Nord Stream 2 Landrat: US-Drohbrief gegen Sassnitz macht fassungslos

Der Drohbrief von drei US-Senatoren gegen den Fährhafen Sassnitz-Mukran sorgt für Entsetzen. Die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, Schwesig, nannte die Drohungen absolut inakzeptabel. Der Landrat des Kreises Vorpommern-Rügen, Kerth, warnte, die Drohungen als Säbelrassen abzutun.

Das Verlegeschiff «Audacia» des Offshore-Dienstleisters Allseas verlegt in der Ostsee vor der Insel Rügen Rohre für die Gaspipeline Nord Stream 2
Die drei US-Senatoren drohen mit Sanktionen, wenn sich Mitarbeiter des Hafens an der Fertigstellung der Gasleistung Nord Stream 2 beteiligen. Bildrechte: dpa

Der Drohbrief von drei US-Senatoren gegen den Fährhafen Sassnitz-Mukran sorgt vor Ort für Entsetzen. Der Landrat des Kreises Vorpommern-Rügen, Stefan Kerth (SPD), warnte am Freitag im Nachrichtenradio MDR AKTUELL, "dass die Drohungen aus den USA kein Säbelrassen sind, die keine Auswirkungen hätten."

Kerth: Brief ist "stumpfe Machtdemonstration"

Kerth sagte, ein Dementi aus den USA, dass der Brief das Schreiben eines Lehrlings sei, habe es bislang nicht gegeben. Insofern müsse man alles sehr ernst nehmen.

Blick auf den Hafen 'Mukran Port' an der Küste der Insel Rügen, 2018
Blick auf den Hafen "Mukran Port" auf Rügen, 2018. Bildrechte: dpa

Kerth sagte weiter: "Wir glaubten, wir leben im 21. Jahrhundert und haben bestimmte Begrifflichkeiten überwunden." Er bezeichnete den Brief der Senatoren als "stumpfe Machtdemonstration". "Das ist ein stumpfes Schwert, dass man Menschen droht, die hier redlich ihrer Arbeit nachgehen, die durch internationales Recht gedeckt ist. Auch wenn es nur so etwas Profanes ist, dass man droht, nicht mehr die USA besuchen zu dürfen – das macht mich traurig und fassungslos."

Der Landrat sieht in dem Brief auch "einen Affront gegen das Bundesland Mecklenburg-Vorpommern", das mit zehn Prozent Anteilseigner am Hafen Sassnitz-Mukran ist. Die Senatoren hatten dem Hafen mit Strafen gedroht, wenn sich Mitarbeiter an der Fertigstellung der Gasleitung Nord Stream 2 beteiligen. Zudem dürften dann US-Bürger und Firmen keine Geschäfte mit dem Hafen mehr machen.

Weitere Reaktionen

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) forderte von der Bundesregierung, "dass sie diesen Erpressungsversuchen entschieden entgegentritt". SPD-Fraktionsgeschäftsführer Carsten Schneider sagte, Deutschland dürfe sich nicht "wie ein Vasallenstaat" behandeln lassen. Der Grünen-Außenpolitiker Jürgen Trittin nannte die Drohung eine "wirtschaftliche Kriegserklärung".

Ein Sprecher der Bundesregierung erklärte auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur, man habe das Schreiben der US-Senatoren an den Hafen zur Kenntnis genommen: "Die Bundesregierung hat immer wieder deutlich gemacht, dass sie unilaterale, gegen deutsche und europäische Unternehmen gerichtete extraterritoriale Sanktionen, wie sie von den Vereinigten Staaten verhängt wurden, ablehnt". Sassnitz auf der Insel Rügen liegt im Wahlkreis von Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 07. August 2020 | 16:00 Uhr

63 Kommentare

Norbert 56 NRW vor 24 Wochen

Jau Wessi; Ruhe sanft, wer soll das denn glauben ? Fakt ist das D Gas benötigt und es kommt nunmal nicht aus dem Bic Feuerzeug. Warum soll man sich dieses teure Umweltschädigende US Frackinggas antun, wenn es nicht nötig ist ? Dieser Dreck muss auch noch mit Spezialtankern über den Atlantik hergekarrt werden. Die Europäer haben mit Nordstream auch gar nix mit am Hut, das ist eine rein Deutsch/ Russische Angelegenheit. Das ist nunmal so auch wenn Sie meinen man müsse sich unabhängig machen, womit denn ohne Rohstoffe ? Und noch was es gibt nichts zu lachen wenn von deutscher Ingenieurskunst die Rede ist, die ist das einzige wirkliche Kapital womit man in der Welt punkten kann, für alles andere fehlen uns schlicht E..R. Auch Sie werden sehen das Ihre EU zerbröselt wie ein alter Keks, und es ohne Nationalstaaten nicht funktioniert. Auch wenn Ihnen Ihre Überzeugung aus dem Kopf platzt. Realität ist eben nicht die Stärke eines Sozis...

Haller vor 24 Wochen

Das ist reale Politik, besonders schlimm die nicht gendergerechte Sprache.
Wir sollten poststrukturalistisch gegenhalten und diese Senatoren aus den Sprachschatz streichen.

Wessi vor 24 Wochen

@ Heimatloser ...nö, Erfolg.Und Selbstbehauptung der EU-Staaten.Hat nichts mit "Großmachtstreben" zu tun.Die BRD ist keine US-Kolonie.Und die EU allemal nicht.