Geldstücke und Rente
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Hintergrund Häufige Fragen zur Rente

Wie berechnet sich die Rente? Werden Renten besteuert? Sind Rentner im Osten mehr von Altersarmut bedroht? Hier finden Sie die wichtigsten Fragen rund um das Thema Rente - und die Antworten dazu.

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Müssen Rentner Einkommenssteuern zahlen?

Ja, und durch gesetzliche Änderungen steigt die Zahl der steuerpflichtigen Rentner jedes Jahr. Hintergrund: Bis 2004 war nur der sogenannte Ertragsteil der Rente steuerpflichtig. Er lag bei einem Viertel bis zu einem Drittel der Rente. Grundidee dahinter war, dass ein Rentner die in seinem Arbeitsleben eingezahlten Rentenbeiträge bereits versteuert hat. 2005 wurde das System auf die sogenannte "nachgelagerte Besteuerung" umgestellt. Aufwendungen für die Altersvorsorge sind nun zunehmend steuerfrei. Dafür werden im Gegenzug später die Renteneinkünfte besteuert.

Experten empfehlen allen steuerfreien Rentnern, alle drei bis vier Jahre überprüfen zu lassen, ob sie es immer noch sind oder inzwischen doch unter die Steuerpflicht fallen und damit eine Einkommenssteuererklärung abgeben müssen. Helfen kann dabei das Finanzamt oder ein Steuerberater, der dann, sofern man es will, auch gleich die Steuererklärung aufsetzen kann.


Wie werden Renten besteuert?

Einkommensteuererklärung mit Taschenrechner
Immer mehr Rentner müssen eine Einkomenssteuererklärung machen. Bildrechte: imago/Christian Ohde

Die Änderungen hin zur "nachgelagerten Besteuerung" (siehe oben) erfolgen langfristig und stufenweise. Rentner, die bis 2005 in Rente gegangen sind, haben einen sogenannten Rentenfreibetrag von 50 Prozent. Diesen Anteil an ihrer Rente müssen sie nicht besteuern. Seit 2006 sinkt der Rentenfreibetrag jährlich um zwei Prozent und im Gegenzug steigt der zu besteuernde Anteil. Wer 2019 in Rente geht, hat lediglich noch einen Rentenfreibetrag von 22 Prozent und entsprechend einen Besteuerungsanteil von 78 Prozent. Ab 2040 müssen Neurentner ihre Rente dann vollständig versteuern.

Wichtig: Auch Rentner haben zusätzlich Anspruch auf den allgemein gültigen Steuerfreibetrag. Dieser liegt 2019 für Alleinstehende bei 9.168 und 18.336 für Verheiratete.

Beispielrechnung: Sie sind 2016 in Rente gegangen und erhalten monatlich 1.400 Euro. Ihre Jahresbruttorente liegt also bei 16.800 Euro. 72 Prozent davon sind dann steuerpflichtiges Einkommen – also 12.096 Euro. Von diesem wird noch der Grundfreibetrag (Existenzminimum) von derzeit 9.168 Euro abgezogen. Auch Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge können geltend gemacht werden (circa 1.800 Euro). Sofern Sie keine weiteren abzugsfähigen Ausgaben haben und auch keine weiteren Einkünfte wie Betriebsrente oder Mieten, müssen Sie rund 1.100 Euro versteuern. Bei einem Eingangssteuersatz von 15 Prozent wären das 165 Euro im Jahr. Mit den Rentenanpassungen wird sich diese Rechnung jedoch ändern.

Die Beispielrechnung ist vereinfacht. So gibt es etwa eine ganze Reihe an steuermindernden Tatsachen – bei Rentnern sind das vor allem haushaltsnahe Dienstleistungen, außergewöhnliche Belastungen wie Krankheitskosten, der Grad einer eventuellen Behinderung oder mögliche Unterhaltszahlungen. Beachtet werden müssen auch andere Einkommensquellen, wie private Rentenversicherungen, Witwenrenten oder Mieteinnahmen.


Die Rente ab 63 ohne Abschläge – wer bekommt sie?

Wer mindestens 45 Jahre lang in der gesetzlichen Rentenversicherung versichert war, kann seit Juli 2014 bereits ab 63 Jahren ohne Abschläge in Rente gehen. Für alle Personen, die nach 1952 geboren sind, steigt die Altersgrenze für die abschlagsfreie Rente jedoch schrittweise an. Für alle nach 1964 Geborenen liegt sie wieder bei 65 Jahren.

Geburtsjahr Renteneintritt abschlagsfrei möglich mit
1953 63 Jahren und 2 Monaten
1954 63 Jahren und 4 Monaten
1955 63 Jahren und 6 Monaten
1956 63 Jahren und 8 Monaten
1957 63 Jahren und 10 Monaten
1958 64 Jahren
1959 64 Jahren und 2 Monaten
1960 64 Jahren und 4 Monaten
1961 64 Jahren und 6 Monaten
1962 64 Jahren und 8 Monaten
1963 64 Jahren und 10 Monaten

Auf die 45 Jahre werden unter anderem Zeiten der früheren Wehr- oder Zivildienstpflicht, der Pflege von Angehörigen oder der Kindererziehung bis zum zehnten Lebensjahr des Kindes angerechnet. Auch Zeiten des Bezuges von Insolvenzgeld sowie Zeiten, in denen Leistungen bei Krankheit bezogen wurden, gehören dazu. Nicht berücksichtigt werden beispielsweise Zeiten des Bezugs von Arbeitslosenhilfe oder Arbeitslosengeld II.

Wer die Kriterien für die abschlagsfreie Rente mit 63 Jahren erfüllt, aber dennoch weiter arbeiten möchte, kann dies weiter tun: Betreffende Arbeitnehmer sind nicht verpflichtet, die vorzeitige Rente in Anspruch zu nehmen. Wer dagegen mit 63 Jahren in Rente geht, muss Folgendes beachten: Erst nach Erreichen der Regelaltersgrenze kann ohne Auswirkungen auf die Altersrente unbegrenzt dazu verdient werden.


Arbeiten im Alter – Was müssen Rentner beachten?

Ü50-Arbeitnehmer
Rentner dürfen auch nebenbei arbeiten. Bildrechte: Colourbox.de

Wer die Regelaltersgrenze überschritten hat, darf so viel dazuverdienen, wie er möchte. Die Rente bleibt dennoch erhalten. Derzeit liegt die Regelaltersgrenze bei 67 Jahren; 65 Jahre für diejenigen, die vor dem 1. Januar 1947 geboren wurden, und für später Geborene liegt die Grenze zwischen 65 und 67 Jahren. Allerdings gibt es einige Regeln zu beachten, denn in bestimmten Fällen können die Zusatzeinnahmen dazu führen, dass die Rente gekürzt wird.

Als Rentner kann man sich von einem Unternehmen einstellen lassen, als ganz regulärer Arbeitnehmer, also mit Lohnabrechnung, Urlaubsanspruch und Fortzahlung im Krankheitsfall. Möglich ist auch ein Minijob. Für ihn gelten grundsätzlich dieselben Regeln, auch bei Teilzeit. Der Arbeitgeber muss eine Pauschale für Steuern und Sozialversicherung zahlen. Diese geringfügigen Beschäftigungen sind zudem auch rentenversicherungspflichtig. Allerdings kann man sich davon befreien lassen. Wer sich lieber ehrenamtlich engagieren möchte, darf jährlich 720 Euro steuerfrei hinzuverdienen. Dabei handelt es sich um die sogenannte Ehrenamtspauschale.


Wie viel dürfen Frührentner hinzuverdienen?

Seit dem 1. Juli 2017 wird der Hinzuverdienst über das neue Gesetz zur "Flexirente" geregelt: Damit will die Bundesregierung älteren Arbeitnehmern einen selbstbestimmten Eintritt in die Rente ermöglichen sowie das Weiterarbeiten erleichtern. Es gibt nun deutlich höhere Hinzuverdienstgrenzen bei freier Wahl der Höhe der vorgezogenen Renten.

Wer vorzeitig in Altersrente geht und die kompletten Ruhestandsbezüge bekommt, darf seit dem 1. Juli 2017 im Jahr 6.300 Euro anrechnungsfrei hinzuverdienen – egal, ob als Angestellter oder Selbstständiger. Die bisherige monatliche Grenze von 450 Euro wurde aufgegeben und damit auch die Praxis, dass die Rente stufenweise z.B. um ein Drittel gekürzt wurde, wenn der Hinzuverdienst auch nur einen Cent über dieser Grenze lag. Das wird nun "flexibler" geregelt.

Liegt der Betrag des Hinzuverdienstes über 6.300 Euro wird dieser zu 40 Prozent auf die Rente angerechnet. Das bedeutet: die Rente sinkt entsprechend. Allerdings hat der Gesetzgeber eine Obergrenze für den Hinzuverdienst festgelegt. Diese orientiert sich am höchsten Bruttoeinkommen des Frührentners aus selbstständiger und nichtselbständiger Arbeit.

Vollrentner, die arbeiten gehen, sind weiterhin versicherungspflichtig. Die dadurch erzielte höhere Rente bekommen sie mit Erreichen der Regelaltersgrenze ausgezahlt.

Beachtet werden muss stets, ob man mit dem verdienten Geld über dem Steuerfreibetrag landet und damit steuerpflichtig wird, samt Steuererklärung. Allerdings profitieren arbeitende Rentner vom Altersentlastungsbetrag. Als Angestellte können sie zudem Werbungskosten absetzen.

Zuletzt aktualisiert: 13. September 2018, 22:22 Uhr

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