Rentnerin liest ihren Rentenbescheid
Beim Lesen der Rentenbescheide entstehen bei vielen Rentnern Fragezeichen im Kopf. Nach zahlreichen Beschwerden wurden die Schreiben jetzt überarbeitet. Bildrechte: imago

Kein Behördendeutsch mehr Rentenbescheide werden leichter verständlich

Schreiben von Behörden haben ihren eigenen Charme. Oft sind sie so formuliert, dass nur Verwaltungs-Experten damit etwas anfangen können. Der einfache Bürger hingegen ist mit den technokratischen Ausdrücken schlicht überfordert. Deshalb hat die Deutsche Rentenversicherung nun mit Hilfe von Sprachwissenschaftlern ihre Bescheide überprüfen lassen. Rund 10.000 Textbausteine wurden überarbeitet und verständlicher gemacht. Schon bei den nächsten Rentenbescheiden soll sich das niederschlagen.

von Frank Aischmann, Hauptstadtkorrespondent MDR AKTUELL

Rentnerin liest ihren Rentenbescheid
Beim Lesen der Rentenbescheide entstehen bei vielen Rentnern Fragezeichen im Kopf. Nach zahlreichen Beschwerden wurden die Schreiben jetzt überarbeitet. Bildrechte: imago

Was könnte der Rentenbescheid doch für ein erfreuliches Dokument sein. Schließlich muss die Rentenversicherung ausführlich und exakt begründen, wie viel Geld sie ab sofort monatlich überweisen wird. Wenn man nur wüsste, was genau die Zahlenkolonnen und die unpersönlichen Zwischentexte im durchschnittlich 18 Seiten dicken Rentenbescheid bedeuten.

Wir haben viele Rückmeldungen von den Rentnerinnen und Rentnern bekommen, dass sie unsere Bescheide nicht verstehen.

Dirk von der Heide, Deutsche Rentenversicherung Bund

Neun von zehn Bürgern verstehen amtliche Schreiben nicht

Deshalb heuerte die Behörde 2015 Burkhard Margies vom Forschungsinstitut für Öffentliche Verwaltung in Speyer an, um die Bescheide zu überarbeiten und bürgerfreundlicher zu machen. Im Rücken hatte Margies eine Erhebung des Allensbach-Instituts aus dem Jahr 2008. Danach gaben 86 Prozent der Befragten an, amtliche Schreiben zu verstehen. "Als ich diese Musterfälle das erste Mal betrachtet habe, bin ich auch überhaupt nicht durchgestiegen", gibt auch Margies zu.

Das ist ein typisches Beispiel von Experten-Laien-Kommunikation. Für Experten ist vieles so selbstverständlich, dass sie es nicht für erklärungsbedürftig halten.

Burkhard Margies, Forschungsinstitut für Öffentliche Verwaltung

Sprache muss klar und persönlich sein

Für die maschinell erstellten Rentenbescheide werden insgesamt rund 10.000 Textbausteine gebraucht. Eine Herausforderung, die zu vereinfachen. Die Formular-Vereinfacher wollten klar und persönlich schreiben, möglichst in kurzen Sätzen. Gleichzeitig mussten die Formulierungen natürlich rechtssicher sein.

Burkhard Margies erklärt die Schwierigkeiten: "Der Bescheid ist ja kein Lehrbuch über Verwaltungsrecht. Also haben wir versucht, langatmige Herleitungen zu vermeiden. Aber Begriffe wie Anrechnungszeit, beitragsfreie Zeit oder beitragsgeminderte Zeit, muss man schon erläutern. Das sind nämlich Begriffe, mit denen das Versicherungsleben kategorisiert wird."

Bürger sollen sich im Staat wohl fühlen

An der Rentenhöhe wird mehr Verständlichkeit keinen Cent ändern. Also nur kosmetischer Schnickschnack? Burkhard Margies widerspricht: "Es geht auch darum, dass man sich als Bürger in dem Staat wohl fühlt, in dem man lebt. Es darf nicht das Gefühl aufkommen: Die da oben machen doch sowieso was sie wollen und ich kann ja gar keinen Einfluss nehmen. Nein, ich als Bürger bin dem Staat etwas wert. Und diese Wertschätzung drückt sich auch in einer klaren und persönlichen Sprache aus." Bürgerfreundlichere Bescheide – ein erstaunlich aufwendiges und langwieriges Projekt.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 13. Juli 2018 | 06:17 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. Juli 2018, 08:01 Uhr

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5 Kommentare

13.07.2018 15:52 Fragender Rentner 5

Zitat von Oben: Rentenbescheide werden leichter verständlich

Man soll wohl noch eher verstehen, dass die Rente nicht mehr wird?

Dann eben privat vorsorgen und so den Versicherungen Geld zukommen lassen, was natürlich hohe Kosten verurschacht.

Es müßte so ein System bei der RV geben was sehr wenig Kosten verursacht.

13.07.2018 13:24 mattotaupa 4

@#2: woher soll die rentenversicherung wissen, welche steuern im aktuellen jahr für sie anfallen? das weiß noch nicht mal das fürs steuerrecht zuständige finanzamt. der steuerbescheid fürs letzte jahr wird vom zuständigen finanzamt aufgrund der dortigen kenntis der gesamten steuerpflichtigen einkünfte und der gesetzlich bestimmten zuständigkeit fürs steuerrecht erteilt, die daten sind der rentenversicherung nicht bekannt - wozu auch? weigern sie sich ihren steuerbescheid zu lesen oder warum soll die rentenversicherung, als unzuständige stelle, sie über den inhalt eines ihr grundsätzlich unbekannten steuerbescheides informieren? es gibt berechtigte kritik an formulierungen juristischer inhalte an nicht-juristen aber ihre forderung hat damit rein gar nichts zu tun.

13.07.2018 10:27 Fragender Rentner 3

Na da wird wohl bestimmt bald jeder wissen und verstehen, wenn er/sie weiterhin so geldverdienen, was sie dann haben könnten. :-)

13.07.2018 08:22 Lilly 2

"Rentenbescheide werden leichter verständlich"

das ist doch einfach,
einfach fett druterschreiben wieviel Steuern aktuell im Jahr fällig waren und wieviel es vergangenes Jahr waren.

Das kann doch nicht so schwer sein.

13.07.2018 08:18 OHNEWORTE 1

Bürger sollen sich im Staat wohl fühlen ....

H4 empfaenger fuehlen sich wohl,alleinerziehende mit Kinder fuehlen sich wohl,Leiharbeiter fuehlen sich wohl wenn die Leiharbeiterfirma sich vergroessert und der Chef immer gute Autos kauft ...

Flaschensammeln ist dann nur der Fruehsport und die Alten helfen beim Aufraeumen.....

Experten - Laien Kommunikation.
Von Alexis Computer Experte zu Mensch .....

Aber man gibt die Hoffnung nicht auf ,denn es laufe viele Massnahmen,Militaerreform,Rentenreform,Gesundheitsreform,Landwirtschaftsreform,Justizreform, alles wird reformiert ......

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