Radikalisierung Rechtsextreme immer gewaltbereiter

Mehr als jeder zweite Rechtsextremist in Deutschland ist nach Angaben des Bundesinnenministeriums gewaltorientiert, das ergab eine Kleine Anfrage der FDP im Bundestag. Rüstet die Szene körperlich auf?

von Mareike Wiemann, MDR AKTUELL

Es ist schwierig, Menschen in Schubladen zu stecken. Das gilt auch für Rechtsextremisten. Deshalb tut sich Thüringens Verfassungsschutzchef Stephan Kramer schwer bei der Einordnung, wann ein Rechtsextremist als gewaltbereit gilt.

Der thüringische Verfassungsschutz habe dafür eine Definition gefunden, ergänzt Kramer. Es würden diejenigen als gewalttätig beziehunsgweise gewaltbereit angesehen, die Gewalt selbstverständlich "als ein Aktionsmittel benutzen".

Tat muss nicht politisch-motiviert sein

Um als gewaltbereit eingeordnet zu werden, müssen die Betroffenen übrigens nicht bereits politisch motivierte Gewaltstraftaten begangen haben. Auch die Teilnahme an bestimmten Veranstaltungen, wie zum Beispiel Kampfsportevents sage viel aus, erklärt Martin Döring vom sächsischen Verfassungsschutz.

Individueller Prozess hin zur Radikalisierung

Dabei sei jeder Fall einer Radikalisierung hin zur Gewaltbereitschaft individuell, erklärt Döring. Dieser Prozess könne sich über Monate bis Jahre hinziehen und sei eine Folge aus einem anpassenden Sozialisationsprozess.

Es könne aber auch schnell und unbemerkt passieren, berichtet Döring, "wenn persönliche, biografische und einschneidende Ereignisse und Brüche zugrunde liegen."

Auch Einzelpersonen sind gewaltbereiter

Nach Angaben des Bundesinnenministeriums geht mittlerweile auch von Einzelpersonen oder Kleinstgruppen, die nichts mit den bekannten rechtsextremen Netzwerken zu tun haben, eine Radikalisierungsgefahr aus. Möglich macht es das Internet.

Internetforen brauchen mehr Aufmerksamkeit

Der innenpolitische Sprecher der FDP-Fraktion im Bundestag, Konstantin Kuhle, warnt nun, dass gerade Kommunikationsplattformen von Online-Spielen zunehmend von gewaltbereiten Rechten genutzt würden. Dort würden die sich dann zu Straftaten verabreden.

Die Gefahr liege darin, dass die Öffentlichkeit diese Kommunikation nicht ausreichend wahrnehme, erklärt Kuhle. "Und das führt dazu, dass Aufrufe zu Gewalttaten, Aufrufe zu Amoktaten teilweise über viele Monate hinweg völlig ungesühnt stehen bleiben."

Vom Boxring auf die Straße

Der thüringische Verfassungsschutzchef Stefan Kramer sagt, man habe die Aktivitäten auf Spieleplattformen im Blick, dürfe aber nicht nur aufs Internet schauen. Erprobt werde die Gewalt nämlich anderswo, denn die Hooligan- und Kampfsportszene rüste immer weiter auf.

Kramer befürchtet, dass nach der verbalen Aufrüstung jetzt die körperliche folge und verweist auf Mixed-Martial-Arts-Veranstaltungen. Diese würden jetzt Früchte tragen: "Die Gewalt wird auf die Straße getragen."

In politischen Debatten dagegen arbeiten

Um die Jahrtausendwende galten rund 20 Prozent der Rechtsextremisten als gewaltbereit – heute sind es über 50 Prozent. Die Gesellschaft müsse dieses Problem nun angehen und etwa in politischen Debatten verbal abrüsten, sagt Stefan Kramer, denn sonst dürfte sich die Gewaltspirale weiter drehen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 04. Mai 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. Mai 2019, 05:00 Uhr

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42 Kommentare

06.05.2019 06:55 Wo geht es hin? 42

@Wessi - Zitat von Ihnen: "Übrigens wird der von Ihnen gebrauchte Begriff HEUTE (auch mit dem Hinweis auf Buhrow) im Wesentlichen von der Rechtspopule mißbraucht, um Pressefreiheit zu negativieren." Zitat Ende. Lach! Das schaffen solche Leute wie Buhrow auch ganz ohne Zutun der "Rechtspopule". PS: Hat Buhrow etwa das Copyright auf "Qualitätsmedien"?

05.05.2019 19:22 Wessi 41

@ 36 Danke, daß Sie meine Ansicht teilen, in dem Sie auf meine zum Inhalt des obigen Berichtes gehörenden Argumente NICHT eingehen.Vor allem auf meinen letzten Satz nicht!Der madr berichtet konkret IMMER auf relevante Übergrifflichkeiten, ob nun von links od. rechts. Dieser Artikel hat einen konkreten Background, auch wenn Leute wie Sie es nicht hören wollen.Mir+anderen Demokraten wird ja auch immer wieder vorgeworfen, wir wollten Kritik an linker Gewalt nicht hören. Unwahr ganz nebenbei.Aber da kann ich nur für mich sprechen.Hier selbst wird nicht einmal ein konkretes Ereignis der Rechtsterroristen beschrieben, sondern nur, daß rechtsterroristische Kriminalität sich ausbreitet.Übrigens wird der von Ihnen gebrauchte Begriff HEUTE (auch mit dem Hinweis auf Buhrow) im Wesentlichen von der Rechtspopule mißbraucht, um Pressefreiheit zu negativieren.

05.05.2019 17:07 Fragender Rentner 40

Ist schon schlimm gewurden in Deutschland, die einen machen was sie wollen und die anderen machen mit, sowie andere machen auch ihr eigenes Ding so auf den Straßen.

05.05.2019 14:58 DD 39

@ralf meier: Wenn Sie alles was nicht rechts ist für linke Qualitätsmededienpopaganda halten, ist ihr Kommentar verständlich aber nicht verständig.

05.05.2019 14:47 DD 38

@Ekkehard Kohfeld: ich danke Ihnen für den Beleg meines Beitrages #24 und reihe mich nicht ohne Stolz in des Heer der IQ-geminderten Sloterdijkkritiker ein. Sie sollten die flackernden Schatten an der Höhlenwand nicht fehldeuten. Marschschritte die ihnen Angst machen kommen nicht von ertrinkenden Flüchtlingen oder LiGrüVers.

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05.05.2019 14:13 Ekkehard Kohfeld 37

@ Wessi 33 @ 31 Ersteinmal: was sind "Qualitätsmedien"? Müssen Sie hier nun rechtsradikale Kampfbegriffe verwenden?##

Ach lieber Ostfriese "Qualitätsmedien" ist ein rechtsradikale Kampfbegriffe
ist ja ganz was neues,wo haben sie den das abgeschrieben oder ist das gar auf ihrem merkwürdigen Mist gewachsen?:-)))))))))

05.05.2019 12:40 ralf meier 36

@Wessi Nr 33: Sie fragen: was sind "Qualitätsmedien"? und werfen mir vor: "Müssen Sie hier nun rechtsradikale Kampfbegriffe verwenden? Kann nicht ein Rechter auch mal sachlich sein, wenn man mit ihm diskutiert?

Also den Begriff Qualitätsmedien als 'rechtsradikalen Kampfbegriff' zu bezeichen ist natürlich genau so unsachlich, wie ihr übriger Kommentar.

Im Netz können Sie u.a. vom Duden erfahren, das
der Begriff Qualitätsmedium für ein 'Massenmedium von hoher (journalistischer) Güte' steht. Ich habe den Begriff das erste mal vom WDR-Intendant Tom Buhrow in einer Selbsteinschätzung bez. der öffentlich rechtlichen Medien gehört und später auch im Zusammenhang mit einigen privaten MainstreamMedien gehört. Darüber war ich so erstaunt, das ich mir angewöhnt habe, ihn im Zusammenhang mit diesen Medien immer zu erwähnen, damit ich nicht vergesse, das dies nach ihrer Selbsteinschätzung Qualitätsmedien sind.

05.05.2019 11:48 Maria A. 35

Wessi, behaupten Sie wirklich, dass es den Begriff "Qualitätsmedien" schon um 1933 gab, wenn Sie den als "rechten Kampfbegriff" titulieren? Kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen und glauben Sie mir, mit 36 Jahren "Rotlicht-Erfahrung" in der DDR kennt man sich da aus. Auch deshalb wundere mich, wie inflationär heutzutage umgegangen wird mit derartigen Ausdrücken. Kaum ein Kommentar, egal zu welchem Thema, wo nicht mit Rechter, Brauner, oder gar Nazi, herum "geschmissen" wird. Liegt wohl daran, dass Wohlstandslinke gar keine Ahnung davon haben, was echte Nazis waren, wie auch generell alle Tabus verloren haben, weil die alles bessermenschlich überhöhen.

05.05.2019 11:09 007 34

@ REXt 6 ... Hahahaha gut gekontert. Ich finde dieses Thema ist schon wieder nur Wahlkampf. Die ganze Republik gegen rechts. Und wer ist rechts? Jeder der nicht links oder grün wählt, so behaupten sie es jedenfalls. Wir REXt sind also alle schuldig bis uns die Gutmenschen "freigesprochen" haben. Haha

P:S. Ich hab auch noch keine rechten Schlägertrupps gesehen die friedliche Demonstranten vermöbeln oder sich an Massenvergewaltigungen beteiligen. Haben wir beide da etwas verpasst, oder fruchtet bei uns einfach nur die links-grüne Gehirnwäsche nicht? ...

05.05.2019 10:15 Wessi 33

@ 31 Ersteinmal: was sind "Qualitätsmedien"? Müssen Sie hier nun rechtsradikale Kampfbegriffe verwenden?Kann nicht ein Rechter auch mal sachlich sein, wenn man mit ihm diskutiert? Es ist in der Tat so, daß die öffentlich-rechtlichen immer über das berichten, was gerade aktuell ist.Hier eine kleine Anfrage der FDP.Da dieser nun bestimmt keine Sympathie für die Linksautonomen vorgeworfen werden kann, werde ich Ihre Jammerei nicht begreifen, zumal bei linker Gewalt,G20,Connewitz auch im großen Umfang berichtet
wird! Ist es nicht einfach so, daß Rechte viel kritikunfähiger sind+nicht wollen (da faschistisch,diktaturwünschend), daß über ihr Fehlverhalten geredet wird, als Linke?Sloterdijk hat sich festgelegt.Andere denken anders.Radikale von beiden Seiten werden vom Verfassungsschutz beobachtet.Und wenn so ein Resultat auf eine kl.Anfrage herauskommt, dann wird in jedem Fall etwas dran sein+es hat ein Geschmäckle zu versuchen es schön zu reden.