Olaf Scholz (SPD), Vizekanzler und Bundesfinanzminster, besucht einen SPD-Stand während eines Wahlkampftermins.
Olaf Scholz war 2018 bereits kommissarischer Parteivorsitzender der SPD. Bildrechte: dpa

Nahles-Nachfolge SPD bestätigt Scholz-Bereitschaft für SPD-Vorsitz

Bundesfinanzminister Olaf Scholz ist nun doch bereit, für den SPD-Vorsitz zu kandidieren. Während er noch eine Partnerin sucht, hat mit Petra Köpping und Boris Pistorius ein weiteres Duo seine Ambitionen angemeldet.

Olaf Scholz (SPD), Vizekanzler und Bundesfinanzminster, besucht einen SPD-Stand während eines Wahlkampftermins.
Olaf Scholz war 2018 bereits kommissarischer Parteivorsitzender der SPD. Bildrechte: dpa

Bundesfinanzminister Olaf Scholz ist nun doch bereit, für den SPD-Vorsitz zu kandidieren. Eine Parteisprecherin bestätigte entsprechende Medienberichte.

Scholz sucht Partnerin

Sie sagte, Scholz habe seine Kandidatur den drei Interimsvorsitzenden Malu Dreyer, Manuela Schwesig und Thorsten Schäfer-Gümbel angeboten. Scholz sucht aber noch eine Partnerin, mit der er gemeinsam für den Parteivorsitz kandidieren will. Wer das sein könnte, ist bislang offen. Mit seiner Ankündigung macht Scholz eine Kehrtwende. Er hatte stets erklärt, aus zeitlichen Gründen nicht zur Verfügung zu stehen.

Scholz erster prominenter Bewerber

Scholz ist der erste SPD-Politiker aus der ersten Reihe, der seine Bewerbung für den Parteivorsitz verkündet. Andere prominente SPD-Politiker haben sich bislang zurückgehalten, was der Partei Kritik am Verfahren eingebracht hat. Die Bewerbungsfrist endet am 1. September. Gewählt werden soll die neue SPD-Führung auf einem Parteitag Anfang Dezember.

Scholz war nach dem Rücktritt des damaligen SPD-Chefs Martin Schulz im Februar 2018 bereits kommissarischer Parteivorsitzender - der Vorsitz endete mit der Wahl von Andrea Nahles am 22. April 2018. Seit 2009 war Scholz durchgängig stellvertretender Bundesvorsitzender der SPD.

Stegner und Schwan wollen GroKo beenden

Während Scholz noch eine Partnerin für seine Kandidatur sucht, präsentierte das Duo Gesine Schwan und Ralf Stegner seine Ideen für eine Erneuerung der SPD. Aus ihrer Sicht hat die Große Koalition langfristig keine Zukunft. Beide erklärten, spätestens nach der Legislaturperiode müsse Schluss sein. Stegner ergänzte, wenn die SPD im Herbst zu dem Schluss komme, dass sie wichtige strategische Fragen wie die Grundrente mit der Union nicht lösen könne, müsse sie sich trennen

Köpping und Pistorius kandidieren

Mit Sachsens Integrationsministerin Petra Köpping und Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius gaben zwei weitere bekannte SPD-Politiker ihre Kandidatur bekannt. Beide wollen am Sonntag ihre Pläne für die SPD vorstellen.

Petra Köpping und Boris Pistorius

Die 61 Jahre alte Köpping ist in Sachsen seit 2014 Staatsministerin für Gleichstellung und Integration. Sie zog im letzten Jahr große Aufmerksamkeit mit dem Buch "Integriert doch erstmal uns" auf sich. In der Streitschrift geht es um die Nachwendeerfahrungen der Ostdeutschen, die ihrer Meinung nach zu selten Thema im Diskurs zwischen Ost- und Westdeutschland seien.

Der 59-jährige Pistorius ist seit 2013 Innenminister in Niedersachsen und gilt als einer der profiliertesten Innenpolitiker der SPD. Zuvor war er Oberbürgermeister in Osnabrück. Er sich von den bisherigen Bewerbern ab, die überwiegend auf dem linken Flügel der SPD verortet sind.

Gesine Schwan und Ralf Stegner

Der 59-jährige Stegner, der immer wieder mit zugespitzten Formulierungen für Schlagzeilen sorgt, koordiniert seit Jahren den linken SPD-Flügel und ist seit 2014 Parteivize. Der "GroKo" steht er skeptisch gegenüber.

Die 76-jährige Schwan, die zweimal als Kandidatin für das Bundespräsidentenamt scheiterte, ist Chefin der Grundwertekommission ihrer Partei. Sie hatte zuletzt mehrmals öffentlich mit einer Kandidatur geliebäugelt und dabei für eine Rückbesinnung auf Kernthemen der SPD geworben.

Nina Kampmann und Michael Roth

Kampmann und Roth sind bislang die einzigen, die mit ihrer Team-Kandidatur die formal nötige Parteiunterstützung gesammelt haben. Der Staatsminister im Auswärtigen Amt und die ehemalige NRW-Familienministerin wählten für ihre Kampagne das Motto "Mit Herz und Haltung". Sie wollen unter anderem Kommunalpolitiker und Nicht-Mitglieder stärker einbeziehen.

Simone Lange und Alexander Ahrens

Die Oberbürgermeister von Flensburg und Bautzen wollen die SPD wieder näher an die Bürger bringen. Lange, eine frühere Kriminalpolizistin, war im April 2018 bereits gegen die damalige  Parteivorsitzende Andrea Nahles angetreten und hatte deren Wiederwahl durch einen Achtungserfolg von knapp 28 Prozent getrübt.

Ahrens hatte die SPD zwischenzeitlich verlassen, wurde als parteiloser Kandidat zum Bautzener Stadtchef gewählt und trat 2017 wieder in die SPD ein.

Karl Lauterbach und Nina Scheer

Lauterbach und Scheer werben mit ihrer Kampagne "Sozial. Ökologisch. Klar" unter anderem für ein Ende der großen Koalition. Lauterbach ist als langjähriger Gesundheitsexperte seiner Fraktion bekannt, Scheer widmet sich vor allem umwelt- und energiepolitischen Fragen.

Robert Maier und Hans Wallow

Maier und Wallow gehen als bislang einzige Einzelkandidaten ins Rennen. Maier ist Unternehmer und Vizepräsident des SPD-Wirtschaftsforums. Er wendet sich gegen einen "Linksruck" der SPD.

Wallow saß in den 80er und 90er Jahren für die SPD im Bundestag und würde der Partei gerne seine "lange Erfahrung sowohl in der praktischen Politik als auch in grundsätzlichen Fragen" zur Verfügung stellen, wie der 79-Jährige in einem Interview sagte.

(Quelle: AFP)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 16. August 2019 | 12:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. August 2019, 22:01 Uhr

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61 Kommentare

18.08.2019 17:08 Wessi 61

@ 57 Hier geht es um die SPD, nicht um die AfD="Saftladen".Und wenn du keine Sorge hast ist ja alles paletti, kannst ja den Mund halten.Wenigstens halte ich Scholz zu sehr als "Schroeder-Mann", um gegen eine "konservativere" CDU à la Merz+Maassen zu bestehen ist er allerdings besser als andere.

18.08.2019 09:16 Rychlik 60

Deutschlands Finanzminister mehrten ständig unseren Wohlstand. Wir hatten bisher immer kluge und weitsichtige. Nur Finanzminister haben Vetorecht und das hat seinen Grund. Deutschland geht es schon wieder zu gut, weshalb sich manche "reinigendes Gewitter", wie 1812 Urahnen meinten, herbeisehnen. Die verehrenden Schäden ausblendend, die unseren weltweit nobelsten Wohlstand bedrohen, werden naiv populistische Parolen geplappert

18.08.2019 08:20 frank d 59

Deutschland sucht den Super Spdler, der das Licht ausmacht. Es grenzt ja schon an Nekrophilie, mit einer gehörigen Portion Masochismus. all die SPD Funktionäre in allen möglichen Gremien und Beiräten, was sollen denn die alle machen wenn sie ihre Partei Endgültig über den Jordan gewirtschaftet haben. Wie kommen die Spitzenvertreter eigentlich darauf das jene die die gute alte Tante SPD in diese Lage brachten nun teil der Lösung sein sollen? nun denn, Demokratie live leben, Dann können sie alle incl. der Quotenfrauen und Pippi Nahles nach hause gehen. das wird sicher eine spannende Erfahrung. Dann wird es aber eng für die ganzen Jusos um den Kevin Kühnert, wo er doch schon fest die Karriere als Politprofi im Blick hatte, was dann andere Partei oder arbeiten gehen?

17.08.2019 22:22 Norberz NRW 58

@56 ach Gottchen die Genossen haben zu entscheiden. Hat bisher ja prima geklappt. Nur der Wähler muss das irgendwann bestätigen, oder eben nicht. Ihr schafft das da habe ich keine Sorge...

17.08.2019 18:48 Norbert NRW 57

Ist doch völlig egal, der eine Insolvenzverwalter ist so gut wie der andere. So ein Geschrei um diesen Saftladen, fehlt nur noch NRWs Hanne Kraft, dann geht's vorwärts in Richtung Abraumkante...Aber iss net schlümm, Sie haben sich stets bemüht...

17.08.2019 16:57 Wessi 56

@ 54 Wieso "versagt"? Wg. dem von Merkel herangeholten G20 inkl. internationalem Randaletum? Darauf sollte man seine Zeit als 1.Buergermeister nicht limitieren.Siehe Wohnungsbau z.B.. Aber - Mein Kandidat ist er nicht.Zu rechts.Zu sehr Schroederanhaenger.@ 53 Woher wissen Sie, dass Scholz gewaehlt werden wird? Erhat ja noch nicht einmal jemanden an seiner Seite zum Kandidieren!Es hilft alles nichts: nicht die sich hier austobende Rechtspopule hat zu entscheiden, einzuschaetzen+abzuwiegen....es sind allein die Genoss*innen der Partei!

17.08.2019 16:45 Anja 55

@ 5 4 ja das stimmt wir denken auch stets das er im Tiefschlaf sich befindet so wie er auf die Bilder stets aussieht, der hätte nach Hamburg nie so einen Posten erhalten dürfen, nie , sondern vollkommend entlassen werden , von allen Ämtern !

17.08.2019 13:46 oppie 54

Eine Schlaftablette ,die in Hamburg versagt hat . Es läuft ,weiter so .

17.08.2019 11:28 Halligalli 53

Nur ein neuer Wind könnte die SPD beflügeln, aber nein, man setzt auf alt bekannte „Zug“Pferde, die ein weiter so bedeuten, oder geht den „Alt“Genossen nur die Muffe um ihre Machtansprüche u. Bezüge? War da nicht eine Bankenrettung u. das Desaster in HH, wo sich Linksradikale austoben dürften, was ja als Scholz die Bürger eigentlich gar nicht mitbekommen sollten.
Wer solche Leute in Position bring, braucht sich um Wählerverlust keine Gedanken machen, die kehren der SPd nun endgültig den Rücken.

17.08.2019 11:17 007 ... mit ner eignen Meinung! 52

S-P-D S-P-D ??? Hmmm kann mir mal jemand sagen wer oder was das ist? War das nicht einst ein Anhängsel von Merkel? ...