Geöffnete Grenzen Maas: Trotz Aufhebung der Reisewarnungen keine Entwarnung

Viele Länder in Europa öffnen sich wieder, einige Reisewarnungen wurden nun in Reisehinweise umgewandelt. Doch für beliebte Sommerziele der Deutschen, wie Schweden und die Türkei gibt es noch keine Entwarnung. Bundeaußenminister Maas betonte: Einen Sommerurlaub, wie man ihn aus der Vergangenheit kennt, wird es in diesem Jahr noch nicht wieder geben. Trotz erhöhter Sicherheitsmaßnahmen schloss er auch ein "Ischgl 2" nicht aus.

Reisende mit Mundschutz schauen auf eine Anzeigetafel auf einem Flughafen
Einen gewöhnlichen Sommerurlaub schloss Bundesaußenminister Mass aus. Bildrechte: dpa

Bundesaußenminister Heiko Maas mahnt trotz der aufgehobenen Reisewarnungen innerhalb der EU zur Vorsicht beim Reisen. Im ZDF-Morgenmagazin sagte er, auch in Europa gebe es Länder bei denen das Auswärtige Amt weiter warne, dort hinzufahren. Als Beispiele nannte er Finnland, Norwegen und Schweden, weil es dort noch immer Einreisesperren gebe oder weil, wie in Schweden, die Neuinfektionszahlen noch über der vom Auswärtigen Amt festgelegten Grenze lägen (50 pro 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche).

Keine erneute Rückholaktion des Bundes

Heiko Maas (SPD), Bundesauߟenminister, hört seinem ukrainischen Amtskollege im Auswärtigen Amt während einer Pressekonferenz zu.
Bundesaußenminister Heiko Maas. Bildrechte: dpa

Maas betonte erneut, dass es keine weitere Rückholaktion von Reisenden durch die Bundesregierung geben werde. "Reisen tut man immer in eigener Verantwortung, völlig egal, ob es nun eine Corona-Pandemie gibt, oder einen anderen Krisenfall. Natürlich werden wir für die Länder, in denen es zu erhöhten Infektionen kommt, in denen es Ausgangssperren gibt oder wo auch wieder Einreisesperren verhängt werden über unsere Konsulate und Botschaften die deutschen Reisenden vor Ort unterstützen und wir werden sie dabei unterstützen, mit normalen Flügen auch wieder zurück zu kommen."

Bilaterale Gespräche mit Drittländern

Zunächst seien nur mit der EU Standards, Überprüfbarkeiten und Transparenzen vereinbart worden. Deswegen gelte die Reisewarnung in die Türkei aktuell noch bis zum 31. August. Mit Drittländern werde bilaterial verhandelt. Ein Gespräch mit der Türkei ist nach Angaben von Maas für Dienstagnachmittag angesetzt. In dem Gespräch soll es um die Belastbarkeit der Daten und die ergriffenen Maßnahmen gehen.

Maas sagte in diesem Zusammenhang, dass es Länder gebe, die Zwangsquarantäne anordneten oder die Covid-19-Patienten im Krankenhaus mit Medikamenten behandelten, "die wir als nicht so sinnvoll für die Behandlung betrachten". All das müsse in weitere Entscheidungen einbezogen werden.

Die deutschen Reiseveranstalter fordern, auch die Reisewarnungen für Nicht-EU-Länder aufzuheben. DRV-Präsident Norbert Fiebig sagte, die Öffnung für Reisen innerhalb Europas sei ein erster Schritt. Jetzt müssten zeitnah weitere Länder folgen. Allein die Verlängerung der Reisewarnung für beliebte Touristenziele wie die Türkei, Tunesien und Ägypten bedeute für Juli und August ein Umsatzminus von neun Milliarden Euro.

"Ischgl 2" trotz Sicherheitsmaßnahmen nicht auszuschließen

Dennoch schloss der Bundesaußenminister nicht aus, dass in den kommenden Wochen die Reisewarnungen für weitere Länder in Reisehinweise ungewandelt werden könnten. "Aber das wird davon abhängen, wie die Lage vor Ort in den jeweiligen Ländern sein wird."

Dass es durch vermehrte Reisen nun ein "Ischgl 2" geben könnte, sei nicht auszuschließen, sagte Maas. Jedoch seien alle in Europa besser vorbereitet. Für den Fall der Fälle seien viele Sicherheitsmaßnahmen ergriffen worden. "Das ist noch lange nicht vorbei und jeder der glaubt, man könnte einen Sommerurlaub erleben, wie man es aus der Vergangenheit kennt, der wird sich im Sommer wundern."

Einreisebeschränkungen nach Deutschland gelockert

Wegen der Corona-Pandemie waren an deutschen Grenzen Kontrollen eingerichtet worden. Seit dem 15. Juni dürfen alle Ausländer aus EU-Staaten, sowie Menschen aus der Schweiz, aus Norwegen, Liechtenstein, Island und Großbritannien wieder ohne Beschränkungen ins Land reisen. Menschen aus anderen europäischen Staaten durften dagegen drei Monate lang nur in begründeten Ausnahmefällen ins Land, etwa um Waren zu transportieren oder als Berufspendler.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL FERNSEHEN | 15. Juni 2020 | 19:30 Uhr