ein jüngeres und älteres Paar
Das Thema Rente interessiert die älteren Generationen naturgemäß stärker als die jüngeren. Die Verunsicherung der Jüngeren bei dem Thema steigt allerdings immer mehr. Bildrechte: PantherMedia / jenmax

Rente Junge Generation: Staat soll sich allein um Altersvorsorge kümmern

Die Jungen sind beim Thema Rente und Zusatzvorsorge verunsichert - und sieht den Staat deutlich stärker in der Pflicht. Das belegt eine Studie des Versorgungswerks der Metallindustrie. Der Sozialverband VdK will das mit der Kampagne "Rente für alle" ändern.

ein jüngeres und älteres Paar
Das Thema Rente interessiert die älteren Generationen naturgemäß stärker als die jüngeren. Die Verunsicherung der Jüngeren bei dem Thema steigt allerdings immer mehr. Bildrechte: PantherMedia / jenmax

Die Bereitschaft der Jüngeren, selbst für die Rente vorzusorgen, hat abgenommen. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie "Jugend, Vorsorge, Finanzen 2019" vom Verband Metallrente.

Verantwortung sollte beim Staat liegen

Eine große Mehrheit der Befragten fordert demnach vom Staat, seine Verantwortung für die Altersversorgung wahrzunehmen. Eine gute staatliche Rente sei mit dem entsprechenden politischen Wille machbar, meinen 84 Prozent. 2010 waren es noch 74 Prozent. Über die Hälfte der jungen Erwachsenen – die zwar sparen, aber nicht fürs Alter – sind sogar überzeugt, dass allein der Staat für die Alterssicherung zuständig ist. Insgesamt hat die Bereitschaft, regelmäßig fürs Alter zu sparen, abgenommen.

Der Geschäftsführer des Versorgungswerks, Heribert Karch, hält die aktuellen Ergebnisse für alarmierend. "Niedrige Einkommen und befristete Arbeitsverhältnisse erschweren es jungen Leuten heute, regelmäßig für ihr Alter zu sparen und systematische Vorsorge zu betreiben", so Karch.

Vertrauen der Jugend in Politik ist gefährdet

Konkret ist die Bereitschaft gesunken, mit einem Riester-Rentenvertrag, mit Bausparverträgen oder privaten Rentenversicherungen vorzusorgen. Am höchsten stehen der Studie zufolge bei den jungen Erwachsenen, die doch bereits für ihre Altersversorgung sparen, Sparbücher, Festgeldkonten und festverzinsliche Wertpapiere im Kurs.

Die wissenschaftlichen Leiter der Untersuchung, Klaus Hurrelmann und Christian Traxler, sehen das Vertrauen der jungen Generation in die Politik gefährdet.

Die Rentenpolitik muss sich gleichermaßen an den Bedürfnissen der älteren und der jüngeren Generation ausrichten. Geschieht das nicht, sind die jungen Leute nicht nur eindeutig von Altersarmut bedroht, sondern ihr Vertrauen in die Politik wird gefährdet.

Klaus Hurrelmann und Christian Traxler, Hertie School of Governance

VdK fordert Umbau des Rentensystems

Der Sozialverband VdK fordert im gleichen Atemzug eine "zuverlässige staatliche Altersversorgung für alle Generationen" - und richtet sich explizit auch an die junge Generation. Der Verunsicherung der Jüngeren müsse die Gesellschaft mit einem stabilen Rentenniveau begegnen. "Eine Rente von unter 50 Prozent des letzten Bruttogehalts darf es meiner Meinung nicht geben", sagt VdK-Präsidentin Bentele. Derzeit liegt das Rentenniveau bei 48 Prozent.

"Rente für alle" für solidarischen Sozialstaat

Mit der Kampagne "Rente für alle" will der Sozialverband auf lange Sicht Altersarmut bekämpfen, deren Zunahme auch die Diskussion über die Einführung einer Grundrente befeuert hatte. Verena Bentele fordert dafür einen Umbau des Rentensystems. Alle müssten in dieselbe Rentenversicherung einzahlen – auch Selbstständige, Freiberufler, Manager und Politiker. Nur so sehe ein solidarischer Sozialstaat aus. Vorbild dabei sei etwa das Nachbarland Österreich.

Zudem forderte Bentele einen höheren Freibetrag in der Grundsicherung und ein anderes Steuersystem. Soziale Gerechtigkeit funktioniere nur mit Umverteilung. Und auch die jüngst diskutierte Grundrente unterstützt der VdK ausdrücklich, lehnt eine von der Union geforderte Bedürftigkeitsprüfung aber strikt ab.

Zur Studie Die Studie "Jugend, Vorsorge, Finanzen 2019" wurde zum vierten Mal durchgeführt, für sie wurden 2.500 Menschen im Alter von 17 bis 27 Jahren befragt. Metallrente ist das gemeinsame Versorgungswerk des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall und der Gewerkschaft IG Metall.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 28. April 2019 | 15:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. Mai 2019, 10:00 Uhr

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16 Kommentare

07.05.2019 17:49 Sonja 16

verstehen wir nicht ganz wieso bezahlen diese für uns, wir haben doch unsere Rente selber bezahlt durch arbeit die wir hatten und vieles ist aus dem Rententopf für viele andere sachen s. von den Politker genommen wurden was total falsch war,
also es stimmt nicht ganz ihre Mitteilung dazu !
die Jugend muß für uns garnichts bezahlen.

[Liebe Nutzerin,

die heutige Rentnergeneration hat während ihres Erwerbslebens mit ihren Rentenbeiträgen, die Rente für die damaligen Rentner bezahlt. Angespart wurde nichts.
Die heutige Jugend muss - nach jetziger Lage - ihrerseits mit ihren Rentenbeiträgen für die dann im Rentenalter befindlichen Personen zahlen, und über Steuern noch die entsprechenden Bundeszuschüsse.

Die MDR.de-Redaktion]

07.05.2019 15:42 Sonja 15

es ist doch ein verdammter Widerspruch auf der einen s. soll man bis 70 arbeiten gehen weil kein Geld für die rente da ist , auf der anderen s. nimmt man für Milliarden die wirtschaftsm. rein und bezahlt diese wie paßt das zusammen MDR, wie ?? es ist eine verdammte ungerechtigkeit unseren Bürger gegenüber, man könnte nur noch abkotzen dazu.

[Liebe Nutzerin,

das System der gesetzlichen Rente in Deutschland ist umlagefinanziert: Die, die heute arbeiten, zahlen für die heutigen Rentner. Angespart wird nichts. Angespart wurde nichts. Hinzu kommt ein Zuschuss aus Steuergeldern in das System der gesetzlichen Rente. Diese betrug laut Deutscher Rentenversicherung im Jahr 2018 rund 100 Milliarden Euro.

Die MDR.de-Redaktion]

07.05.2019 08:50 Geht wohl nicht 14

Wenn die Verantwortung beim Staat liegen soll, dann müssen die jungen Leute allerdings auch akzeptieren, dass sie vom Staat gezwungen werden können, einen Teil selbst für ihre Altersversorgung zu tun.
Es kann nicht sein, dass sie im jugendlichen Alter "in Saus und Braus" leben und im Alter dann der Staat (wer ist das dann eigentlich? Alle Steuerzahler?) für ihre Versorgung aufkommen soll.
So leicht kann man es sich nicht machen.

06.05.2019 23:41 Arbeitende Rentnerin 13

Leute, was glaubt Ihr, warum viele von uns arbeiten müssen, soviele Flaschen liegen nämlich nicht rum, das Problem ist nur, dass viele Jobs mit zunehmendem Alter schwerer fallen, ich möchte den sehen, der mit 85 noch putzen oder Zeitungen austragen gehen kann, aber so alt werden wir sowieso nicht und die heute noch jungen erst recht nicht, wir sollten uns auch nicht zum Hass alt gegen jung hinreißen lassen, solange mein Verstand noch reicht, kämpfe ich gegen.....

06.05.2019 22:30 A 12

Ich kaufe mir einen ausrangierten Wohnwagen, wenn meine Rente nicht mehr reicht.
Frieren im Alter ist angesagt.
Nach der Wende haben die Politiker Ossis mit 55 in die Vorrente geschickt, weil sie die loswerden wollten, jetzt kann man bald vielleicht bis 70 arbeiten...oder noch länger. Oh ich jemals in Alter einen Heimplatz bezahlen kann, steht in den Sternen.

06.05.2019 17:01 Fragender Rentner 11

Heute Mittag kam bei ARD/ZDF auch ein Bericht über die Rente und so verschiedene Vorschläge.

Auch sprachen sie darüber wieviele Rentner so unter oder etwas über 800,- € haben, es waren ca. 20%.

06.05.2019 15:50 Anton 10

Für Jugend hat es wenig Sinn, schon jetzt über ihre Rente zu denken: die Gesetze werden bis zu ihrer Rente noch mehrmals geändert. Man kann heute einfach nicht wissen, was mit Rente in 20, 30, 40, 50 Jahren wird. Deshalb hat es wenig Sinn auch, schon heute für die Rente selbst zu sparen. Das ist eine Lotterie. Wenn es dazu kommt, dass wir in Rentenzeit auf der Strasse leben müssen, umso schlechter für diesen Staat.

06.05.2019 15:34 Fragender Rentner 9

@optinator zu 6

Da hat wohl so mancher nicht das Kleingedruckte lesen wollen?

Solange wie da auch die Versichungswirtschaft mitverdient, hat es auch gewisse Nachteile, denn die sind schließlich auf Gewinne bedacht.

Der AG muß mindestens 30% dazu geben, dann könnte man vielleicht einen kleinen Vorteil haben.

AN/AG zahlen auch weniger in die RV ein, es verringert das Brutto welches für die Rentenanwartschaft wichtig ist und man mindert sich so auch seine Rentenansprüche in der RV.

06.05.2019 15:14 Querdenker 8

Zitat: „Verantwortung sollte beim Staat liegen“

Der Staat sollte eine menschenwürdige Grundrente für jeden langjährigen Staatsbürger garantieren. Im Grundgesetz steht was von „Menschenwürde“.

Die Grundbedürfnisse wie z.B. Essen, kleine Wohnung, Krankenversorgung und eine zumindest geringe soziale Teilhabe sollte gewährleistet sein.

Alles andere ist in meinen Augen Staatsversagen.

Andere Länder haben so etwas wie eine „Volksrente“ bzw. „Garantierente“ (z.B. Schweden, Dänemark).

Nicht zuständig ist der Staat eigentlich dafür, den Lebensstandart seiner Bürger im Alter zu sichern.

Derzeit werden in Deutschland, im jahrelang SPD regierten Rheinland-Pfalz, hingegen Rentner auf den Campingplatz geschickt (siehe „fokus Jobcenter schickt Rentner auf Campingplatz Armutszeugnis für unser Land“).

06.05.2019 15:12 C.T. 7

Ein Vertrauen in die derzeitige Politik ist bestenfalls naiv. Das momentane Rentenniveau ist bereits ein Verbrechen.