Komplizierte Berechnung Grundrente wird frühestens ab Sommer ausgezahlt

Die Berechnung der neuen Grundrente wird Monate in Anspruch nehmen. Die Sprecherin der Deutschen Rentenversicherung in Mitteldeutschland, Sturm, sagte MDR AKTUELL, die Berechnungen seien kompliziert. Es müssten 1,5 Millionen bestehende Renten geprüft werden. Ausgezahlt werde die Grundrente deshalb rückwirkend frühestens Ende Juli und spätestens bis Ende des nächsten Jahres. Zuerst werde der Anspruch bei Neurentnern geprüft.

Beratungsstelle der Deutschen Rentenversicherung in Hannover Niedersachsen im Abendlicht
Mitte Dezember 2016: Beratungsstelle der Deutschen Rentenversicherung in Hannover, Niedersachsen. An diesem Tag hatte der Sozialflügel der CDU im Streit um die Grundrente für Empfänger von Mini-Renten von der SPD mehr Kompromissbereitschaft gefordert. Bildrechte: dpa

Der überwiegende Teil in Verena Bentele ist froh, dass die Grundrente nun endlich kommt. Die Präsidentin des Sozialverbands VdK habe oft von Mitgliedern gehört:

Mensch, ich habe doch so viele Jahre gearbeitet, Kinder erzogen, Angehörige gepflegt, und habe eben so wenig verdient und so wenig Rente, dass ich nicht weiß, wie das zum Leben reichen soll. Und für diese Menschen ist die Grundrente wirklich eine gute Möglichkeit.

Verena Bentele vom Sozialverband VdK

Doch wer genau wie viel Grundrente bekommen wird, lässt sich schwer ermitteln. Es geht nicht um einen festen Betrag, die Höhe wird individuell berechnet. Bentele spricht von durchschnittlich nur 75 Euro mehr im Monat bei einkommensschwachen Rentnerinnen und Rentnern.

Ostdeutschland: Maximal 407 Euro mehr

Auch Anne-Kathrin Sturm, Sprecherin der Deutschen Rentenversicherung Mitteldeutschland, kann es wegen komplizierter Berechnungen nichts Genaues sagen: "Ich kann aber sagen, dass für Ostdeutschland maximal 407 Euro mehr drin sind."

Was wird angerechnet? Angerechnet wird bei der Grundrente die eigene Nettorente, die Witwen- oder Witwerrente, dazu kommt eventuell weiteres zu versteuerndes Einkommen. Ebenfalls angerechnet werden Kapitalerträge oberhalb des Sparerfreibetrages. Steuerfreie Einnahmen – also beispielsweise aus einer ehrenamtlichen Tätigkeit und aus einer pauschal besteuerten geringfügigen Beschäftigung (Minijob) – bleiben unberücksichtigt. Nicht berücksichtigt werden außerdem Immobilien und Vermögen sowie der Zuschlag aus der Grundrentenberechnung.

Volle 100 Prozent als Zuschlag gibt es aber nur bei mindestens 35 Jahren Einzahlung in die Rentenversicherung und für Alleinstehende nur bei einem Monatseinkommen von weniger als 1.250 Euro. Bei Ehepaaren müssen es weniger als 1.950 Euro insgesamt sein. Ab dann wird bis zu einer Obergrenze kompliziert gestaffelt.

Schon seit Monaten schult die Deutsche Rentenversicherung Mitteldeutschland deshalb ihr Personal, hat neue Stellen ausgeschrieben.

Ob man einen Anspruch auf einen Zuschlag habe, werde von der Rentenversicherung automatisch geprüft, erklärt Sturm. Das heißt, man muss keinen Antrag stellen.

Auszahlung ab Juli - vor allem Frauen bekommen mehr

Allein bei der Deutschen Rentenversicherung Mitteldeutschland müssen demnach rund 1,5 Millionen Bestandsrenten geprüft werden. Ausgezahlt wird die Grundrente darum frühestens Ende Juli 2021 und bis spätestens Ende 2022 rückwirkend. Zuerst, sagt Sturm, seien die Neurentner dran.

Ob Rentnerinnen und Rentner im Osten besonders profitieren? Auch das sei noch unklar, sagt Anke Voss, Präsidentin des Bundesverbands der Rentenberater: Es sei sicher zutreffend, dass viele Ostdeutsche mehr Versicherungsjahre und weniger oder geringere Ansprüche auf betriebliche Altersvorsorge haben: "Dadurch kann es durchaus sein, dass ostdeutsche Rentner mehr profitieren von der Grundrente. Aber sicher bin ich mir da noch nicht", sagt Voss. Hier müsse man erst die Zahlen abwarten.

Ostdeutsche hätten nicht zwangsläufig schlechtere Renten als Westdeutsche. Sicher sei aber: Vor allem Frauen - in Ost und West - würden durch die Grundrente besser gestellt, obwohl Zeiten des Mutterschutzes für die Grundrente nicht anerkannt werden, was die Rentenberaterin Voss als große Ungerechtigkeit bezeichnet.

Wichtiger Schritt - doch Kritik an der Grundrente bleibt

Einkommensprüfung, Finanzierung, lange Versicherungszeiten als Hürde: Kritik gibt es an verschiedenen Stellen der neuen Grundrente.

"Noch besser wäre eine Zukunft, in der jeder einen Mindestlohn über 13 Euro hat, damit eben niemand mehr auf die Grundrente angewiesen ist", sagt Verena Bentele vom VdK. Trotzdem sei die Grundrente ein wichtiger Schritt - da sind sich alle einig.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 01. Januar 2021 | 06:13 Uhr

54 Kommentare

Wessi vor 2 Wochen

@ Norbert ...Sie haben Recht, aber Fehler der Vergangenheit sind leider nur so etwas auffangbar. Zukünftig sollte es eine Bürgerversicherung geben in die jeder einzahlen muß.Den Beamtenstatus und die entspr. Pensionen sind auch nicht so einfach revidierbar.Dazu bedürfte es Mehrheiten+die sehe ich nicht.JEDE Partei schreckt da letztendlich zurück.

Wessi vor 2 Wochen

@ Sonnenseite ...auch auf die Gefahr hin, daß Sie aus , wie ich es empfinde,"niederen Beweggründen", bei posts von mir, nicht die Antworttaste betätigen, sondern Spielchen treibend woanders posten: ...z.B. heisst zum Beispiel, das sollten auch Leute wie Sie wissen, Lisa.Es geht nicht um mich, sondern nur um Beispiele bei denen gute Gesetze langsam umgesetzt wurden.

Ekkehard Kohfeld vor 2 Wochen

Schein so als wüssten sie es nicht als gut ich verrate es ihnen
man gibt dieser miesen Rente die die Bezieher bekommen einfach einen andern Namen (Grundrente) und schon ist alle gut.
Wie wahr das doch gleich mit dem Arbeitsamt (Bundesagentur für Arbeit) oder Sozialhilfe (H4)?Und ist da was besser geworden durch,nein schlechter.😭😭😭