Bericht der "taz" Bundeswehr-Reservisten bereiteten sich auf "Rassenkrieg" vor

Reservisten der Bundeswehr haben einem Medienbericht zufolge Vorbereitungen für einen "Rassenkrieg" getroffen. Das berichtet die "taz" und beruft sich unter anderem auf Facebook-Chats der Gruppe. Demnach waren die Reservisten seit September 2015 aktiv und tauschten sich etwa über die Beschaffung von Waffen aus. Auch Schießtrainings habe es gegeben.

Marschierende Soldatinnen und Soldaten.
Die Bundeswehr untersucht erneut mögliche rechtsextreme Umtriebe in den eigenen Reihen. Bildrechte: imago/Deutzmann

Mehrere Reservisten der Bundeswehr haben sich einem Medienbericht zufolge im Internet als Gruppe organisiert, in der über private Bewaffnung und einen möglichen "Rassenkrieg" diskutiert wurde. Die "taz" beruft sich bei ihren am Freitag veröffentlichten Recherchen unter anderem auf geleakte Facebook-Chats, in denen sich Mitglieder der Gruppe von September 2015 an ausgetauscht hätten. Darin fänden sich zahlreiche rassistische Äußerungen.

Verteidigungsministerium ermittelt

Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums erklärte am Samstag, dass umgehend mit der Überprüfung der Angaben begonnen worden sei. Es lägen aber noch keine Ergebnisse vor. "Wir nehmen den Vorgang sehr ernst und arbeiten mit Nachdruck an der vollständigen Aufklärung des Sachverhalts", sagte der Sprecher. Für Rechtsextremismus gebe es keine Toleranz in der Bundeswehr.

Dem Bericht der "taz" zufolge plante die Gruppe, sich in einem Krisenfall in ein Dorf in Nordsachsen zurückzuziehen, um sich dort zu verbarrikadieren und militärisch zu verteidigen. Vor dem Hintergrund des Zuzugs von Flüchtlingen im Jahr 2015 sprachen die Männer und Frauen demnach von einem kommendem "Rassenkrieg". Es sei auch über eine teils illegale Beschaffung von Waffen und Munition gesprochen worden. Außerdem habe es regelmäßige Schießtrainings gegeben.

Mitglieder aus Sachsen und Sachsen-Anhalt

Die Zeitung berichtet weiter, dass Mitglieder der Gruppe aus Sachsen und Sachsen-Anhalt dem rechtsextremen Spektrum zuzuordnen seien. Es gebe auch Bezüge zur AfD-Fraktion im Landtag von Sachsen-Anhalt, zu einer Burschenschaft in Leipzig sowie zum Reservistenverband Sachsen.

Einer der Männer hat den Angaben zufolge jüngst in einem Corona-Krisenstab eines Landkreises in Sachsen-Anhalt gedient, ein anderer als Reservist zum Einsatz bereit gestanden.

Aufklärung gefordert

Der innenpolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion in Sachsen-Anhalt, Rüdiger Erben, sprach von einem höchst besorgniserregenden Vorgang: "Solche Leute müssen aus der Bundeswehr und erst recht aus unseren zivilen Katastrophenschutzbehörden ferngehalten werden."

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 05. Juni 2020 | 18:00 Uhr