Inlandsreisen aus Risikoregionen Reisende durch unterschiedliche Regelungen verunsichert

Berlin-Mitte gehört derzeit zu den innerdeutschen Corona-Hotspots. Zuletzt hat Schleswig-Holstein Einreisebeschränkungen für Menschen aus Berliner Bezirken erlassen. Derweil wirbt Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow dafür, nicht politisch in die Arbeit der Gesundheitsämter einzugreifen. Die Ämter sind dafür zuständig, die Lage zu bewerten. Trotz der örtlichen Beschränkung von Risikogebieten wird Reisen oder Pendeln problematisch. Eine deutschlandweite Handhabung ist derzeit nicht in Sicht.

Vier Touristen aus Bayern stehen teilweisŸe mit Mund-Nasenschutz vor dem Brandenburger Tor.
Pendeln oder innerdeutsches Reisen wird durch verschiedene Corona-Regeln immer komplizierter. Bildrechte: dpa

Dirk Ellinger ist Hotelmanager. Er reist viel in Deutschland herum, übernachtet mal hier, mal dort. Das bringe ihn manchmal in Schwierigkeiten, sagt der Thüringer. Denn in manchen Bundesländern gilt zurzeit ein Beherbergungsverbot für Reisende aus Risikogebieten. "Ich bin Vielhotelschläfer aufgrund meiner unterschiedlichen Funktionen", sagt Ellinger. Gebe er in Stuttgart oder Mannheim etwa an, dass er zuvor eine Sitzung in Berlin gehabt habe, dürften Hotelmitarbeiter ihn nicht beherbergen, erzählt Ellinger.

Reisen abhängig von Corona-Tests

In Berlin-Mitte gab es laut Robert Koch-Institut in den letzten sieben Tagen 61 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner. Der kritische Wert von 50 ist damit überschritten. Berlin-Mitte ist Risikogebiet. Will Dirk Ellinger nun nach seinem Berlin-Besuch in Mannheim übernachten, müsse er dem Hotel dort einen negativen Corona-Test vorlegen: "Wenn das so weitergeht, muss ich in Zukunft meine gesamte Reiseplanung, die ich ja habe, davon abhängig machen." Ellinger zufolge ist das nicht zumutbar. Dann müsse er einen Mitarbeiter beschäftigen, der das für ihn übernehme.

Anderes Bundesland, andere Regel

So wie Dirk Ellinger geht es vielen Reisenden innerhalb Deutschlands. Aktuell überschreiten bundesweit sechs Kreise die kritische Marke von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den letzten sieben Tagen. Die Zahl dürfte in den nächsten Wochen eher steigen. Doch es gibt je nach Bundesland unterschiedliche Regelungen. Beispielsweise kann ein Berliner, der nach Thüringen fährt, dort überall problemlos übernachten. Reist der Berliner aber nach Sachsen, dann gilt für ihn ein Beherbergungsverbot. Schleswig-Holstein ist noch strenger. Dort muss jemand, der aus einem Risikogebiet zurückkommt, generell 14 Tage in Quarantäne bis zur Vorlage eines negativen Tests.

Deutschlandweite Regelung  nicht absehbar

Die je nach Bundesland unterschiedlichen Regelungen und die schwankenden Infektionszahlen sorgen für Unsicherheit bei Reisenden. Und zwar bei geschäftlichen wie touristischen, wie eine Umfrage unter Passanten in Leipzig ergibt. Die Regelungen sollten deutschlandweit einheitlich sein, um den Überblick zu gewährleisten. Denn es sei schwierig, an Neuigkeiten zu kommen. Dazu komme der Pendlerverkehr etwa während der Ausbildung oder der Besuch zu Hause, den man kaum verbieten könne, sagen die Passanten.

Eine einheitliche Regelung in ganz Deutschland ist momentan in weiter Ferne. Auf Anfrage von MDR AKTUELL antworteten die Sozialministerien von Sachsen und Sachsen-Anhalt, es seien aktuell keine Anpassungen geplant. Man überprüfe aber ständig den Änderungsbedarf, teilt das sächsische Ministerium mit.

Immerhin: Eine so strenge Quarantäne-Regelung wie in Schleswig-Holstein, wo alle Einreisenden aus Risikogebieten in Quarantäne müssen, sei nicht geplant.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 07. Oktober 2020 | 05:05 Uhr

17 Kommentare

Grosser Klaus vor 2 Wochen

Die Kommunikationsstrategie muss geändert werden! Infektionszahlen haben keine Aussagekraft! Jeder, absolut jeder Mediziner, den ich kenne, hat das bestätigt. Die Zahl der Erkrankten zählt, die der Krankenhauseinweisungen und die der Belegung auf Intensivstationen. So kann und darf es nicht weitergehen das RKI verspielt die Akzeptanz für die Maßnahmen in der Bevölkerung.
Dieses Zahlenchaos ist eine Zumutung für jeden halbwegs klar denkenden Menschen.

Grosser Klaus vor 2 Wochen

Wann hört diese Warnerei endlich auf!
Es ist höchste Zeit die Fakten klar zu vermitteln und Taten folgen zu lassen.
Die Anzahl der Infektionen nimmt europaweit eindeutig stark zu und ist nicht auf einzelne Cluster beschränkt. Die Ausbreitung ist faktisch außer Kontrolle.
Die Anzahl der Toten, die schweren Verläufe, die Bettenbelegung sind niedrig.
Meinetwegen können auch die AHA-Regeln bestehen bleiben.
Der Zeitpunkt für die von Drosten vorgeschlagene Reduzierung der Quarantänezeit ist gut.
Der Ct- Wert sollte mit in die Bewertung fließen, ob es sich tatsächlich um einen Infektiösen handelt.
Alle weiteren Maßnahmen einstellen.

Grosser Klaus vor 2 Wochen

Was soll diese Panikmache? Die Frage wäre doch mal interessant, wie viele positiv Getestete überhaupt Symptome entwickeln? Und 487 Personen, fast sämtlich Angehörige der Risikogruppen, sind auch nicht so wahnsinnig viel. Vor allem stellt sich die Frage, ob es nicht sinnvoller ist, sich um den Schutz der Risikogruppen zu kümmern, statt ein ganzes Land verrückt zu machen. Ich will Corona nicht verharmlosen, aber in der letzten Grippewelle starben ca. 40.000 Menschen in Deutschland und fast niemand hat davon Notiz genommen.