Medienbericht Besonders viele Seiteneinsteiger an ostdeutschen Schulen

Der Lehrermangel sorgt teils für massenhaften Unterrichtsausfall an Schulen. Seiteneinsteiger sollen die Defizite auffangen. Je nach Region machen sie bereits einen hohen Teil der Neueinstellungen aus.

An der Universität in Leipzig sitzen Lehramts-Studenten vom ersten Semester in einer Vorlesung.
Lehramtsstudenten werden gezielt pädagogisch ausgebildet - Seiteneinsteiger werden dagegen nach einer deutlich kürzeren Ausbildung "ins kalte Wasser geworfen". Bildrechte: dpa

Der Anteil der Seiten- und Quereinsteiger unter den neu eingestellten Lehrern ist in ostdeutschen Bundesländern besonders hoch. Das berichtet die "Rheinische Post" unter Berufung auf eine Abfrage bei allen Kultusministerien der Länder.

Demnach hatten zu Beginn dieses Schuljahres im bundesweiten Schnitt 16 Prozent der neu eingestellten Lehrer kein pädagogisches Studium. In den meisten ostdeutschen Ländern lag der Anteil bei rund 30 Prozent. In Berlin waren sogar 60 Prozent der neu eingestellten Lehrer Seiteneinsteiger. Viele westdeutsche Länder hatten dagegen Werte zwischen zehn und zwölf Prozent, in Rheinland-Pfalz waren es lediglich vier Prozent. Die Länder Hessen und Hamburg lieferten keine Zahlen.

GEW kritisiert "Politikversagen"

Die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Marlis Tepe, sprach von einer alarmierenden Entwicklung. Der Politik warf sie Versagen vor.

Insbesondere in den ostdeutschen Bundesländern ist viel zu lange gar nicht oder zu wenig ausgebildet worden.

Marlis Tepe, GEW-Vorsitzende in der "Rheinischen Post"

Eine kleine Zahl an Seiten- und Quereinsteigern könne man kompensieren, sagte Tepe. Angesichts der Entwicklung der vergangenen Jahre gerieten jedoch das Bildungssystem und die Lernziele für die Schüler in Gefahr.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 12. November 2019 | 09:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. November 2019, 10:59 Uhr

15 Kommentare

Ichich vor 9 Wochen

@Chemnitzer, man kann alles gezielt darstellen ...
In Berlin ist es "unerträglich", weil die ausgebildeten Referendare - alle weltoffenen, tolerant und mit interkulturellen Kompetenzen - sich WEIGERN, zu bestimmten Schulen zu gehen.
Im übrigen ist die große "Bildungsexpansion" in der BRD zum großen Teil von sog. Mikätzchen (=Seiteneinsteiger) umgesetzt worden.

Ichich vor 9 Wochen

Ja, kann ich.
Durchschnittsalter der Lehrer in NRW, die in den 90ern pensioniert wurden: 58. Wenn man weiß, daß an den Schulen des sog. dreigliedrigen Schulsystems (Gymnasium, Realschulen) Lehrer auch über 60 unterrichten sollten, darf man davon ausgehen, daß an den "bevorzugten" Schulen wie der Gesamtschule LehrerInnen ab 53, 54 Jahren ihren Antrag auf Berufsunfäigkeit einreichten, die dann "ganz unbürokratisch" genehmigt worden sind.
Ich habe etliche dieser Fälle während meiner Tätigkeit für das sog. LBV in NRW kennengelernt.

Wachtmeister Dimpfelmoser vor 9 Wochen

Ein politisches System, das eine derartige kriminelle Energie beim Abwürgen einer der elementarsten Pflichten gegenüber seinen Bürgern an den Tag legt, kann man gar nicht genug herabwürdigen und verachten.