE 19.09.2018: ...Am Telefon erreiche ich einen früheren SOZIALDEMOKRATICHEN BUNDESMINISTER. «Es ist verrückt», legt er ungefragt los, «die wollen DIE GANZE OPPOSITION, die AfD, zu Neonazis STEMPELN. JEDER, der gegen Merkels Migrationspolitik ist, ist ein NEONAZI. Nazis, überall. UNFASSBAR...." So ist nun mal die ausgegebene Doktrin, und da haben sich alle "freien und unabhängigen" Medien, ganz besonders die Kanzleramtssprechermedien von Kaiser Wilhelm, dran zu halten. Nicht wundern, wenn die "Moderatoren" solcher Shows von einem bekannten Richter abkupfern, und ihre Fragen zukünftig mit "Sie elender Lump Sie..." am öffentlichen Pranger beginnen, bevor sie die Antwort des Delinquenten zur "hochnothpeinlichen Befragung" nach 1.. 2 Worten abwürgen, und diesen Spruch wiederholen ..... Die weiblichen Moderatoren könnten auch bei Hilde Benjamin noch was lernen. Die soll in dieser Beziehung ebenfalls "ziemlich robust" gewesen sein.

15.10.2018 12:18 Winter 4

Soweit so gut.CSU und SPD abgestraft!!!Aber sind die Bayern denn "deppert" geworden??? Wer wählt denn die"grünen"?? Da kommen sie vom Regen in die Traufe! Naja-damit sollen sie dann in ihren Land mit denen auskommen!!