Wagenknecht abgelöst Habeck ist neuer "Polit-Talkshow-König"

Er ist nicht mehr bei Twitter, dafür war er im Fernsehen omnipräsent. Die Rede ist von "Talkshow-König" Robert Habeck. Kein anderer Spitzenpolitiker war 2018 so oft in den Polit-Talkshows von ARD und ZDF zu sehen wie der Grünenchef. Das ist das Ergebnis einer Analyse vom Redaktionsnetzwerk Deutschland. Was bringt es Politikern, ständig zu talken?

von Niklas Ottersbach, MDR AKTUELL

Maybrit Illner, Sandra Maischberger, Anne Will oder Frank Plasberg: Sie alle hatten 2018 in Robert Habeck einen Lieblingsgast. Insgesamt 13 TV-Auftritte legte der Grünenchef dort hin.

Der TV-Aufstieg von Habeck hat für Rhetorik-Coach Jörg Abromeit mehrere Gründe: Zum einen ist der Grünenpolitiker erst seit einem Jahr Parteichef. Also, bundespolitisch erst 2018 so richtig in Erscheinung getreten. Damit gelte er in Talk-Kreisen noch als unverbrauchtes Gesicht. Und Habeck entspreche nicht dem Klischee der Grünen.

Die Grünen haben ja lange ein Image der Besserwisserpartei gehabt.

Jörg Abromeit, Rhetorik-Coach

Robert Habeck hingegen sei absolut volksnah und pragmatisch. Außerdem verfüge er über einen hohen Sympathie-Grad bei den Leuten. Das sei der Grund, warum man ihn auch gerne einlade.

Politischer Erfolg und TV-Präsenz nicht deckungsgleich

Was auffällt: Besonders gerne werden Oppositionspolitiker eingeladen. Mit einer Ausnahme: Die AfD ist in den Top Ten der beliebtesten Talkshow-Gäste nicht dabei. Dennoch hatte die AfD letztes Jahr in Umfragen zwischenzeitlich mit 18 Prozent die SPD überholt. Politischer Erfolg und TV-Präsenz sind nicht immer deckungsgleich, sagt Politikwissenschaftler Benjamin Höhne vom Institut für Parlamentarismusforschung. Beliebt seien demnach die Rebellen, die sich an bestimmten Punkten von ihrer eigenen Partei distanzierten:

"Wohingegen der Parteipolitiker in der eigenen Partei genau dann Erfolg hat, wenn er sich in den Mainstream einordnet. Und insofern sieht man ja auch, wenn man sich die Liste anschaut: Da ist dann Frau Wagenknecht dabei, die ja durchaus in vielen Positionen sehr kontrovers diskutiert wird. Sodass man nicht gleich sagen kann: Medialer Erfolg ist gleich politischer Erfolg."

Sarah Wagenknecht (Franktionsvorsitzende DIE LINKE) bei ihrer Rede auf dem Parteitag.
Sarah Wagenknecht gerät oft mit Leuten aus der eigenen Partei aneinander. Unter anderem deshalb ist sie ein beliebter Talkshow-Gast. Bildrechte: IMAGO

Sahra Wagenknecht ist nun die Ex-Talk-Königin. 2016 und 2017 hatte die Linken-Fraktionschefin noch die Krone auf. 2018 landete sie auf den hinteren Talk-Rängen.

Nur ein kleiner Kreis regelmäßiger Gäste

Ein guter Talk-Gast müsse Bekanntheit mitbringen, Allrounder sein, auf den Punkt sprechen. Am besten mit Spitzenamt oder spitzen These. All das verkleinere die Gästeauswahl, sagt Rhetorik-Coach Jörg Abromeit mit Blick auf die deutschen Polit-Talks:

"Dann sehen Sie, dass es tatsächlich nur zwei, drei Hände voll Leute gibt, die immer wieder eingeladen werden. Das heißt, man lädt in erster Linie Leute ein, die es gut können. Die das Format gut bespielen können. Und ich muss als Redaktion auch erst mal die Leute kennen, die es gut können."

Nach der Meinung der Talkshow-Redaktionen sind das meistens Männer. Politiker wurden 2018 doppelt so oft eingeladen, wie Politikerinnen. Bei den Gastgebern ist das Verhältnis genau umgekehrt: Drei der vier öffentlich-rechtlichen Polit-Talkshows werden von Frauen moderiert.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 12. Januar 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Januar 2019, 05:00 Uhr

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36 Kommentare

13.01.2019 15:48 INFO 36

Die 36-jährige Ska Keller und der 48-jährige Sven Giegold führen die Liste der Ökopartei für das Europäische Parlament zur Wahl im Mai 2019 an. Beide sind bereits EU-Parlamentarier, Keller führt die Grünen-Fraktion. Sie erhielt am Samstag 87,57 Prozent der Delegiertenstimmen, Giegold 97,88 Prozent. Giegold stellte den Umweltschutz, das klassische grüne Thema in den Mittelpunkt. Er kündigte an, die EU-weite Abstimmung kommendes Jahr zur „Klimawahl“ zu machen. Vor allem die Deutschen müssten wieder stärker für den Klimaschutz eintreten, die schwarz-rote Bundesregierung versage hier. „Wir müssen heute von Europa zum Klimaschutz getrieben werden, das ist so peinlich“, beklagte er. In der Flüchtlingspolitik wollen die Grünen nach dem von 850 Delegierten ausgearbeiteten Programm künftig an den EU-Außengrenzen anders vorgehen. Das Dublin-System, wonach Schutzsuchende im zuerst betretenen EU-Land Asyl beantragen müssen, sei gescheitert, heißt es. Es brauche ein neues Verteilungssystem.

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13.01.2019 13:19 jochen 35

Für meine Begriffe sind solche Parteimitglieder unseriös bis zum geht nicht mehr.
Wer solchen Öko-Scharlatanen seine Stimme gibt, der hat verloren und derjenige schädigt damit unser Land.

13.01.2019 13:05 Gerd Müller 34

sächsischen Grünen fordern: "Tu was gegen rechts!"

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13.01.2019 10:08 Wo geht es hin? 33

@Gerd Müller - Zitat von Ihnen: "Grün ist unsere Zukunft! Wenn man sich mal mit Verstand überlegt, dass Extremisten unser tolles Land in der Entwicklung in die 1960 Jahre zurück befördern will, dann kann einem schlecht werden." Zitat Ende. Wenn diese Konstellation wirklich kommen sollte, werden Sie sich dort sehr wohl fühlen. Vorausgesetzt, Sie stehen auf mittelalterliche Lebensverhältnisse für die einfachen Menschen. Wenn nicht, werden Sie sich die 60 iger Jahre dann sehr bald wieder herbeisehnen, denn die Grünen machen (genaus so wenig wie die anderen Parteien) Politik für die einfachen Menschen sondern in 1. Linie für sich selbst und die Befriedigung ihrer Profilneurosen. Koste es, was es wolle - denn DIE müssen die Folgen ja NICHT ausbaden. Das werden Sie sein, ich und viele weitere.

12.01.2019 22:24 Paule 32

Ein breites Bündnis sollte mal Rasierklingen spenden.

12.01.2019 19:23 Hans 31

Populisten wie er, KGE, Anna Lena Baerbock ... kommen bei einigen Leuten gut an.

12.01.2019 18:49 Anne 30

"Robert Habeck hingegen sei absolut volksnah und pragmatisch."
Seine Nähe zum Volk, konnte man in den vergangenen Tagen lesen.

12.01.2019 18:47 Johny 29

Teilnahmen an Talkshows Will, Plasberg, Illner, Maischberger 2018:
CDU/CSU 114 (38 %)
SPD 74 (25 %)
Grüne 46 (15 %)
FDP 27 (9 %)
Linke 24 (8 %)
AfD 13 (4 %)
Auch wenn die Einladungen nicht unbedingt die Kräfteverhältnisse im BT widerspiegeln können, ist die Benachteiligung der AfD eindeutig. Da die AfD oft den Meinungsgegenpol bildet, müßte die eigentlich auch eher eingeladen werden und nicht die, die sowieso einer Meinung sind.

12.01.2019 18:13 NRW-18 28

@ 24 Harzfreund
Vielen Dank für die Info über Frau Baerbock. Wenn es nicht so traurig wäre, dass eine Grüne mit Abitur und sogar abgeschlossenem Studium solche Dinge vom Stapel lässt, würde ich loslachen.
Fragt sich nur, ob der promovierte Philosoph Habeck bessere Kenntnisse hat. Schließlich gab es an seinem Wohnort vor wenigen Tagen einen mehrstündigen Stromausfall, den man anfangs den dänischen Nachbarn anlasten wollte.

12.01.2019 18:04 Gerd Müller 27

Grün ist unsere Zukunft! Wenn man sich mal mit Verstand überlegt, dass Extremisten unser tolles Land in der Entwicklung in die 1960 Jahre zurück befördern will, dann kann einem schlecht werden. Aber es hat auch niemand gesagt, dass eine Alternative eine Verbesserung sein muss. Sie ist nicht mal sinnvoll.