Rente muss zum Leben reichen steht auf dem Rücken eines Demonstranten
Ein sinkendes Rentenniveau heißt nicht, dass auch die Rente des Einzelnen schrumpft. Bildrechte: dpa

Hintergrund Was bedeutet das Rentenniveau?

48 Prozent: Diese Zahl bestimmt derzeit die Rentendebatte. Denn auf diesem Niveau sollen die Altersbezüge bis 2025 bleiben. Doch das Rentenniveau stellt nicht das Verhältnis zwischen dem letzten Gehalt und der Höhe der eigenen Rente dar, wie der Begriff vielleicht vermuten lässt. Das Rentenniveau ist eine statistische Größe, ein Konstrukt. Und wenn das Rentenniveau - wie befürchtet - sinkt, hat dies keine direkte Auswirkung auf die eigentliche Rente.

Rente muss zum Leben reichen steht auf dem Rücken eines Demonstranten
Ein sinkendes Rentenniveau heißt nicht, dass auch die Rente des Einzelnen schrumpft. Bildrechte: dpa

Das Rentenniveau - eine statistische Größe

Das Rentenniveau gibt das Verhältnis der sogenannten Standardrente zum aktuellen Durchschnittsgehalt in Prozent an. Beide Werte werden jedes Jahr neu berechnet auf Basis der Nettosummen vor Steuern. Das bedeutet, dass von der Standardrente sowie vom Durchschnittsverdienst die Sozialabgaben (Kranken- und Pflegeversicherung etc.) abgezogen werden.

Ein Zahlenbeispiel für das Jahr 2017: Nach Berechnungen der Deutschen Rentenversicherung betrug der Durchschnittsverdienst 30.661 Euro netto, die Standardrente wird mit 14.772 Euro beziffert und beträgt damit 48,1 Prozent des Durchschnittsverdienst = das Rentenniveau 2017.

Die Standardrente - ein fiktiver Mittelwert

Dabei bildet die Standardrente ebenfalls nur einen Mittelwert ab: Sie geht von 45 Arbeitsjahren mit Beiträgen zur Rentenversicherung sowie dem deutschen Durchschnittsverdienst aus. Allerdings dürften nur wenige der derzeit rund 21 Millionen Rentnerinnen und Rentner diese musterhafte Ausgangslage erreichen. In der Praxis müssen viele mit einer sehr viel niedrigeren Rente auskommen.

Warum sinkt das Rentenniveau?

Das eigentliche Ansinnen, dass die Renten im Grunde der Lohn-Entwicklung folgen sollen, funktioniert schon seit Jahren nicht mehr. Einer der Hauptgründe: Wegen sinkender Geburtenraten muss eine schrumpfende Zahl von Beitragszahlern eine wachsende Zahl von Rentnern finanzieren. So kommen heute auf 100 Erwerbstätige, die Beiträge in die Rentenversicherung einzahlen, 60 Rentnerinnen und Rentner – im Jahr 2030 wird dieses Verhältnis nach Prognosen der Deutschen Rentenversicherung bei etwa 1 zu 1 liegen. Zudem leben die Menschen immer länger, beziehen also auch länger Rente.

Dieser Trend sowie einige weitere Rechenfaktoren (zum Beispiel Nachhaltigkeits- und Beitragssatzfaktor) führen dazu, dass die Renten langsamer steigen als die Löhne. Damit sinkt das Rentenniveau.

So hat sich das Rentenniveau seit dem Jahr 2000 entwickelt

Entwicklung des Rentenniveaus seit 2000 in Zahlen
Jahr Durchschnittsverdienst (in Euro) Standardrente (in Euro) Rentenniveau (in Prozent)
2000 23.341 12.356 52,9
2003 24.244 12.925 53,3
2006 24.501 12.796 52,2
2009 25.101 13.055 52,0
2012 27.249 13.465 49,4
2015 29.253 13.955 47,7
2016 29.880 14.367 48,1
2017 30.661 14.772 48,2

Wie wirkt sich das Rentenniveau auf meine Rente aus?

Der Abwärtstrend beim Rentenniveau wirkt sich nicht direkt auf die Brutto-Renten aus. Das heißt, Rentner bekommen auch nicht automatisch weniger Geld. Denn ein Absinken der tatsächlichen Rente ist durch die sogenannte Rentengarantie gesetzlich sogar ausgeschlossen.


Zudem gab es gerade in den vergangenen Jahren deutliche Rentenerhöhungen. Trotzdem sinkt das Rentenniveau, weil die Einkommen im selben Zeitraum eben stärker gewachsen sind.

Das Rentenniveau ist für viele Menschen unverständlich. Viele Menschen denken: Wenn das Rentenniveau sinkt, dann sinkt auch die Rente. Das ist falsch. Die Rente wird auch in den nächsten Jahren ansteigen, nach den Vorausberechnungen um rund zwei Prozent im Schnitt.

Dirk von der Heide, Pressesprecher der Deutschen Rentenversicherung Bund

Bis 2025 Abwärtstrend gestoppt

Nach einer Prognose der Deutschen Rentenversicherung liegt das Rentenniveau im Jahr 2030 bei 44,3 Prozent. Real steigen die Renten bis dahin garantiert weiter an, doch würden sie mehr und mehr von der Lohnentwicklung abgekoppelt sein. Das heißt, dass der Standardrentner (siehe oben) nur noch 44,3 Prozent des deutschen Durchschnittslohns erhält.

Um zunächst bis 2025 gegenzusteuern, hat die Bundesregierung Ende August ein Rentenpaket beschlossen. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) will damit eine "doppelte Haltelinie" schaffen. Zum einen soll das Rentenniveau bis 2025 auf dem heutigen Stand von 48 Prozent gehalten werden, zum anderen sollen die Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung bis dahin nicht über 20 Prozent steigen (derzeit 18,6 Prozent).

Danach wird es teuer

Was danach kommt, ist noch unklar. Eine weitere Stabilisierung zum Beispiel bis zum Jahr 2040 wird in jedem Fall sehr teuer: Nach Berechnungen des Rentenexperten Axel-Börsch Supan müssten dafür insgesamt 493 Milliarden Euro aufgewendet werden, 50 Milliarden Euro allein im Jahr 2040.

Um das Rentenniveau bei 48 Prozent zu halten, sieht der Rentenexperte zwei Möglichkeiten: Steuern oder Rentenbeiträge erhöhen. So müsste die Mehrwertsteuer 2030 um vier Prozentpunkte auf 22 Prozent steigen. Oder die Beiträge zur Rentenversicherung müssten 2040 auf mehr als 25 Prozent angehoben werden.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 28. August 2018 | 20:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. September 2018, 14:36 Uhr