Eintritt in die Steuerpflicht Mit der Rentenerhöhung steigt die Steuerlast

Zum 1. Juli steigen die Renten. Aber: Immer mehr Rentner in Deutschland zahlen Steuern. Dadurch kann es passieren, dass von den Rentenerhöhungen kaum etwas in der Tasche landet.

von Carolin Haentjes, MDR AKTUELL

Die Sache mit den Steuern kann kompliziert werden. Vor allem, wenn man sich als Rentner zum ersten Mal im Dschungel der ganzen Regelungen zurecht finden muss: Für die gesetzliche Rente, für private Vorsorge und Witwenrente gelten verschiedene Steuersätze.

Das ist sehr kompliziert für die Rentner. Und so können sie nicht alle Möglichkeiten geltend machen, um Steuern zu sparen.

Katharina Te Heesen, Bund der Steuerzahler

Das kann zu einem echten Problem werden – vor allem wenn die Rente ohnehin schon knapp ist.

Immer mehr Rentner werden steuerpflichtig

Die steigende Steuerbelastung der Rentner geht auf das "Alters-Einkünfte-Gesetz" von 2005 zurück. Seitdem werden die Beiträge zur Altersvorsorge schrittweise steuerfrei, während Renten schrittweise stärker belastet werden. Wer dieses Jahr in Rente geht, muss 78 Prozent seiner Rente versteuern – wer nächstes Jahr in Rente geht, für den sind es 80 Prozent. Jedes Jahr zwei Prozentpunkte mehr.

Das führt dazu, dass immer mehr Rentner steuerpflichtig werden. Entsprechend können die Rentenerhöhungen zum 1. Juli auch zu höheren Abgaben führen.

Im schlimmsten Fall reicht er die Rentenerhöhung, die er bekommen hat, direkt durch. Dann hat er am Ende des Tages genauso viel wie vorher oder weniger.

Andrea Krukowski, stellvertretende Vorsitzende des Vereins "Lohnsteuerhilfe für Arbeitnehmer"

Denn mehr Rente heißt: mehr Einkommen. Es kann also bedeuten, dass man bei anderen Sozialleistungen weniger bekommt. Zum Beispiel beim Wohngeld.

Besser privat vorsorgen

Angesichts der steigenden Belastung von Rentnern schlägt die FDP vor, die private Altersvorsorge staatlich zu fördern. Am Rande des FDP-Parteitags sagte der Abgeordnete Frank Schäffler, der das Thema dort auf die Tagesordnung gehoben hatte: "Entscheidend ist auch, welche Anreize der Staat setzt, fürs Alter vorzusorgen. Deshalb fordern wir, dass ein Altersvorsorge-Depot geschaffen wird, wo man auch in Aktien und Aktienfonds einzahlen kann, damit unterm Strich mehr rauskommt."

Andrea Krukowski vom Lohnsteuerhilfeverein glaubt, dass das nicht gegen Altersarmut helfen wird. "Die Rentner, von denen wir hier reden, haben keinen Cent übrig, um derartige Anlage-Aktionen machen zu können." Stattdessen sollten der Freibetrag angehoben und die Steuererklärung vereinfacht werden.

Steuererklärung muss einfacher werden

Das sagt auch Katharina Te Heesen vom Bund der Steuerzahler: "Das Steuerrecht ist dahingehend einfach viel zu kompliziert." Sie fordert, dass der Steuerfreibetrag immer parallel zu einer Rentenerhöhung angehoben wird, "sodass man nicht durch die Steuer in eine Existenzgefährdung kommt".

Bis 2040 alle Rentner steuerpflichtig

Bis Ende 2004 waren nur die Rentner steuerpflichtig, die relativ hohe Bezüge hatten. Der Großteil blieb unter der Freigrenze. Mit dem 1. Januar 2005 wurden dann 50 Prozent einer Rente steuerpflichtig, und das sowohl für diejenigen, damals bereits Rente bezogen, als auch Neurentner.

Die Rentensteuer betraf zunächst eine relativ kleine Gruppe an Ruheständlern. Sie wächst aber jährlich, weil durch Rentenerhöhungen die Altersbezüge über den Grundfreibetrag steigen.

Mit jedem neuen Rentner-Jahrgang sinkt zudem der Grundfreibetrag, ab die Rentensteuer fällig wird. Bis 2040 sollen Renten und Alterspensionen komplett versteuert werden.

Im Gegenzug werden die von Arbeitnehmern eingezahlten Rentenbeiträge über die Jahre immer stärker von der Einkommenssteuer freigestellt. Künftig sollen dann alle Beiträge zur Altersvorsorge von der Steuer abgesetzt werden können.

Im Dezember 2016 erklärte das Bundesverfassungsgericht die Besteuerung von Renten für rechtmäßig.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 28. April 2019 | 15:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. April 2019, 05:00 Uhr

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142 Kommentare

30.04.2019 15:49 Gaihadres 142

@Nr.81: Die Tabellen werden gern zu Felde gezogen, aber sie sind nur ein Teilaspekt. Es wird immer unterschlagen, dass die Rente zum einen ein Durchlaufposten ist. Es ist kein kapitalgedecktes System. Es müssen nur Reserven für drei Monate gehalten werden. Wichtiger ist aber, dass die Rente seit langem durch Steuergelder aufgestockt wird. Die von Ihnen angeführten 918 Milliarden Euro werden dadurch laufend und im überdimensionierten Sinne abgeschmolzen. Fakt ist, dass man versäumt hat die Rente seit den 70igern in ein Kapitalgedecktes System zu überführen. Die heutigen Rentner haben also ihr Rentenkapital (gesellschaftlich gesehen) bereits laufend verkonsumiert und die nachfolgenden Generationen müssen nun dafür aufkommen. Gesellschaftlich und politisch gesehen sind die Nachkriegsgenerationen Schuldig.

30.04.2019 15:38 Sabrina 141

Zitat:
"Angesichts der steigenden Belastung von Rentnern schlägt die FDP vor, die private Altersvorsorge staatlich zu fördern."
Bekommt die private AlterRentenVersicherung nicht genügend ausreichend hohe Neuabschlüsse, dann bricht das Schneeballsystem zusammen.
Das gehört nicht staatlich gestützt, sondern gesetzlich verboten.

30.04.2019 10:27 Wessi 140

@ 131 ...da haben Sie Recht.Alle Schutzsuchenden die mittlerweile in die Rentenkasse einzahlen, sollen später auch eine Rente bekommen.Ein Teil wird auch darauf auch Steuern zahlen müssen. Ich bin auch nicht bereit für die aufzukommen die NIE in die Rentenkasse eingezahlt haben.Z.B. Deutsche die mehrere € 450,00-Jobs haben+in jungen Jahren damit gut hinkommen, um sich im Alter dann in die soziale Hängematte zu flegeln.Gibts viele.Flüchtlinge sind in d.Regel fleissiger.Übrigens: auch Kohfeld weiß, daß Hamburg nicht in Ostfriesland liegt (siehe seinen post @ 129)...er zählt es aber, um mich zu provozieren, dazu.

30.04.2019 10:22 Montana 139

30.04.201908:27 Helmut Meyer
Ein Rentner ist in Deutschland ein Sklave.
Der Staat beutet die Rentner rechtlich und wirtschaftlich aus.
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Sie sagen es. Wer das Gegenteil behauptet, lügt. Punkt

30.04.2019 08:27 Helmut Meyer 138

Ein Rentner ist in Deutschland ein Sklave.
Der Staat beutet die Rentner rechtlich und wirtschaftlich aus.
Es ist richtig Steuern zu bezahlen.
Beamte zahlen auch Steuern, nur der Unterschied ist bei dem Beamtenversorgungen wird ein höheres Ruhegehalt gezahlt. ca.35% mehr.
Ich kenne keinen Beamten der vergleichbar im unteren oder mittleren Dienst ist, nach 48 Jahren Arbeit (Erzieherin) 1425,00€ netto bekommt.
Wie soll man da in München weiterleben?
Der Versorgungsempfänger hat im Jahr 2018 wiedermal Weihnachtgeld bekommen. (Super)
Der Staat weiß genau wieviel man eigentlich zum Leben benötigt.
Betriebsrenten werden versteuert und die volle Krankenversicherung von 15,7% werden ohne Leistung Erhöhung abgezogen. (Betrug)
Fazit ist diesen Betrug hinnehmen oder Sklavenaufstand.
In Österreich ist jeder ein Pensionär?????????



30.04.2019 07:07 Wo geht es hin? 137

@Ullrich - Zitat von Ihnen: "Wie hoch ist denn die Armutsgrenze und wie hoch muss die Rente sein, die ein Rentner der 2019 in Rente geht bekommt und darauf Steuern bezahlen muss." Zitat Ende. da mach ich das mal. Die offizielle Armutsgrenze liegt derzeit bei 781 €. In D gelten demnach über 20 Prozent der Bevölkerung als von Armut oder sozialer Ausgrenzung betroffen. Wenn Ihnen diese Zahlen allein nicht schon als Schande genug vorkommen, können wir gerne über Steuern auf schon versteuertes Geld weiterreden.

29.04.2019 22:00 Orrnee 136

Das Land, in dem wir gut und gerne leben!

29.04.2019 20:38 Auf zum letzten Gefecht! 135

@Manni 130

"Mit dem RV-Nachhaltigkeitsgesetz vom 21. Juli 2004 ..."

Kabinett Schröder II, die SPD, war ja klar!

29.04.2019 20:28 Sille Pawelzik 134

Nach 10 Jahren Mobbing durch meinen Vorgesetzten bin ich 2014 endlich mit Burnout und schwersten Depressionen zusammengebrochen und Anfang 2015 in die Reha gegangen. War aber wohl nicht wirklich gesund und habe Mitte 2016 einen Suizidversuch gemacht. Danach haben mir die mich behandelnden Ärzte geraten, die Erwerbsunfähigkeitsrente zu beantragen. Ist auch sehr schnell bewilligt worden. Bin immer noch in psychiatrischer Behandlung.
Bin also unverschuldet in diese Rente gegangen, die nicht so hoch ist, wie meine normale Altersrente wäre. Und auch ich darf auf diese Rente ebenfalls Steuern zahlen.
Da fehlen mir echt die Worte!

29.04.2019 18:52 Ullrich 133

Mensch ekki
Wie hoch ist denn die Armutsgrenze und wie hoch muss die Rente sein, die ein Rentner der 2019 in Rente geht bekommt und darauf Steuern bezahlen muss.
Beantworte das einmal, bevor du behauptest, dass alle Rentner, welche keine Steuern auf ihre Rente bezahlen arm sind denn das ist Populismus!