Ein Regionalexpress fährt unter einer Brücke entlang, an der ein Hinweisschild vor Hochspannung in der Oberleitung warnt
Die Bundesregierung erwartet vom Bahnvorstand Reformen. Ein Konzept soll bis März auf den Tisch. Bildrechte: dpa

Konzernumbau Regierung verlangt von Bahn Reformplan

Verspätungen, Zugausfälle, defekte Züge, marode Schienen – die Bahn hat viele Baustellen. Der Eigentümer - der Bund - ist unzufrieden und zeigt das auch offen. Nun will die Regierung offenbar durchgreifen und verlangt ein Reformkonzept.

Ein Regionalexpress fährt unter einer Brücke entlang, an der ein Hinweisschild vor Hochspannung in der Oberleitung warnt
Die Bundesregierung erwartet vom Bahnvorstand Reformen. Ein Konzept soll bis März auf den Tisch. Bildrechte: dpa

Die Bundesregierung plant offenbar eine grundlegende Reform der Deutschen Bahn. Der Bundesbeauftragte für den Schienenverkehr, Enak Ferlemann von der CDU, sagte der "Welt am Sonntag", mit der Leistung der Bahn könne man nicht zufrieden sein. Die Bahn brauche eine Neustrukturierung. Die Regierung erwarte, dass der Vorstand bis März ein Konzept vorlege.

Erste Ergebnisse im Januar erwartet

Erste Ergebnisse will Ferlemann aber schon im Januar sehen. Der Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium kritisierte die Management-Ebene unterhalb des Vorstandes. Sie blockiere effiziente Führungsstrukturen.

Beschlüsse des Vorstandes blieben hängen und kämen bei den Mitarbeitern nicht an, warf Ferlemann den Managern vor. Kritik und Anregungen der Belegschaft schafften es wiederum nicht bis an die Konzernspitze, weil sie in der "Lehmschicht des mittleren Managements" stecken blieben.

Ein Foto von einem Stoppsignal an einer Bahngleise. Dazu ein Zitat von CDU-Politiker Enak Ferlemann, Staatssekretär im Verkehrsministerium: "Die Bahn braucht eine Neustrukturierung. Wir erwarten, dass der Vorstand bis März ein entsprechendes Konzept vorlegt."
Bildrechte: MDR/Deutsche Bahn AG/Volker Emersleben

Auch der Koalitionspartner SPD fordert ein Umdenken. Fraktionsgeschäftsführer Carsten Schneider sagte der Zeitung, "das Denken in Kästchen und Vorgärten" müsse aufhören. Die Strukturen innerhalb des Unternehmens müssten "neu gedacht werden".

"Kurz vor dem Kollaps"

Die Opposition fordert ebenfalls ein entschlossenes Handeln. Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter erklärte, alles was rolle, gehöre unter ein Dach. Das zersplitterte Zuständigkeitschaos von Tochtergesellschaften wie DB Netz, DB Station und Service, DB Energie und DB Immobilien müsse ein Ende haben. Es sei ein Neustart nötig.

Der verkehrspolitische Sprecher der FDP, Oliver Luksic, warnte, das System Deutsche Bahn stehe kurz vor dem Kollaps. Ohne radikale Maßnahmen werde sie im kommenden Jahr die 20-Milliarden-Schulden-Grenze durchbrechen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 16. Dezember 2018 | 08:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. Dezember 2018, 15:59 Uhr

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21 Kommentare

17.12.2018 20:10 Wo geht es hin? 21

Zitat aus dem Artikel: "Regierung verlangt von Bahn Reformplan" Zitat Ende. Also quasi von sich selbst. Denn die Bahn ist nun mal ein Staatsunternehmen und wer leitet den Staat? Richtig: die Regierung.

17.12.2018 12:55 Norbert NRW 20

Bei dem letzten Besuch meiner Tante aus A (Klagenfurt) hatte Sie eine Sitzresevierung und durfte von kurz hinter Frankfurt bis Düsselforf m Zwischengang mit ihrem Handgepäck sitzen. Sie ist 81 und schlecht zu Fuss, zum Glück ist alles gut gegangen aber deren Meinung
über die ehemals verlässliche deutsche Bahn möchte ich gar nicht schreiben ansonsten verstösst das hier gegen die Netiquette.

17.12.2018 10:48 Jakob 19

@17 - In der Tat überlässt die Bahn den größten Teil des Frachtverkehrs den LKWs. Alles was nicht in große Container oder Schüttgutwaggons passt, fährt auf der Straße. Und dieses "große" Geschäft nimmt dazu noch mehr und mehr ab. Das ist aber kein Versagen des Bahnmanagements, sondern der politische Wille. Politik, die wirklich spürbar die Straße vom Güterverkehr entlasten möchte, die müsste gigantische Mittel in den Ausbau der Schienenwege für Güterzüge investieren. Tut sie aber nicht. Seit Jahrzehnten nicht. Kann die Bahn nix dafür. - Dass das Bundesverkehrsministerium in den letzten Jahren schlecht regiert wurde, da stimme ich Ihnen zu.

16.12.2018 23:42 Bronko 18

Ich erinnere mich nostalgisch an tolle Abteilzüge mit einer Lok und anhängbarem Wagenpark zurück. DAS war Bahnfahren damals. Gern auch nur mit 100kmh.

Was haben wir jetzt? Leuchttürme im Milliardenbereich werden gebaut. Ein 2. Gleis wegen voller Züge wartet schon 20 Jahre. Bahnhöfe ohne Hof für Reisende, zugige Dinger wie Bushaltestellen. Hallen gibts nicht mehr. Klos auch nicht. Vorgegebene Triebzüge, die egal, wie viele Leute mitwollen, immer 2 Wagen haben. Da gibts weder Stoßzeiten, noch Minderbesetzungen. Es ist doch sinnlos, diese Bahn hat fertig. Träge, nicht flexibel, alles Müll. Leuchttürme wie der ICE interessieren mich NICHT. Bei uns in der 130000 WEW Stadt MUSS auch mal ein zusätzlicher Wagen angehangen werden können. Service? Nicht da. Und Preise? Dafür kannste den ganzen Monat mit dem Auto fahren und sparst unterm Strich jeden Tag 2 Stunden ein. Tja, deutsche Bahn.....................

16.12.2018 20:43 pkeszler 17

@Jakob 12: "Hoffentlich sitzt die Bahn diesen Zwergenaufstand aus"
Ganz im Gegenteil hätte das Bundesverkehrsministerium und der mehrjährigen Leitung der CSU schon längst auf die vielen Unzulänglichkeiten der Bahn reagieren müssen. Die Bahn ist ein Staatsbetrieb und soll es bleiben. Und deshalb muss viel mehr in die vielen Verspätungen, Zugausfälle, defekte Züge und marode Schienen usw. investiert werden. Außerdem muss der ständig zunehmende LKW-Verkehr mehr auf die Schienen gelenkt werden. Das liegt an der falschen Politik und den Managementfehlern der Bahn.

16.12.2018 18:53 Carolus Nappus 16

Na da hat der Anton mal wieder seinem Unvermögen in solchen Dingen Ausdruck verliehen.
Wieso soll sowas alles unter ein Dach gehören? Man stelle sich jetzt nur mal kurz vor VW würden auch noch die Straßen, Tankstellen und sämtliche Werkstätten usw. gehören. Das wäre ganz sicher von ganz großem Vorteil für jeden einzelnen Kunden.
Nee, ganz im Gegenteil gehört das ordentlich getrennt. Und dann gehört da auch ordentlich Wettbewerb hinein, sonst ist es nämlich der DB Netz ein Leichtes alle Nicht-Deutsche-Bahn-Unternehmen zu benachteiligen. Oder es werden ausgesonderte Fahrzeuge, die noch einen Marktwert haben und für diesen verkauft werden können, noch teuer verschrottet, nur damit die Konkurrenten nicht an günstige Fahrzeuge kommen. Da drückt der Schuh.

16.12.2018 17:21 Jakob 15

@14 (Wilhelm-Busch-Fan): Ich meine die Leute im Verkehrsministerium und die sonstigen Regierenden auf Abruf. Die Zeit bis zur nächsten Wahl reicht nicht mehr für Bahnreformen. Also vielleicht besser "lame ducks" als "Zwerge". Vielleicht erkennt in der neuen Regierung fann auch jemand das Gute und Beständige bei der Bahn. Man kann die nämlich auch kaputtreformieren, siehe Großbritannien.

16.12.2018 15:59 Moritzmax 14

@jakob14:26, könnten Sie bitte erläutern, welche "Zwerge" Sie meinen, die einen "Aufstand" ,Ihrer Meinung nach, machen?

16.12.2018 15:34 Norbert NRW 13

Da gab es in der Stern ne umfassende Reportage die ich beim Zahnarzt gelesen habe. Wenn die stimmen sollte dann sollte der Bund sich mal in den eigenen Reihen umsehen. Aber da herrscht wohl auch Fachkräftemangel. Und der Name Mehdorn zieht sich da wie ein roter Faden als einer der grössten Plattmacher durch. Nun es wäre in der freien Wirtschaft eine Lachnummer wenn der Inhaber oder Geschäftsführer eine Reform verlangen würde. Es gibt halt auch Sachen die können nicht Betriebswirtschaftlich betrieben werden dazu gehört auch die Bahn.

16.12.2018 14:26 Jakob 12

Hoffentlich sitzt die Bahn diesen Zwergenaufstand aus. Den Akteuren wird bald die Luft ausgehen. Die können vor der nächsten Wahl eigentlich nur noch Unruhe stiften und die Situation so noch verschlechtern.