Rentner im Landschaftspark Duisburg-Nord
Wie viel Geld bleibt im Alter zum Leben? Regional ist das sehr unterschiedlich. Bildrechte: dpa

Rentenangleichung Ost/West Ist die Rentenerhöhung im Osten de facto eine Rentenkürzung?

Seit dem ersten Juli bekommen Rentner in Deutschland mehr Geld. Im Osten steigen die Renten stärker als im Westen, denn bis 2025 sollen Ost- und Westrentner auf demselben Niveau sein. Endlich gleiche Rente für alle, das klingt nach mehr Gerechtigkeit. Doch die Sache hat einen Haken.

Rentner im Landschaftspark Duisburg-Nord
Wie viel Geld bleibt im Alter zum Leben? Regional ist das sehr unterschiedlich. Bildrechte: dpa

Ruheständler erhalten seit dem 1. Juli mehr Geld. Um 3,37 Prozent wurden die Renten im Osten angehoben, um 3,22 Prozent im Westen. Im Osten stiegen die Rentenansprüche also stärker – zumindest prozentual.

Das ist Teil eines Programms zur schrittweisen Angleichung der Renten in Ost und West. Derzeit erhalten Ostrenter nur knapp unter 96 Prozent der Westrente. Bis 2025 sollen sie dann bei 100 Prozent stehen, auch in der Rentenfrage wird damit endlich die deutsche Einheit vollzogen.

Mehr Geld für aktuelle Rentner

Dass die Renten deutschlandweit angeglichen werden, ist erstmal eine gute Nachricht und viele Jahr nach der Wiedervereinigung mehr als überfällig. Doch es gibt einen Haken. Die prozentuale Erhöhung betrifft nicht die ausgezahlte Rente, sondern den Rentenwert.

Real sind die Renten am ersten Juli exakt gleich stark gestiegen, nämlich um einen Euro pro Rentenwert. Im Westen erhöhte sich der Rentenwert damit von 31,03 Euro auf 32,03 Euro, im Osten von 29,69 Euro auf 30,69 Euro. Immerhin, es gibt deutschlandweit mehr Geld für Rentner, mit einer Erhöhung, die über der Inflation liegt und damit real im Portemonnaie zu spüren ist.

Weniger Geld für künftige Rentner

Für künftige Rentner im Osten ist die Angleichung bis 2025 allerdings keine gute, sondern eine schlechte Nachricht. Denn derzeit werden die Löhne, die als Grundlage der Rentenberechnung dienen, im Osten noch künstlich höher gerechnet. Damit soll ausgeglichen werden, dass der Durschschnittslohn im Osten noch immer deutlich unter dem im Westen liegt.

2018 werden Löhne im Osten zur Berechnung des Rentenanspruchs um 12,48 Prozent hochgerechnet. Doch diese Höherbewertung  sinkt ab 2019 jährlich ab, bis auf null Prozent im Jahr 2025.

Zugleich kann aber nicht erwartet werden, dass sich in diesen sieben Jahren die Löhne in Ost und West komplett angleichen. Nur dann wäre die Berechnung der Rentenansprüche für Arbeitnehmer in Ost und West tatsächlich gleich.

Denn wer weniger Lohn erhält, erhält dann auch weniger Rente. Die Unterschiede in Ost und West manifestieren sich auf Jahrzehnte. De facto werden die Ostrenten künftiger Generationen also mit der deutschlandweiten Angleichung der Rentenwerte im Jahr 2025 gekürzt.

Rentenangleich de facto Rentenkürzung

Damit sei die Rentenangleichung unter den aktuellen Bedingungen real eine Rentenkürzung für den Osten, sagt der Ostbeauftragte der Linken im Bundestag, Matthias Höhn. "Die Bundesregierung verschweigt, dass mit der Angleichung der Rentenerhöhung unter den gegebenen Bedingungen real eine Rentenkürzung für Ostdeutsche verbunden ist", so Höhn.

Anhand eines konkreten Beispiels hat Höhne eine faktische Rentenkürzung von bis zu zehn Prozent errechnet. Daran macht er eine systematische Benachteiligung der Ostdeutschen fest.

Dem widerspricht Reinhold Tiede von der Deutschen Rentenversicherung Bund. Es gebe viel größere regionale Unterschiede als die zwischen Ost und West, daher sollte man sich von diesem verbreiteten Vorurteil lösen und auf die tatsächlichen Unterschiede blicken. So ist etwa das Leben in einer Großstadt wie München viel teurer als auf dem Land – dieselbe Rente in der Großstadt also weniger wert.

Die Rentenhöhe wird in Ost wie West maßgeblich durch die Höhe des Lohns und damit die fällige Beitragshöhe bestimmt, sagt der Ostbeauftragte der SPD im Bundestag, Frank Junge. Das Langfristziel bei der Ost/West-Anpassung heiße also: Für eine reale Angleichung müssten vor allem die Löhne in Ost und West angeglichen werden. Doch bis zur geplanten Angleichung der Rentenwerte im Jahr 2025 wird das nicht der Fall sein.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 08. Juli 2018 | 10:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. Juli 2019, 10:00 Uhr

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58 Kommentare

05.08.2019 18:59 Manni 58

"Damit sei die Rentenangleichung unter den aktuellen Bedingungen real eine Rentenkürzung für den Osten".
Super Sache das und vor allem so sozial.

Aber eigentlich macht das den Kohl auch nicht mehr fett:

„Mit dem RV-Nachhaltigkeitsgesetz vom 21. Juli 2004 hat die damalige Bundesregierung Schröder beschlossen, dass das Rentenniveau ... im Jahre 2020 auf 46 Prozent und im Jahre 2030 auf 43 Prozent absinkt...Für die Zeit danach gibt es keine „Haltelinie“ mehr. Im Ergebnis verliert die Gesetzliche Rentenversicherung dadurch ihre Funktion einer Lebensstandardsicherung.“

Also was soll das Ganze noch?
Es gibt ab 2030 keine Rente mehr.
Punkt . Aus. Basta!

10.07.2018 14:48 Nelly 57

@ 52: Mit Ihnen ist eine sachliche Auseinandersetzung definitiv nicht möglich. Sie können nicht zwischen Argumenten und Polemik unterscheiden, Ihr vorgespieltes Faktenwissen ist, wie auch hier im Forum, In Wirklichkeit Pseudowissen. Die Fakten die Sie von anderen Usern einfordern, liefern Sie doch selbst nicht. Regelmäßig stellen Sie unbewiesene Behauptungen auf uns und diffamieren. Merken Sie das nicht?

10.07.2018 11:41 vino 56

Vino an Meditor 54 Wenn Sie unser Rentensystem als positiv bedrachten, habe ich nichts dagegen einzuwenden. Ihre Argumente sind für mich tolle Erkenntnisse. Rentner die gut Leben klagen auch nicht. Das Rentner zu zweit eine Rente beziehen die Tafel in Anspruch nehmen Könnten und Trotzdem happy sind, muß ich mich fragen in welchen Personenkreis sie verkehren , schon sehr beachtenswert. Das heißt aber für mich noch lange nicht das es langsam an der zeit ist dieses Rentensystem zu ändern und den heutigen Realitäten anzupassen.

10.07.2018 09:09 Chemiker 55

An Mediator, Sie sind mit Ihrer Osthetze in Ihrem Element. Sachliche Diskussionen mit Ihnen sind nicht möglich, da Sie hier, wie auch bei anderen Themen, stur den linksgrünen Mainstream benutzen und andere Meinungen belehrend als dümmlich darstellen.

09.07.2018 23:39 Meditor an vino (48) 54

Ohne dass ich behaupten will ein Rentenexperte zu sein, sehe ich unser Rentensystem durchauch positiv.
Es hat immerhin über Kriege und Staatszusammenbrüche hinweg funktioniert.
So unterschiedlich wie die Erwerbsbiographien der Menschen sind, so unterschiedlich ist die Rente. Von denen, die damit ein gutes Leben führen können hört man selbstverständlich keine Klagen. Letztendlich spiegelt die Rente das Erwerbsleben wieder und wer da Probleme hatte, der wird diese in der Rente wieder antreffen.
Dass das Rentensystem sich verändert ist logisch. Die Zahl der Beitragszahler sinkt während die Bezugszeit kontinuierlich ansteigt. Das kann nicht ohne Anpassungen gelingen.
Über manche Anspruchshaltungen hier muss ich oft lächeln. Ich kenne Menschen die beziehen zu zweit eine Rente, mit der man locker bei der Tafel auftauchen könnte. Trotzdem sind die jeden Monat ganz happy über die überwiesene Rente und freuen sich wie gut es ihnen im Vergleich zu früher seit bereits 25 Jahren geht.

09.07.2018 23:36 Johny 53

Man sollte für alle einheitlich das System der Beamtenpensionen übernehmen. Dort gibt es offensichtlich keine Probleme mit der Demografie, die wird aus Steuern finanziert und wird im Bundeshaushalt unter "Sozialausgaben" ausgewiesen - kein Wunder das die steigen. Da aber der Fürst des Schuldenturms in Frankfurt genügend Geld druckt, ist das Kein Problem.

09.07.2018 21:06 Mediator an Nelly (46) 52

Liebe Nelly,

wir geraten ja regelmäßig aneinander und wirkliche Argumente oder logische Herleitungen findet man bei ihren Angriffen mir gegenüber höchst selten.

Es hat übrigens nichts mit Inkompetenz gegenüber sozialen Problemen zu tun, wenn man schlicht und ergreifend analysiert, dass bei der Tafel nicht nur Menschen sind, die mit ihrem Geld nicht auskommen, sondern auch Menschen die schlicht und ergreifend das Essen als Sachleistung mitnehmen um mehr Bargeld zur freien Verfügung zu haben.

Die Tafeln gewähren Kundenkarten übrigens nicht nur Beziehern von Grundsicherung nach SGB II / SGB
XII, sondern auch bei Unterschreiten einer gewissen Einkommensgrenze. Die liegt in manchen Fällen deutlich über H4.

Also immer schön differenzieren statt pauschal anklingen zu lassen, dass jeder der zur Tafel geht ohne diese Hunger leiden müsste und vom Staat nicht ausreichend Unterstützung erhält.

09.07.2018 20:40 Fragender Rentner 51

@mattotaupa zu 19
Du schreibst: ... daß der umrechnungsfaktor 1973 bei 2,3637 und 1988 bei 3,2381 lag

Das ist eben falls nicht korrekt der lag in 1971 bei etwas über 5 und ist dann ca. 2 oder 3 abgeschmolzen wurde und liegt jetzt bei ca. 1,1...%.

Als Beispiel waren die EGP in 1975 wenn man 7.200,- M stehen hatte bei 0,8674 und weil ich krank war wurde mir nur 6.336,- M eingetragen und so bekam ich nur 0,7663 angerechnet.
Obwohl die Lohnauszahlung trotzdem über die 7.200,- M betrug und so wurde dann auch die FZR gemindert.

Es gibt zwar noch einen Ausgleich bei Krankheit nur gleicht er diese Minderung nicht ganz aus.

09.07.2018 20:07 Fragender Rentner 50

Was ich bei 1989 zu den EGP bei der Nr. 43 geschrieben habe, das bezieht sich auf meine Rente, da ich krank war und so weniger berechnet bekam, es gibt dann zwar eine Zurechnung nur ist sie dann nicht ganz so hoch wie bei Nr. 47 geschrieben steht.

So mindert sich halt auch die FZR, da sie ebenfalls wie die Rente berechnet wird.

Daher die Unterschiede bei den Beiden.

09.07.2018 17:51 Nelly 49

Da ist mir ein Fehler unterlaufen im Beitrag 42. Ich meine natürlich GRV und nicht GKV.

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