Der Angeklagte Wolfgang P. (M), kommt zu Verhandlungsbeginn im Landgericht Nürnberg-Fürth in Nürnberg (Bayern) in den Saal.
Der Angeklagte Wolfgang P. im Landgericht Nürnberg-Fürth. Bildrechte: dpa

"Reichsbürger" verurteilt Lebenslang wegen Polizistenmord

Das Landgericht Nürnberg-Fürth hat einen sogenannten Reichsbürger wegen Mordes an einem Polizisten zu lebenslang verurteilt. Der 50-Jährige hatte bei einer Razzia in seinem Haus geschossen. Ein Polizist starb.

Der Angeklagte Wolfgang P. (M), kommt zu Verhandlungsbeginn im Landgericht Nürnberg-Fürth in Nürnberg (Bayern) in den Saal.
Der Angeklagte Wolfgang P. im Landgericht Nürnberg-Fürth. Bildrechte: dpa

Das Landgericht Nürnberg-Fürth hat einen sogenannten Reichsbürger wegen Mordes an einem Polizisten zu lebenslang verurteilt. Der 50-Jährige hatte bei einer Razzia in seinem Haus im fränkischen Georgensgmünd unvermittelt um sich geschossen. Ein 32 Jahre alter Polizist starb. Eine besondere Schwere der Schuld stellte das Gericht unter anderem auf Verweis darauf, dass der Angeklagte nicht vorbestraft gewesen sei, nicht fest. Das Gericht befand den Mann außerdem wegen zweifachen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung für schuldig. Bei dem Einsatz wurden außerdem zwei weitere Polizisten verletzt.

Verteidigung kündigt Revision an

Die Verteidigung hatte auf fahrlässige Tötung plädiert. Wären die Richter dem gefolgt, wäre die Strafe deutlich milder ausgefallen. Die Verteidigerin will nun umgehend Rechtsmittel gegen das Urteil einlegen. Sie bezeichnete das Urteil politisch motiviert. Vor Journalisten sagte sie, "uns wurde zugetragen, es bestand eine gewisse Erwartungshaltung der Politik und Behörden über den Ausgang des Verfahrens". Dieser habe das Gericht offenbar nicht standgehalten.

Anklage warf Angeklagten Hinterhalt vor

Die Staatsanwaltschaft hatte dem Angeklagten im Plädoyer vorgeworfen, den Angriff auf Polizisten von langer Hand geplant und aus einem Hinterhalt elfmal geschossen zu haben. Sein Ziel sei es gewesen, möglichst viele Sicherheitskräfte zu verletzen und zu töten. Das wies die Anwältin des Mannes zurück. Sie kritisierte den Einsatz als dilettantisch und unnötig.

Der Richterin aber zeigte sich davon überzeugt, dass der Mann mit voller Absicht und geplant handelte. Sie bezog sich dabei auf eine Zeugenaussage, wonach der Angeklagte vier Tage vor den Schüssen beim Pokern in einem FKK-Club einem Zeugen gesagt hatte, er rechne mit einem Einsatz von Polizei und SEK. Dazu habe er dem Zeugen mit ausgestrecktem Zeigefinger gesagt: "Ein paar von denen nehme ich mit." Diese Aussage bezeichnete sie als absolut glaubwürdig.

Spezialkommando sollte Jäger entwaffnen

Bei dem selbsternannten "Reichsbürger" war am 19. Oktober 2016 ein Spezialeinsatzkommando der Polizei angerückt. Die Beamten sollten die rund 30 Waffen des Mannes beschlagnahmen, nachdem die Behörden den Jäger als nicht mehr zuverlässig eingestuft hatten.

Der Fall des Franken gilt als Wendepunkt im Umgang der Justiz mit den soganannten Reichsbürgern. Seither wird schärfer gegen diese Gruppierung vorgegangen. Unter anderem wird sie bundesweit vom Verfassungsschutz beobachtet.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 23.10.2017 | 11:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. Oktober 2017, 14:02 Uhr

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28 Kommentare

24.10.2017 21:22 Krause - "lieber nackt als rechtsextremistisch!" 28

@ 20. Renate:
Na, wenn Du meinst, daß die Gefahr hier und heute eher von Linken ausgeht, kannst Du bestimmt auch ein paar Fälle nennen, in denen 'Linke' hier und heute für Tote gesorgt haben?

Ansonsten mußt auch Du anerkennen, daß ein Beamter, der diesen 'Waffensammler' entwaffnen sollte, von eben diesem 'Waffensammler' erschossen wurde - und noch zwei weitere durch Schüße verletzt wurden.

24.10.2017 10:54 Udo K 27

@ ohne Nick 23

"..... zwischen den Zeilen liest man durch....."
Wenn schon, dann schreibe bitte "lese ICH durch", denn es entspringt deiner Einstellung, was du da erkennen willst.
Was der Rest deines Beitrages an mich gerichtet mit mir zu tun haben soll, erschließt sich mir nicht.
Und zuletzt noch der Hinweis, an einer weiteren Diskussion mit jemand, der sich scheut, unter einem festen Nick zu schreiben, habe ich kein Interesse.

24.10.2017 10:50 Ralf112 26

@ 8 Udo K: "Im konkreten Fall wird wohl keiner bestreiten können, dass man gleichzeitig den "Reichsbürger" entsprechend der gesamten Beurteilung mit einbezogen hat."

Natürlich kann das niemand bestreiten, gerade das ist doch genau das Motiv für diesen kranken und feigen Mord. Wenn Menschen sich bis an die Zähne bewaffnen, um gegen die Staatsgewalt zu kämpfen, die ihr kranker Geist nicht akzeptiert, dann ist das vorsätzlicher, geplanter Mord. Und da es sonst ja offenbar keine Gründe für dieses schreckliche Verbrechen gab, ist die "Mitgliedschaft im Kreis der Verschwörungstheoretiker" das einzige Motiv und muss daher entsprechend gewürdigt werden.

24.10.2017 09:16 forsa 25

Renate, Es hält Sie ja keiner Ihrem Freund im Geiste, die völkische Reichsmedaille für besondere Leistungen zu verleihen.

Sie können es ja nur schwer Ihre Zustimmung dieser Tat verbergen, indem Sie wiedermal vom Thema ablenken und wer weiß wie weit in die Geschichte zurückreisen wollen um diese absonderliche Tat zu relativieren.

24.10.2017 08:50 Peter 24

@20 Renate: Wollen wir aufrechnen, wieviele Millionen Menschen unter den Nazis umgekommen sind. Müssig.
Bleiben wir in der Gegenwart: Morde, und das beweist der Prozess, sind Mittel rechter Gewalt.
Da können Sie gegen die Antifa wettern, wie Sie wollen. Übrigens, ohne die Nazis von heute gäbe es keine Antifa.

24.10.2017 08:27 @Udo K(8) 23

Du spekulierst dir hier ja reichlich was zusammen und zwischen den Zeilen liest man durch, dass das Urteil wegen der öffentlichen Berichterstattung nur so hoch ausfallen konnte. Findest du das Urteil nicht angemessen?

Hier hat ein Mensch blind in einer beengten Umgebung auf Polizisten geschossen, einen getötet und mehrere verletzt.

Dass man dem Mann die Waffen entziehen wollte, dass war mehr als gerechtfertigt wenn man sich ansieht, wozu dieser Mann seine Waffen benutzt hat.

Dass der Mann der Reichbürgerideologie, die im Kern rechtsextremistische Züge trägt, anhängt ist sicher wegweisend, wie man bei anderen Anhängern dieser Ideologie vorgeht wenn sie Waffen besitzten.

Wollen etwas, das Menschen die nicht ganz richtig im Kopf sind Schußwaffen besitzen? Ich nicht!

24.10.2017 06:26 Lutz Siedentopf 22

Das Urteil ist richtig und leider auch politisch. Es wäre gut, wenn wir genauso wie gegen die "Reichsbürger" zum Beispiel auch gegen islamische Extremisten wie z. B. die Salafisten vorgehen würde.

23.10.2017 23:38 Renate 21

Gerade bei MDR gelesen
Vor Gericht wird gegen einen sogenannter Pizza-Mörder und dessen Bande verhandelt.

Dem Opfer und seiner Familie mein herzlichstes Beileid.
Grausam, was hier immer mehr an krimineller Energie um sich greift.

23.10.2017 23:20 Renate 20

Nein Peter 15
Die Gefahr geht eher wieder von den Linken aus, welche sogar Millionen Tote in ihrer Historie auf den Gewissen haben.
Diese Antifas unter falscher Flagge gleichen der SA von früher. Und das macht uns Angst.
Danke MDR

23.10.2017 22:28 Hans 19

Es ist einfach nur traurig, was aus der Deutschen Gesellschaft geworden ist. Ein Volk was immer mehr verblödet.