Digitales Arbeiten Heil plant Recht auf Homeoffice

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil will zügig ein Recht auf Homeoffice festschreiben. "Ich arbeite an einem neuen Gesetz für ein Recht auf Homeoffice, das ich bis Herbst vorlegen werde", sagte der SPD-Politiker der "Bild am Sonntag". Die Arbeitgeber kritisierten die Pläne sofort.

Eine Frau arbeitet während der Corona-Einschränkungen im Homeoffice
Während der Corona-Krise hat sich der Anteil der Beschäftigten, die im Homeoffice arbeiten, stark erhöht. Bildrechte: imago / imago images / Hans Lucas

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil will bis Herbst ein Gesetz zum Recht auf Homeoffice vorlegen. "Jeder, der möchte und bei dem es der Arbeitsplatz zulässt, soll im Homeoffice arbeiten können - auch wenn die Corona-Pandemie wieder vorbei ist", sagte Heil.    

Hubertus Heil (SPD), Bundesminister für Arbeit und Soziales, gibt eine Pressekonferenz in seinem Ministerium.
Bundesarbeitsminister Hubertus Heil, SPD Bildrechte: dpa

In der Corona-Krise sei die Zahl der Arbeitnehmer im Homeoffice ersten vorsichtigen Schätzungen zufolge von zwölf auf 25 Prozent aller Beschäftigten gestiegen, sagte Heil. "Das wären acht Millionen Männer und Frauen, die ihren Job gerade von zu Hause aus erledigen." In der Pandemie würde gerade gelernt, wie viele Arbeiten heutzutage von zu Hause erledigt werden könnten.

Kein Zwang

Wo es betrieblich möglich sei, könne künftig jeder Arbeitnehmer das Arbeiten von Zuhause aus einfordern. "Man darf entweder komplett auf Homeoffice umsteigen oder auch nur für ein oder zwei Tage die Woche", sagte Heil. Mit "fairen Regeln" werde er verhindern, dass "sich die Arbeit zu sehr ins Private frisst". Auch im Homeoffice gebe es einen Feierabend - "und zwar nicht erst um 22 Uhr".

Heimarbeit soll aber für die Arbeitnehmer eine freiwillige Möglichkeit bleiben. "Wir wollen mehr Homeoffice ermöglichen, aber nicht erzwingen", sagte Heil.

Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) unterstützte den Vorschlag. "Die vergangenen Wochen haben gezeigt, wie viel im Homeoffice möglich ist", sagte er der Zeitung. "Das ist eine echte Errungenschaft, hinter die wir nicht mehr zurückfallen sollten."

Firmen fürchten zusätzliche Belastungen

Steffen Kampeter, BDA-Hauptgeschäftsführer, begrüßt die Gäste beim Deutschen Arbeitgebertag 2017.
Steffen Kampeter, BDA-Hauptgeschäftsführer Bildrechte: dpa

Vertreter von Unternehmen kritisierten die Pläne umgehend. Der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Arbeitgeber (BDA), Steffen Kampeter, sagte: "Politische Ladenhüter aus der Zeit vor dem größten Wirtschaftsrückgang seit vielen Jahrzehnten aufzuwärmen, wirkt etwas aus der Zeit gefallen". Die Wirtschaft brauche keine weiteren Belastungen, die Wachstum und Flexibilität beschränkten, erklärte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Mobiles Arbeiten solle aber dort eingesetzt werden, "wo es möglich und sinnvoll ist".

Unterstützung von den Grünen

Zustimmung äußerten hingegen die Grünen. "Es ist längst an der Zeit, dass aus dem Privileg, das bisher nur für wenige gilt, ein Anspruch auf Homeoffice für viele wird", erklärte Katrin Göring-Eckardt, Fraktionsvorsitzende der Partei im Bundestag. Damit Arbeiten von Zuhause überhaupt technisch reibungslos möglich ist, brauche es darüber hinaus endlich auch einen Rechtsanspruch auf schnelles Internet.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 26. April 2020 | 17:30 Uhr

20 Kommentare

Wessi vor 20 Wochen

@ MikeS ....das Mittelalter ist vorbei."Der AG entscheidet"...das kommt immer darauf an.Es gibt Mitbestimmung, es gibt Tarifverträge.Und es gibt die Möglichkeit Tarifverträge für allgemeingültig zu erklären.Zwar bin ich auch nicht für die Vorschläge, aber durchaus gegen Ihre martialischen Kommandos.Gucken Sie sich, ganz in Ruhe mal an, wie gewählt wird.Sie werden sehen, daß (vergessen Sie nicht den starken AN-Flügel der CDU+die Christsozialen), daß "AG entscheidet+AN hat zu gehorchen" ganz entschieden kaum den mehrheitsmeinungen entsprechen dürfte.Das Panoptikum schilderten Sie!

Wessi vor 20 Wochen

@ frank d ...wo sind denn nun die Antworten auf meine Fragen? Habe ich nicht auch gesagt, daß solche Sachen in Tarifverträgen (also von erwachsenen Menschen") geregelt werden sollte?Habe ich nicht auch Kritik an H.Heil geübt? Also - "erwachsener Mensch"...gehen Sie korrekt auf mein posting ein+behaupten Sie nicht einfach etwas was da gar nicht Drin' steht! Nein, noch einmal, Sie wollen einfach nur stänkern, oder?

MDR-Team vor 20 Wochen

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