Lieferverkehr Scheuer will Pakete mit der U-Bahn ausfahren lassen

Verstopfte Straßen, zugeparkte Radwege - das boomende Geschäft mit Paketlieferungen hat auch seine Schattenseiten. Verkehrsminister Scheuer hat deshalb nun einen unkonventionellen Vorschlag gemacht: eine spezielle Paket-U-Bahn. Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen zeigte sich offen für den Vorschlag.

Eine U-Bahn der Linie 8 fährt am späten Abend an der U-Bahnhaltestelle "Moritzplatz" im Stadtteil Kreuzberg ein.
Wenn es nach Bundesverkehrsminister Scheuer geht, könnten mit Hilfe einer speziellen U-Bahn bald Pakete transportiert werden. Bildrechte: dpa

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer will spezielle U-Bahnen zur Auslieferung von Paketen nutzen und dadurch den Lieferverkehr in den Städten reduzieren. "Ich wäre dazu bereit, ein Pilotprojekt mit einer Stadt zu machen, wo wir eine U-Bahn umbauen und eine spezielle Paket-U-Bahn daraus machen", sagte Scheuer den Partnerzeitungen der Neuen Berliner Redaktionsgesellschaft.

Andreas Scheuer
"Wir sollten bereit sein, neu zu denken und nicht immer das Aber zu sehen", sagte Scheuer zu seinem Vorschlag. Bildrechte: dpa

Scheuer machte bereits konkrete Vorschläge, wie ein solches Projekt aussehen könnte: Demnach könne die spezielle U-Bahn ab 2 Uhr nachts fahren und die Güter in die einzelnen Stadtteile liefern. Weiter sagte er: "Wir installieren Mikro-Hubs, von dort aus können die Lieferanten die Waren mit einem Elektro-Lastenfahrrad weitertransportieren."

Unter Mikro-Hubs ist demnach in diesem Zusammenhang ein Pakete-Zwischenlager an den U-Bahn-Haltestellen zu verstehen.

Bei dem Vorschlag geht es laut Scheuer darum, "dass wir oberirdisch Verkehr reduzieren". Nach den Vorstellungen des CSU-Politikers würde der automobile Lieferverkehr durch eine Paket-U-Bahn um bis zu 20 Prozent reduziert werden.

Verkehrsunternehmen wollen beim Klimaschutz helfen

Oliver Wolff, 2016
VDV-Geschäftsführer Oliver Wolff ist offen für ungewöhnliche Ideen. Bildrechte: dpa

Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) zeigte sich offen für den Vorschlag. Hauptgeschäftsführer Oliver Wolff sagte, seine Branche wolle genau wie die Politik die Klimaschutzziele im Verkehrssektor möglichst schnell erreichen. Es sei richtig, auch auf den ersten Blick ungewöhnliche Ideen zu diskutieren und abzuwägen. Scheuers Vorschlag wirft laut Wolff aber Fragen auf, die geklärt werden müssen: "Nachts werden in den U-Bahnsystemen notwendige Reparaturen und Instandhaltungen durchgeführt, die man während der normalen Betriebszeit nicht umsetzen kann." Außerdem werde mehr Personal benötigt.

Öffentlicher Nahverkehr soll gestärkt werden

In vielen Städten sind die zunehmenden Paketzustellungen wegen des hohen Verkehrsaufkommens ein Problem, es fehlen beispielsweise Parkplätze für Paketdienste. Am Freitag hatte der Bundesrat einem Gesetzesvorhaben zugestimmt, mit dessen Hilfe der Verkehr auf den Straßen reduziert und der öffentliche Nahverkehr gestärkt werden soll. Dafür werden die Mittel für den Neu- und Ausbau von Bahnhöfen und Haltestellen im Nahverkehr in diesem Jahr auf 665 Millionen Euro verdoppelt.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 15. Februar 2020 | 08:30 Uhr

9 Kommentare

ElBuffo vor 31 Wochen

Ich frage mich gerade, was dieser Vorschlag ändern soll. Die Pakete müssen trotzdem erstmal alle zu dem einen Paketzentrum und dann von diesem alle in der Stadt verteilt werden. Da ändert sich praktisch nichts. Zumindest wenn man mal davon ausgeht, dass keiner der Anbieter mit nur einem Zusteller auskommt.

revolvere vor 31 Wochen

ja, es wird zeit, dass wir den scheuer in der münchner u-bahn rumfahrn lassen.
dann kann er pakete ausfahrn. also ich kenne mindestens neufahrn bis sendlinger thor ... täglich

part vor 31 Wochen

Was denkt wohl Herr Bezos über die Vorschläge zur weiteren Störung der Nachtruhe in den Großstädten mit Einschränkungen beim Vertriebskonzept, wegen ein paar Lieferautos. Früher war man gewohnt zur nächsten Postfiliale zu gehen, etwas in der Schlange zu warten und seine Sendung abzuholen. Heute gibt es kaum noch richtige Postfilialen, dagegen aber lange Warteschlangen an Reinigungen, Kiosken und dergleichen mehr. Die Auslieferung mit Drohnen setzt ein großes bewachtes Grundstück vorraus, hat aber nicht jeder!!! Was aber machen gebehinderte Personen im Hochhaus, wo der Fahrstuhl seit Wochen in Reparatur ist und der Paketbote vielleicht schon um 5:00 Uhr in der früh klingelt, wegen der Logistik eines fränkischen Verkehrsministers? In London gibt es eine Stadtmaut, hoffentlich flüstert ihm niemand solche Ideen ins Ohr, er würde kein Mittel scheuen um weitere Einnahmen zu generieren.