Altersarmut Mehr als jede zweite Rente unter 900 Euro

Jeder zweite Rentner erhält weniger als 900 Euro Rente. 59 Prozent bekommen nicht mehr als 1000 Euro. Die gesetzliche Rente sei nicht mehr armutsfest, kritisiert Linken-Bundestagsabgeordnete Zimmermann.

Mehr als jede zweite Rente liegt unter 900 Euro. Das berichtet das Redaktionsnetzwerk Deutschland und beruft sich auf eine Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken.

Zimmermann: Gesetzliche Rente nicht armutsfest

Demnach erhielten im vergangenen Jahr rund 51 Prozent der Altersrentner, wenn man Sozialbeiträge und Steuern abzieht, weniger als 900 Euro im Monat. Das betrifft 9,3 Millionen Menschen. Knapp 59 Prozent der Rentner bekämen weniger als 1.000 Euro.

Die Linken-Bundestagsabgeordnete Sabine Zimmermann sagte, die gesetzliche Rente sei nicht armutsfest. Viele kämen nur deshalb über die Runden, weil sie sich gezwungenermaßen etwas hinzuverdienten.

Andere Einkommensquellen nicht berücksichtigt

Die Bundesregierung verweist laut Zeitungsbericht in ihren Schreiben darauf, dass aus der Höhe der Rente kein grundsätzlicher Rückschluss auf die Bedürftigkeit im Alter geschlossen werden könne. Bei der Erhebung seien zusätzliche Einkommensquellen und die konkrete Haushaltssituation nicht berücksichtigt.

Die Rentendaten in der Erhebung beziehen sich auf den Betrag der Rente nach dem Abzug von Sozialbeträgen und vor dem Abzug von Steuern.

CDU-Sozialflügel fordert obligatorische Betriebsrente

Der CDU-Sozialflügel pocht derweil auf eine verpflichtende Betriebsrente. Der Chef oder Christlich-Demokratischen Arbeitnehmergemeinschaft, Karl-Joseph Laumann, sagte der "Rheinischen Post", das Modell der Riester-Rente sei in eine Sackgasse geraten. Zudem gebe es in Unternehmen ohne Tarifverträge auch so gut wie keine Betriebsrenten. Das könne nicht so bleiben. Ausgerechnet diejenigen seien am schlechtesten abgesichert, die es am nötigsten hätten.

Laumann sagte, Leute, die mehr als 5.000 Euro monatlich verdienen würden, hätten zu 75 Prozent Betriebsrenten, Menschen mit einem Einkommen unter 2.000 Euro dagegen nur zu 15 Prozent.

Auch Menschen mit kleinen Löhnen brauchen eine Betriebsrente. Die Betriebsrente hat im Vergleich zur Riester-Rente den großen Vorteil, dass die Verwaltungskosten in der Gruppenversicherung geringer ausfallen und damit die Rendite besser ist.

Karl-Joseph Laumann, Chef der Christlich-Sozialen Arbeitnehmer "Rheinische Post"

Bis zu 480 Euro Zuzahlung vom Arbeitgeber

Die Rentenpolitiker der Bundestagsfraktion der Union planen, die Betriebsrente gesetzlich vorzuschreiben. Man wolle die betriebliche Altersversorgung für Geringverdiener verpflichtend machen, "damit diese den Einstieg in die Altersvorsorge überhaupt wagen", sagte Peter Weiß, Chef der Arbeitnehmergruppe in der Unionsfraktion im Bundestag, der "Rheinischen Post".

Arbeitgeber könnten verpflichtet werden, für Mitarbeiter, die monatlich bis zu 2.200 Euro verdienen, bis zu 480 Euro pro Monat als Zuschuss zu deren Betriebsrenten zu zahlen. Bisher ist das nur eine Kann-Regelung im geltenden Betriebsrentenstärkungsgesetz. Statt wie bisher 30 Prozent solle der Arbeitgeber künftig im Gegenzug bis zu 75 Prozent des Zuschusses mit der Lohnsteuer verrechnen können, heißt es im Entwurf der Union.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 26. Juli 2019 | 08:00 Uhr

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108 Kommentare

28.07.2019 11:53 Wessi 108

@ 107 Sie wollen also die Beamten die bei Beginn ihrer Arbeit für uns alle, als Deiner des Staates auf die Zuverlässigkeit der Zusage der Gesellschaft eine Pension zu bekommen, betrügen? Betrügen? Ersteinmal wäre das krimineller Rechtsbruch+zweitens beweist es Ihre Klugheit.Erzählen sie das mal z.B. Polizisten oder einem Gauland der Jahrzehnte in Politik herummacht...!

28.07.2019 10:45 007 / Klappe die Dritte! 107

@ Nochmal. Wer in unser System nichts einzahlt (außer Hartz u sozial Schwache) der sollte auch nichts bekommen. Ist eine ganz gerechte Sache. Dann würden Politiker, AA, Beamte usw KEINERLEI RENTE RUHEGELDER ODER PENSIONEN erhalten. Aber wie sie es denn aus in diesen "Sozialstaat" aus? Da bekommen genau diese Gruppen die NICHTS- NULL- ZERO- in die Kasse eingezahlt haben die höchsten u fettesten Ruhegelder. Der keine Arbeitnehmer aber der fleißig eingezahlt hat verarmt immer mehr. Das ist "christlich, sozialdemokratisch"!!! Nein, dass ist asozial. Da kann man nur noch k...n! Und warum werden die Ruhegelder nicht endlich mal gedeckelt? Ich finde 5000 Eus sollte die absolute Obergrenze sein. Wer mehr Pension/Rente haben will kann sich ja privat Zusatzversichern. Aber nein, unsere Politiker machen es genau umgedreht. Der kleine Mann, der Arbeitslose oder Hartz Empfänger soll sich Zusatzversichern. Wie soll das gehn? Das ganze System ist krank u muss verändert werden ...

28.07.2019 10:02 Andy G. 106

27.07.2019 22:04 Maria A.
Ich habe selten so viel Unsinn gelesen. Es beginnt schon bei den Beiträgen zur Versicherung, z.B. als Polizist. Ein weiterer toller Vorteil des Beamten besteht darin, dass sie für Ihren Ehepartner, wenn er arbeitslos werden sollte die Beiträge zur Krankenversicherung aus eigener Tasche bezahlen dürfen, denn Familienversicherung gibt es in der PKV nicht. Viele Beamte wären viel lieber in der GKV, werden aber in die PKV gezwungen und kommen dort nicht wieder raus.

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27.07.2019 22:04 Maria A. 105

Bernd, nicht böse sein, es hieß doch immer, Beamte hätten keine Beiträge zu zahlen, nur den KV in eine Private nach eigener Wahl, sowie natürlich Steuern. Zudem - der Staatshaushalt ist EIN Topf. Und daraus geht das Geld in weitere Töpfe. Ich denke, das kann jeder Mensch anhand seiner "Haushaltskasse" nachvollziehen. Nicht nachvollziehen kann ich, wie so eine geringschätzige Ansicht entsteht, U40. Als würden Rentner Almosen bekommen. Auf dem Rentenbescheid sammeln sich ordentliche Summen an inklusive des gesamten Arbeitgeberbeitrages. Dass es keine Zinsen mehr gibt, dafür kann kein Leistungsträger. Übrigens, der durchschnittliche Rentenbezug lag lt. Statistik unlängst bei 14 Jahren. Wie schnell sind die um. Und wie lange währen, konkret in meinem Fall, 48 Einzahljahre. Was ermächtigt junge Menschen, selbst keine 20 Jahre in Lohn und Brot, herab zu würdigen, worauf die meisten Rentner zurück blicken, auf ein sehr langes Arbeitsleben? Ja, die beinahe Parasiten gleichzustellen?

27.07.2019 16:46 Bernd 104

26.07.2019 09:49 Michael Möller
Wie oft denn noch? Beamte bekommen keinen Cent aus der Rentenkasse, denn sie erhalten ihre Pension aus der Pensionskasse, in die sie auch einzahlen. Weiterhin werden Beamtenpensionen seit ewigen Zeiten, im Gegensatz zu Renten, zu 100 % besteuert.
Sie können doch auch Beamter werden, am besten bei der Polizei. Damit Sie überhaupt wissen wovon sie schreiben!

27.07.2019 13:10 Querdenker 103

Zitat: „Laumann sagte, Leute, die mehr als 5.000 Euro monatlich verdienen würden, hätten zu 75 Prozent Betriebsrenten, Menschen mit einem Einkommen unter 2.000 Euro dagegen nur zu 15 Prozent.“

Wovon sollen die Bürger das denn im Niedriglohnsektor bezahlen? Die CDU und die Agenda2010 Partei SPD sind Teil des Problems und sollten abgewählt werden.

siehe „fr Der Volltreffer von Schröder“
Zitat Gerhard Schröder (SPD) "Wir haben unseren Arbeitsmarkt liberalisiert. Wir haben einen der besten Niedriglohnsektoren aufgebaut, den es in Europa gibt."

Andere Länder haben es besser gelöst, als dieser neoliberale Unsinn in Deutschland. In Dänemark gibt es z.B. eine „Volksrente“ (siehe „Alterssicherung in fünf europäischen Ländern Masterarbeit“).

27.07.2019 13:07 HOPF L. 102

@93 Micha 27.07.2019,01:04 Uhr.Eigentlich wollte ich mich zu diesem Thema nichtmehr äußern.Aber bei soviel Ehrlichkeit bei Ihnen zu dem Konzept bei der AfD,zu dem Thema gesetzliche Rentenversicherung bis zur Beitrags-
bemessungsgrenze,möchte ich Ihnen mitteilen,daß die AfD zu diesem Thema,noch kein Rezept hat.Ich hatte bereits in der Vergangenheit mich per Mail,an den Prof.
Jörg Meuthen und Frau Dr.Frauke Petry gewandt.Auf eine Rückantwort warte ich heute noch.Frau Sabine Zimmermann,von der Partei die "Linke",sollte sich einmal als früheres SPD Mitglied,an den ausgewiesenen Rentenexperten der SPD Herrn Rudolf Dressler wenden.
Er wird Frau Zimmermann,darauf hinweisen,daß der gesetzlichen Rentenversicherung,infolge nicht völlig zurückgezahlten versicherungsfremden Leistungen,ab dem Jahre 1957-2017,788 Milliarden Euro fehlen.Das ist die bittere Wahrheit.Herrn Lafontaine sowie Seine Frau
Sahra Wagenknecht,habe ich per Mail,über diese Miß-
stände in der RV informiert.

27.07.2019 12:54 Pfingstrose 101

Ja das ist der Kaiptalismus, leben und leben lassen.

27.07.2019 11:23 Wessi 100

@ 94 "Lebensleistung" ist individuell.Hier geht es nicht um Aufrechnerei oder gar Neid, der irgendwie aus Ihrem post spricht, sondern darum, daß Menschen von dem, was sie individuell geleistet haben auch ohne Einkünfte des Partners leben müssen können.Eine "Bedürftigkeitsprüfung" schmälerte die individuelle Leistung+ist, da die kleinen Renten vor allem Frauen bekommen auch noch frauenfeindlich.Hier geht es keinesfalls um "genausoviel", denn wer "45 Jahre im Stahlwerk schuftete", hat ganz gewiß mehr als Grundrente, denn er war in der Regel Gewerkschafter+hat gut verdient+dazu noch eine Betriebsrente."Schuld" an niedrigen Renten haben die, die unorganisiert sind+die, die sogar Mindestlohn ablehnen, final: die Rechten, welcher Couleur auch immer.

27.07.2019 11:13 Auf der Sonnenseite des Lebens 99

@Peter 89Nicht nur, dass mehreren Millionen Rentnern mit kleinen Renten geholfen wäre, sie könnten auch ihre Ersparnisse behalten."

hatten sie nicht immer behauptet das die Rentner alle ein kleines Vermögen angehäuft hätten?
Woher der Sinneswandel, wegen der Wahlen doch nicht etwa?